SpOn 29.04.2026
07:21 Uhr

Homeoffice-Privileg ist laut Studie sehr ungleich verteilt


Das Homeoffice sei »gekommen, um zu bleiben«, sagen die Autoren einer neuen Studie. Allerdings hänge das Angebot von Heimarbeit stark von Beruf und Wohnort ab – und sollte auf weitere Branchen ausgedehnt werden.

Homeoffice-Privileg ist laut Studie sehr ungleich verteilt

Trotz der schlechten Wirtschaftslage bleibt das Angebot von Homeoffice in Deutschland einer Studie zufolge auf hohem Niveau – ist aber sehr ungleich verteilt. Demnach ​enthielt im vergangenen Jahr jedes fünfte Online-Stellenangebot die Möglichkeit zur Fernarbeit, wie die Bertelsmann Stiftung am Mittwoch ‌mitteilte. »Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht«, sagte Gunvald Herdin, Arbeitsmarktexperte der Stiftung. »Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben.« Allerdings gilt dies vor allem für männerdominierte Berufe, insbesondere die IT.

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Denn die Studie zeigt eine deutliche Ungleichheit bei der Verteilung ​der Angebote. Während bei männerdominierten Berufen 22 Prozent der Stellen mit Homeoffice ausgeschrieben werden, sind es bei ⁠frauendominierten nur ⁠13 Prozent. Bei Hochqualifizierten ist der Unterschied noch größer. »Homeoffice ist ein wichtiges Vereinbarkeitsinstrument«, erklärte Arbeitsmarktexpertin Michaela Hermann mit Blick auf Eltern, Alleinerziehende und Menschen, die andere Personen pflegen. »Wir brauchen auch Vereinbarkeitsangebote ‌in Berufen mit engem Kontakt zu Menschen – etwa in Erziehung, ​Pflege und Gesundheit.«

Stuttgart ist »Homeoffice-Hauptstadt«

Zudem ‌gibt es ein starkes Gefälle nach Qualifikation und Region. Während rund ein Drittel der Akademiker (35 Prozent) auf ein Homeoffice-Angebot hoffen kann, sind es bei Arbeitskräften auf Helferniveau nur vier Prozent. Auch zwischen Stadt und Land zeigen sich große ‌Unterschiede. In Großstädten liegt die Quote demnach bei gut 28 Prozent. Als »Homeoffice-Hauptstadt« identifizierte die Studie Stuttgart mit einem Anteil von 38 Prozent, gefolgt von Düsseldorf und ‌Frankfurt am Main. In ländlichen oder dünn ​besiedelten Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern ist das Angebot ‌deutlich geringer.

Für die Analyse ihres »Jobmonitors« wertete die Bertelsmann Stiftung rund ‌79 Millionen ​Online-Stellenanzeigen aus den Jahren 2019 bis 2025 aus. Vor der Coronapandemie 2019 lag der Anteil der Angebote mit ​Homeoffice-Möglichkeit der Studie zufolge bei 3,7 Prozent. ⁠Bis 2022 stieg die Quote auf ​16,8 ​Prozent und hat sich seit 2024 bei rund 20 Prozent eingependelt.

dab/Reuters