SpOn 12.03.2026
16:06 Uhr

Erzbistum Paderborn: Studie zeigt mehr Missbrauch-Fälle als bisher bekannt


Fast doppelt so viele beschuldigte Priester und Hunderte betroffene Kinder und Jugendliche: Zwei Kardinäle haben laut einer Studie im Erzbistum Paderborn Missbrauchsfälle vertuscht und Opfer allein gelassen.

Erzbistum Paderborn: Studie zeigt mehr Missbrauch-Fälle als bisher bekannt

Im Erzbistum Paderborn haben in den Jahren 1941 bis 2002 deutlich mehr Priester Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht als bisher bekannt. Das ist das Ergebnis einer unabhängigen Studie, die die Universität Paderborn nun vorgestellt hat. Bislang galten laut 2018 veröffentlichten Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz für diesen Zeitraum 111 Priester als Beschuldigte.

»Diese Zahlen sind stark zu korrigieren«, sagte die Mitautorin und Historikerin Nicole Priesching. Jetzt gebe es 210 Hinweise auf Beschuldigte, die 489 Kinder und Jugendliche missbraucht haben sollen.

Aufgeteilt auf die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt nannte Priesching ebenfalls Zahlen. Unter Jaeger wurden 144 Priester beschuldigt, 316 Kinder missbraucht zu haben. Bei Degenhardt waren es 98 Beschuldigte und 195 Betroffene. Das sind 4,35 Prozent der über die Jahre beschäftigten Kleriker.

Vertuschungsversuche durch die Kardinäle

Unter beiden Kardinälen sei versucht worden, die Fälle zu vertuschen und die Täter zu schützen. Die Opfer und deren Familien wurden unter Druck gesetzt, so die Historikerin, die Anzeigen zurückzuziehen. Wenn die Priester geständig waren, die Fälle aber in der Öffentlichkeit noch nicht bekannt waren, konnten sie ihre Arbeit in der Regel fortsetzen.

Noch bis in das Jahr 2001, so die Autorin der Studie, habe Degenhardt von Einzelfällen gesprochen. Er habe diese als Fehltritte und unglückliches Verhalten der Kleriker bezeichnet. Beide Kardinäle hätten große Milde gegenüber den Priestern gezeigt, dafür kein Verständnis für die Opfer, so die Autoren.

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Für das Jahr 2027 kündigte die Professorin die zweite Studie an. In dieser Arbeit geht es um die Zeit von Hans-Josef Becker. Der noch lebende Erzbischof war von 2002 bis 2022 im Amt.

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aeh/dpa