SpOn 13.10.2026
18:17 Uhr

Eichstätt: Cyberangriff legt Stadtverwaltung lahm


Eichstätt hat vorsorglich alle Server vom Netz genommen. Die Folge: Sämtliche Dienste der Stadt in Bayern sind lahmgelegt. Auch auf das Landratsamt Cham gab es eine Cyberattacke – wohl ohne Zusammenhang.

Eichstätt: Cyberangriff legt Stadtverwaltung lahm

Nach einem kriminellen Cyberangriff stellt sich die Stadt Eichstätt auf einen längeren Ausfall ihrer IT-Systeme ein. »Wir haben derzeit noch nicht einmal die Informationen, die uns als Grundlage dienen könnten, um zu sagen, wie lange das dauert«, sagte Sprecherin Sophie Fries. »Wir bereiten uns auf alle Eventualitäten vor.« Wie heute bekannt wurde, gab es am Donnerstag auch auf das Landratsamt Cham eine Cyberattacke. Diese ist den Angaben nach behoben.

Aktuell gibt es keine Erkenntnisse, dass zwischen den Vorfällen in Eichstätt und Cham ein Zusammenhang besteht, wie eine Sprecherin der bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelten Zentralstelle Cybercrime Bayern mitteilte.

Die Stadt Eichstätt hat wegen des Angriffs sämtliche Server vorsorglich vom Netz genommen, wodurch alle Dienste der Stadtverwaltung lahmgelegt wurden. Die Verwaltung war auch nicht mehr per E-Mail oder Telefon erreichbar. »Wir arbeiten gerade daran, für die Bürgerinnen und Bürger eine Übersicht zu erstellen, was funktioniert und was nicht«, erläuterte Fries.

Ermittler gehen von Ransomware-Angriff aus

Die Ermittler gehen derweil von einem Ransomware-Angriff aus. Dabei werden Daten auf einem IT-System mit einer Erpressungssoftware verschlüsselt und die Entschlüsselung nur gegen Zahlung eines Lösegelds in Aussicht gestellt. Laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik wird den Opfern häufig zusätzlich mit der Veröffentlichung der entwendeten Daten gedroht.

Zwar stehe man noch am Anfang der Auswertungen, betonte die Sprecherin der Zentralstelle Cybercrime. Aber: »Nach aktuellen Erkenntnissen wurde versucht, in das System einzugreifen.«

Laptop, der mit einem fiktiven Verschlüsselungstrojaner (Ransomware) befallen ist

Laptop, der mit einem fiktiven Verschlüsselungstrojaner (Ransomware) befallen ist

Foto: Lino Mirgeler / dpa

Aus welcher Richtung der Angriff auf die Stadt Eichstätt stammt, können die Fachleute noch nicht sagen. Genauso wenig, ob und gegebenenfalls welche Daten abgeflossen sind.

Derzeit würden vorrangig technische Auswertungen durchgeführt. Gerade die Verfolgung von Ransomware-Angriffen sei aufwendig, weil »eine Vielzahl von digitalen Spuren« ausgewertet werden müsse, erläuterte die Expertin weiter.

Rathaus in dringenden Fällen persönlich und per Hotline erreichbar

Der Cyberangriff war Fries zufolge am Montagmorgen aufgefallen. Die Kommune arbeite eng mit Polizei und Landeskriminalamt zusammen; so seien LKA-Forensiker bis Montagabend im Rathaus gewesen.

Die Abteilungen des Rathauses bleiben derweil vorerst geschlossen. In dringenden Fällen können sich Bürger an einen Infopunkt im Rathaus oder eine Hotline wenden. Die Stadt rät ihren Bürgern zurzeit zur Vorsicht, wenn diese vermeintliche Mitteilungen oder Aufforderungen von der Stadt erhalten.

IT-Systeme im Landratsamt Cham zeitweise überlastet

In Cham handelte es sich bei der Cyberattacke gegen das Landratsamt um einen sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Angriff (DDoS). Dieser habe sich am Donnerstag ereignet. Ziel sei dabei nicht das Ausspähen von Daten, sondern die Überlastung der Systeme und Dienste durch eine extrem hohe Anzahl gleichzeitiger Anfragen. Die Angriffswelle habe in den frühen Morgenstunden begonnen und sich in Wellen gesteigert.

Die interne IT-Abteilung habe die Ursache gemeinsam mit einer Fachfirma und dem Internetprovider bis zum Mittag aufgeklärt und Schutzmaßnahmen aktiviert, sodass ab dem Nachmittag der Regelbetrieb schrittweise habe wieder aufgenommen werden können, teilte die Sprecherin weiter mit. Der Vorfall sei dokumentiert und werde zur weiteren Verfolgung bei den Strafverfolgungsbehörden angezeigt.

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Der Angriff erfolgte nach bisherigen Erkenntnissen aus einem weltweiten Netz kompromittierter Systeme. Die Anfragen stammten aus rund 50 Ländern, darunter Brasilien, Indien, Mexiko, Argentinien, der Irak und Bangladesch.

Vor Kurzem gab es auch auf die Hauptstadt eine Cyberattacke. 341.800 PDFs, 156.496 E-Mails, 123.198 Bilder – lesen Sie hier  mehr über das Ausmaß des Berliner Datenleaks.

aeh/dpa