SpOn 15.10.2026
07:07 Uhr

Essen: Häftling befreit – Polizei fahndet nach drei Männern


Wegen Drogendelikten und gefährlicher Körperverletzung saß der Mann mit Verbindungen ins Clanmilieu ein. Nun ist er nicht mehr im Gefängnis. Der Grund: eine Befreiungsaktion. Die Polizei mahnt die Bevölkerung zur Vorsicht.

Essen: Häftling befreit – Polizei fahndet nach drei Männern

Die Polizei fahndet nach der gewaltsamen Befreiung eines Häftlings beim Arztbesuch in Essen mit zahlreichen Beamten nach dem 34-jährigen Geflüchteten und zwei maskierten Angreifern. Eine Bewaffnung der Täter könne nicht ausgeschlossen werden, teilte die Polizei mit .

Sie leitete nach der Tat in der Essener Innenstadt am Mittwochmittag umfangreiche Fahndungsmaßnahmen mit einer Vielzahl von Einsatzkräften im Stadtgebiet ein. Außerdem veröffentlichte sie am Mittwochabend ein Foto des flüchtigen Häftlings und bat um Hinweise zum möglichen Aufenthaltsort .

Zwei bewaffnete Männer hatten die beiden Justizbeamten angegriffen, die den Häftling zu einem Arztbesuch begleiteten, wie die Ermittler mitteilten. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, wurden die Beamten im Hausflur der Praxis in dem mehrstöckigen Gebäude attackiert. Nach ersten Ermittlungen kam es zu einer Rangelei, bei der einer der Beamten seine Waffe gezogen haben soll. Sie sei ihm aber aus der Hand geschlagen worden, so die dpa weiter. Nach SPIEGEL-Informationen wurden die Justizbediensteten anschließend gefesselt. Nach Angaben der Polizei blieben sie unverletzt.

Flucht auf E-Scooter

Der 34-Jährige und seine Helfer flüchteten laut Polizei in unterschiedliche Richtungen. Der Häftling suchte demnach auf einem E-Scooter das Weite. Mitarbeiter einer Arztpraxis alarmierten nach dem Angriff die Polizei, wie die Ermittler bekannt gaben.

Der Tatort liegt am Kennedyplatz, einem der größten Plätze in der Essener Innenstadt. Er ist umgeben von zahlreichen Restaurants und Cafés, regelmäßig finden dort Märkte und große Veranstaltungen statt. Auch zahlreiche Arztpraxen sind rund um den Platz angesiedelt.

Nach Angaben des NRW-Justizministeriums saß der Geflüchtete wegen Drogendelikten und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft. Er sollte aus der Justizvollzugsanstalt Essen zum Arzt gebracht werden. Laut dpa ordnen ihn die Behörden dem Bereich Clankriminalität zu.

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Als Clankriminalität bezeichnen die Behörden Straftaten, die sich aus ethnisch abgeschotteten Subkulturen heraus entwickeln. Meist stammen die Täter in Nordrhein-Westfalen aus türkisch-arabischstämmigen Großfamilien. Allerdings ist der Begriff umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.

Die Ermittler mahnen die Bevölkerung zur Vorsicht. »Sollten Sie eine verdächtige Person bemerken, sprechen Sie sie nicht an! Rufen Sie umgehend die 110 an. Derzeit kann eine Bewaffnung der Täter nicht ausgeschlossen werden«, schrieb die Polizei.

wit/dpa