Rund ein Jahr nach der Parlamentswahl verlässt die sozialdemokratische Partei Siumut die grönländische Regierung. Damit sende die Partei das falsche Signal in Richtung USA, erklärte Regierungschef Jens-Frederik Nielsen auf der Plattform Facebook. Vor dem Hintergrund der wiederholten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, Grönland zu annektieren, hatte Nielsen im vergangenen Jahr eine breite Vier-Parteien-Koalition gebildet.
»Unser Land ist einem Druck und einer Aufmerksamkeit der Außenwelt ausgesetzt, wie wir sie noch nie zuvor erlebt haben«, hob der Regierungschef nun hervor. Deshalb sei es wichtig, Zusammenhalt zu demonstrieren. »Es ärgert mich, dass Siumut nicht länger ein Teil dieser Gemeinschaft sein will.«
Die Regierung verfügt auch ohne die Partei weiterhin über eine eigene Mehrheit.
Ministerin: Rückschritt in Verhandlungen mit den USA
Die sozialdemokratische Ministerin für äußere Angelegenheiten, Vivian Motzfeld, stellte sich gegen die Entscheidung ihrer Partei. Sie war bislang an den aktuellen Verhandlungen zwischen Dänemark, Grönland und den USA beteiligt, um eine Lösung im Streit über die Arktisinsel zu finden. »Das heißt, dass man jetzt noch einmal von vorn anfangen muss«, sagte sie dem dänischen Rundfunk.
Die Sozialdemokraten hatten seit einigen Tagen damit gedroht, die Koalition in Nuuk zu verlassen. Die dänische Nachrichtenagentur Ritzau berichtet, dass hinter der Entscheidung von Siumut-Chefin Aleqa Hammond ein interner Streit steht. Demnach wollen zwei Minister der grönländischen Regierung bei der anstehenden Wahl in Dänemark für das dänische Parlament kandidieren. Die Parlamentswahl in Dänemark ist am 24. März. Grönland gehört als autonomes Gebiet zum EU-Land Dänemark und damit auch zur Nato. Die Insel selbst ist allerdings nicht Teil der Europäischen Union.
Trump hatte nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus immer wieder Besitzansprüche auf Grönland erhoben. Er stürzte die Nato damit in eine tiefe Krise. Drohungen einer gewaltsamen Übernahme Grönlands durch die USA nahm er im Januar zurück. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte im Februar aber, Trump wolle das rohstoffreiche und strategisch wichtig gelegene Grönland nach wie vor besitzen.
Vor Trump wollte bereits ein Politiker Grönland kaufen und gab ein Angebot über 100 Millionen Dollar ab. Warum sich der aktuelle US-Präsident für die Insel interessiert – und wieso sie zu Dänemark gehört, lesen Sie hier im Überblick.
