SpOn 14.03.2026
08:06 Uhr

Hisbollah: Israel plant offenbar die größte Invasion in den Libanon seit 2006


»Werden im Libanon machen, was wir in Gaza gemacht haben«: Israel bereitet sich wohl auf eine Eskalation des Kriegs gegen die Hisbollah vor. Zuvor hatten die Schiitenmiliz und Iran erstmals koordiniert angegriffen.

Hisbollah: Israel plant offenbar die größte Invasion in den Libanon seit 2006

Israel plant die größte Bodenoffensive im Libanon seit 2006. Das berichtet  der für gewöhnlich gut unterrichtete Investigativjournalist Barak Ravid für das US-Newsportal Axios. Die Armee soll demnach alle Gebiete südlich des Litani-Flusses besetzen, um jegliche Infrastruktur der schiitischen Hisbollah-Miliz zu zerstören. Ein israelischer Militär sagte demnach: »Wir werden im Libanon machen, was wir in Gaza gemacht haben«. Hintergrund für die Eskalation sei der koordinierte Angriff von Hisbollah und Iran am Mittwoch, als allein aus dem Libanon mehr als 200 Raketen auf Israel abgeschossen wurden.

Bereits am Freitag hatte das israelische Militär erstmals eine Brücke, die über den Litani-Fluss führt, angegriffen – und damit zivile Infrastruktur. Für die Schiitenmiliz Hisbollah soll sie ein wichtiger Übergang gen Süden, also nach Israel, gewesen sein. Die Miliz habe in der Nähe Abschussrampen stationiert und von dort aus Israel beschossen, hieß es in einer Erklärung des Militärs. Es hat somit gezielt zivile Infrastruktur angegriffen; auch viele Binnenflüchtlinge, die das Kampfgebiet verlassen, haben diese Brücke bisher genutzt.

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»Die libanesische Regierung und der libanesische Staat werden einen immer höheren Preis in Form von Schäden an der Infrastruktur zahlen, die von Hisbollah-Terroristen« für Angriffe auf Israel genutzt werde, sagte Verteidigungsminister Israel Katz. Sollte die Regierung in Beirut ihrer Verpflichtung zur Entwaffnung der Hisbollah nicht nachkommen, werde Israel auch die Kontrolle über libanesische Gebiete übernehmen, sagte er weiter.

Die Entwaffnung der Hisbollah ist Teil der Vereinbarungen zur Waffenruhe, die Israel und die proiranische Miliz im November 2024 vereinbart hatten. Die libanesische Armee hatte im Januar erklärt, die erste Phase der Hisbollah-Entwaffnung abgeschlossen zu haben, die das Gebiet vom Litani-Fluss bis hinunter zur israelischen Grenze betrifft. Nach dem Beginn des Irankriegs am 28. Februar eskalierte der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah erneut.

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Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu richtete eine scharfe Warnung an die libanesische Regierung. Wenn diese die Hisbollah nicht entwaffne, »werden wir es machen«, sagte er. Zum Kriegsverlauf sagte Netanyahu, sein Land und die USA seien dabei, Iran und die mit ihm verbündete Hisbollah zu »zermalmen«.

Der libanesische Präsident Joseph Aoun erklärte, er habe Israel vorgeschlagen, internationale Vermittler zur Herbeiführung eines Endes der Kämpfe hinzuzuziehen. Israel habe darauf bisher nicht reagiert. »Wir hoffen auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft in dieser schwierigen Zeit«, fügte Aoun anlässlich des Besuchs von Uno-Generalsekretär António Guterres hinzu.

Der Uno-Generalsekretär forderte eine Waffenruhe. Israel und die Hisbollah müssten »den Krieg beenden«, sagte er im Präsidentenpalast in Beirut weiter. Seit dem 28. Februar wurden nach Angaben der örtlichen Behörden rund 700 Menschen im Libanon getötet. Die israelischen Streitkräfte meldeten den Tod von zwei Soldaten.

dop/AFP