Der frühere Präsident der Fifa, Joseph Blatter, sieht bei sich nach wie vor keine persönliche Verantwortung für die Korruptionsskandale, die den Fußball-Weltverband unter seiner Führung über Jahre geprägt und erschüttert haben. Er könne nachts gut schlafen, er habe ein »reines Gewissen«, sagte der Schweizer in mehreren Interviews anlässlich seines heutigen 90. Geburtstages.
So sagt er in der Rückschau auf seine 17 Jahre währende Präsidentschaft bis 2015: »Ich bereue nichts, was ich nicht gemacht habe, wie ich auch nicht bereue, was ich gemacht habe.«
Die Fifa sei »ganz sicher nicht mafiös« gewesen, sagt er, unter dessen Führung die Weltmeisterschaften an Russland und Katar vergeben worden waren; er räumt allerdings ein: »Aber es gab Leute, die in Abhängigkeitsverhältnissen standen und Geld angenommen haben.«
Rücktritt nach Razzia
Von 1998 bis 2015 hatte Blatter den Weltverband geführt. Er musste schließlich abtreten, nachdem US-Behörden bei einer Razzia in einem Zürcher Luxushotel mehrere Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees unter dringendem Korruptionsverdacht festgenommen hatten.
Auf dem Höhepunkt der Korruptionsaffäre 2015: Blatter wird von einem Komiker mit Geldscheinen beworfen
Foto: FABRICE COFFRINI / AFPIm Dezember 2015 sperrte ihn die Fifa-Ethikkommission wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsführung für acht Jahre für alle Tätigkeiten im Fußball. Die Sperre wurde später auf sechs Jahre verkürzt. Blatter selbst zeigte sich keines Fehlverhaltens bewusst. »Ich bin mit mir im Reinen«, sagte er 2018.
Vorwürfe gegen Infantino
Zuletzt hat Blatter vor allem durch heftige Vorwürfe gegen seinen Nachfolger und Schweizer Landsmann Gianni Infantino auf sich aufmerksam gemacht. Sein Nachfolger regiere als »Sonnenkönig«, sagt Blatter regelmäßig, er spricht von einer »totalen Diktatur«. Scharfe Kritik übte er an der Nähe, die Infantino zu US-Präsident Donald Trump sucht. Fußballfans warnte er vor einer Reise zur WM in die USA im Sommer.
Trotz gewisser gesundheitlicher Probleme gehe es ihm heute gut, er werde den Geburtstag im kleinen Kreis feiern, berichtet Blatter im »Tagesanzeiger«.
Sein Kampf gehe auch im Alter von 90 Jahren weiter, verknüpft mit einem Wunsch: Er wolle noch »ehrenhaft« auf einem Fifa-Kongress verabschiedet werden. Dann, versprach er in der »Sport Bild«, sei »die Ära Blatter bei der Fifa endgültig vorbei«.
