SpOn 22.05.2026
13:57 Uhr

Ebola: Patient laut Charité stark geschwächt, aber »nicht kritisch krank«


Der mit Ebola infizierte US-Arzt ist stabil, wie die Berliner Charité mitteilt. In Afrika gibt es derweil ständig neue Fälle. Isolierstationen, Medikamente und Personal fehlen.

Ebola: Patient laut Charité stark geschwächt, aber »nicht kritisch krank«

Noch ist unklar, wie groß der aktuelle Ebolaausbruch in Afrika tatsächlich ist. Die Zahl der Betroffenen in der Demokratischen Republik Kongo steigt täglich. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitagmittag bekannt gab, gibt es bisher fast 750 Verdachtsfälle und 177 mutmaßliche Todesfälle. 82 Ebolafälle sind demnach bislang bestätigt, mit sieben Todesfällen. In Uganda sei die Lage stabil, sagte der WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus weiter. Dort gab es zwei bestätigte Fälle; ein Mann starb.

Verantwortlich für den Ausbruch ist ein vergleichsweise seltener Typ des Virus, Bundibugyo genannt. Bis heute gibt es weder zugelassene Impfstoffe noch Behandlungen dafür.  Alle Ebolaviren werden durch Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten übertragen und können grippeähnliche Symptome, Erbrechen und Durchfall sowie schließlich innere und äußere Blutungen sowie Leber- und Nierenversagen verursachen.

In der Nacht zu Mittwoch war ein US-amerikanischer Arzt in der Berliner Charité aufgenommen worden. Er ist nach Angaben des Universitätsklinikums zwar sehr geschwächt, aber aktuell in keinem kritischen Zustand. »Bei dem Patienten wurde das Bundibugyo-Virus mit einem PCR-Test eindeutig nachgewiesen«, teilte die Charité mit. Der Mann zeige deutliche Krankheitssymptome, benötige jedoch derzeit keine intensivmedizinischen Maßnahmen oder Organersatzverfahren. »Da sich der Verlauf der Erkrankung aber ändern kann, wird er weiterhin engmaschig überwacht und behandelt.«

Die Ehefrau und die vier Kinder des Patienten, die als Hochrisikokontakte eingestuft werden, sind den Angaben zufolge aktuell symptomfrei und befinden sich in einem getrennten Teil der Station in Quarantäne. »In einem ersten PCR-Test konnte keine Ebolavirus-Infektion nachgewiesen werden«, hieß es weiter.

Medizinisches Personal fehlt vor Ort

Eine Woche nach Bekanntgabe des Ebolaausbruchs in der kongolesischen Ituri-Provinz befinden sich Experten, Gesundheitspersonal und Helfer im Wettlauf gegen die Zeit. »Es kommt jetzt darauf an, rasch Isolier- und Behandlungskapazitäten an unterschiedlichen Orten einzurichten«, sagte Maximilian Gertler, Epidemiologe der Berliner Charité und für Ärzte ohne Grenzen (MSF) bereits mehrfach im Ebola-Einsatz in Afrika.

Doch wegen der fragilen Sicherheit in der Konfliktregion und logistischer Anforderungen sei dies kompliziert. »Wir schicken gerade viele Mitarbeitende mit Erfahrung in Ebolaausbrüchen in die betroffenen Regionen, um die bestehenden Teams zu unterstützen«, sagte Gertler. Parallel dazu müsse medizinisches Personal ausgebildet und in den Einsatz gebracht werden.

Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Ostkongo tragen einen Sarg: Mangelnde Versorgung

Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Ostkongo tragen einen Sarg: Mangelnde Versorgung

Foto: Moses Sawasawa / AP / dpa

Enorme logistische Herausforderungen

Die Größe der betroffenen Region, die an Uganda und den Südsudan grenzt, und das Ausmaß der Epidemie eine Woche nach der offiziellen Bekanntgabe durch die Gesundheitsbehörden stellen eine enorme logistische Herausforderung dar. Mancherorts sind die bestehenden Kapazitätsgrenzen bereits erreicht. »Im Moment hören wir von vielen unserer Teams und anderen Gesundheitseinrichtungen, dass sich bei ihnen ununterbrochen Verdachtsfälle vorstellen, für die keine Isolierkapazitäten vorhanden sind«, sagte Gertler, der in ständigem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort steht. »Dann steht für diese Patienten unter Umständen keine Behandlung zur Verfügung. Außerdem besteht natürlich die Möglichkeit, dass diese Infizierten weitere Infektionen auslösen.«

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Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist angesichts des schnellen Anstiegs der Verdachtsfälle besorgt. »Der Ausbruch breitet sich rasant in Gebieten aus, deren Gesundheitssysteme ohnehin schon schwach sind und in denen häufig Grenzübertritte stattfinden«, sagte Ariel Kestens von der IKRK-Delegation in Kinshasa.

Die Vereinten Nationen stellen rund 60 Millionen Dollar aus einem Notfallfonds bereit und entsenden zusätzliches Personal, wie Uno-Nothilfechef Tom Fletcher auf der Plattform X  mitteilte.

Ausbruch womöglich zwei Monate unbemerkt

In der Demokratischen Republik Kongo haben Demonstranten Zelte zur Behandlung von Ebolapatienten in Brand gesetzt. Auslöser war ein Streit über die Leiche eines ​mutmaßlich an dem Virus gestorbenen lokalen Fußballspielers. Leichen von Ebolaopfern sind hochgradig ansteckend. Unsichere Bestattungen, bei denen Angehörige ⁠die Toten ⁠ohne Schutzausrüstung berühren, gelten als einer der entscheidenden Treiber für die Ausbreitung des Virus.

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Bereits bei ​früheren Ebolaausbrüchen in Kongo hatten Misstrauen und Desinformation die Eindämmung erschwert. Zwischen 2018 und 2020 wurden Hunderte Gesundheitszentren angegriffen, damals ​starben fast 2300 Menschen.

Expertinnen und Experten gehen davon aus, ‌dass die Krankheit etwa zwei Monate lang unbemerkt in der ​kongolesischen Provinz Ituri kursierte. Ermittler in der Demokratischen Republik Kongo haben eine Person identifiziert, die am 20. April gestorben ist, und behandeln sie vorläufig als ersten Fall.

alw/dpa