Noch ist unklar, wie groß der aktuelle Ebola-Ausbruch in Afrika tatsächlich ist. Die Zahl der Betroffenen in der Demokratischen Republik Kongo steigt täglich. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitagmittag bekannt gab, gibt es bisher fast 750 Verdachtsfälle und 177 mutmaßliche Todesfälle. 82 Ebola-Fälle sind demnach bislang bestätigt, mit sieben Todesfällen. In Uganda sei die Lage stabil, sagte der WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus weiter. Dort gab es zwei bestätigte Fälle; ein Mann starb.
Verantwortlich für den Ausbruch ist ein vergleichsweise seltenener Typ des Virus, Bundibugyo genannt. Bis heute gibt es weder zugelassene Impfstoffe noch Behandlungen dafür. Alle Ebolaviren werden durch Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten übertragen und können grippeähnliche Symptome, Erbrechen und Durchfall sowie schließlich innere und äußere Blutungen sowie Leber- und Nierenversagen verursachen.
In der Nacht zu Mittwoch war ein US-amerikanischer Arzt in der Berliner Charité aufgenommen worden. Er ist nach Angaben des Universitätsklinikums zwar sehr geschwächt, aber aktuell in keinem kritischen Zustand. »Bei dem Patienten wurde das Bundibugyo-Virus mit einem PCR-Test eindeutig nachgewiesen«, teilte die Charité mit. Der Mann zeige deutliche Krankheitssymptome, benötige jedoch derzeit keine intensivmedizinischen Maßnahmen oder Organersatzverfahren. »Da sich der Verlauf der Erkrankung aber ändern kann, wird er weiterhin engmaschig überwacht und behandelt.«
Die Ehefrau und die vier Kinder des Patienten, die als Hochrisikokontakte eingestuft werden, sind den Angaben zufolge aktuell symptomfrei und befinden sich in einem getrennten Teil der Station in Quarantäne. »In einem ersten PCR-Test konnte keine Ebolavirus-Infektion nachgewiesen werden«, hieß es weiter.
Medizinisches Personal fehlt vor Ort
Eine Woche nach Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs in der kongolesischen Ituri-Provinz befinden sich Experten, Gesundheitspersonal und Helfer im Wettlauf gegen die Zeit. »Es kommt jetzt darauf an, rasch Isolier- und Behandlungskapazitäten an unterschiedlichen Orten einzurichten«, sagte Maximilian Gertler, Epidemiologe der Berliner Charité und für Ärzte ohne Grenzen (MSF) bereits mehrfach im Ebola-Einsatz in Afrika.
Doch wegen der fragilen Sicherheit in der Konfliktregion und logistischer Anforderungen sei dies kompliziert. »Wir schicken gerade viele Mitarbeitende mit Erfahrung in Ebola-Ausbrüchen in die betroffenen Regionen, um die bestehenden Teams zu unterstützen«, sagte Gertler. Parallel dazu müsse medizinisches Personal ausgebildet und in den Einsatz gebracht werden.
Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Ostkongo tragen einen Sarg: Mangelnde Versorgung
Foto: Moses Sawasawa / AP / dpaEnorme logistische Herausforderungen
Die Größe der betroffenen Region, die an Uganda und den Südsudan grenzt, und das Ausmaß der Epidemie eine Woche nach der offiziellen Bekanntgabe durch die Gesundheitsbehörden stellen eine enorme logistische Herausforderung dar. Mancherorts sind die bestehenden Kapazitätsgrenzen bereits erreicht. »Im Moment hören wir von vielen unserer Teams und anderen Gesundheitseinrichtungen, dass sich bei ihnen ununterbrochen Verdachtsfälle vorstellen, für die keine Isolierkapazitäten vorhanden sind«, sagte Gertler, der in ständigem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort steht. »Dann steht für diese Patienten unter Umständen keine Behandlung zur Verfügung. Außerdem besteht natürlich die Möglichkeit, dass diese Infizierten weitere Infektionen auslösen.«
We need to get ahead of this Ebola outbreak.
— Tom Fletcher (@UNReliefChief) May 22, 2026
I am allocating up to $60 million from the United Nations Central Emergency Response Fund to accelerate the response in the Democratic Republic of the Congo and the wider region.
1/ https://t.co/mbi5qCjPuH
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist angesichts des schnellen Anstiegs der Verdachtsfälle besorgt. »Der Ausbruch breitet sich rasant in Gebieten aus, deren Gesundheitssysteme ohnehin schon schwach sind und in denen häufig Grenzübertritte stattfinden«, sagte Ariel Kestens von der IKRK-Delegation in Kinshasa.
Die Vereinten Nationen stellen rund 60 Millionen Dollar aus einem Notfallfonds bereit und entsenden zusätzliches Personal, wie Uno-Nothilfechef Tom Fletcher auf der Plattform X mitteilte.
Ausbruch womöglich zwei Monate unbemerkt
In der Demokratischen Republik Kongo haben Demonstranten Zelte zur Behandlung von Ebola-Patienten in Brand gesetzt. Auslöser war ein Streit über die Leiche eines mutmaßlich an dem Virus gestorbenen lokalen Fußballspielers. Leichen von Ebola-Opfern sind hochgradig ansteckend. Unsichere Bestattungen, bei denen Angehörige die Toten ohne Schutzausrüstung berühren, gelten als einer der entscheidenden Treiber für die Ausbreitung des Virus.
- Ebolaausbruch in Zentralafrika: Seltener Virustyp, spät entdeckt, kein Impfstoff Ein Video von Fabian Pieper und Jonathan Miske (Animation)
- Behandlung von Ebola-Patienten in Deutschland: »Besonders sensibel ist das Ausziehen des Anzugs« Ein Interview von Alina Schadwinkel
- WHO ruft Gesundheitsnotstand aus: Drei Gründe, warum der neue Ebola-Ausbruch beunruhigend ist Von Alina Schadwinkel
Bereits bei früheren Ebola-Ausbrüchen im Kongo hatten Misstrauen und Desinformation die Eindämmung erschwert. Zwischen 2018 und 2020 wurden Hunderte Gesundheitszentren angegriffen, damals starben fast 2300 Menschen.
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Krankheit etwa zwei Monate lang unbemerkt in der kongolesischen Provinz Ituri kursierte. Ermittler in der Demokratischen Republik Kongo haben eine Person identifiziert, die am 20. April gestorben ist, und behandeln sie vorläufig als ersten Fall.
