Die IG Metall wird wohl mit der Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn in die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie gehen. Der Vorstand der IG Metall will die Forderung am Mittwoch endgültig beschließen, nach den Beratungen in den Tarifbezirken hieß es etwa aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg: fünf Prozent mehr Entgelt bei zwölf Monaten Laufzeit.
Die Tarifverhandlungen für die größte deutsche Industriesparte mit rund 3,7 Millionen Beschäftigten werden von Krisen in großen Teilen der Branche überschattet. Die Autoindustrie baut massiv Stellen ab, auch Werksschließungen drohen. Dagegen protestierten am Montag etwa 175.000 Beschäftigte bei einem Aktionstag der IG Metall. Angeschlagen ist auch der Maschinenbau. Besser läuft es laut der Gewerkschaft in der Luft- und Raumfahrt oder der IT-Industrie.
Neben einer Lohnerhöhung wollen die Gewerkschafter auch über Beschäftigungs- und Standortsicherung bei Unternehmen in der Krise verhandeln sowie über Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich erfolgreichen Betrieben. Die IG Metall geht mit einer niedrigeren Forderung in die Verhandlungen als vor zwei Jahren, als in einer wirtschaftlich besserer Situation sieben Prozent verlangt wurden. Herauskam ein Ergebnis von 5,5 Prozent Erhöhung in zwei Schritten inklusive Einmalzahlungen. Nun sprach sich bei einer Umfrage unter Beschäftigten fast die Hälfte für eine »moderate« Lohnerhöhung aus, ein Drittel für ein starkes Plus.
»Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren enorme Belastungen getragen und die Transformation der Industrie aktiv mitgestaltet«, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler. »Jetzt ist es an der Zeit, dass sie an den wirtschaftlichen Verbesserungen beteiligt werden.« Zugleich benötigten die Arbeitnehmer mehr Sicherheit für ihre Arbeitsplätze.
Die Arbeitgeberverbände reagierten auf die Gewerkschaftsforderung entrüstet: Die IG Metall gefährde mit der maßlosen Forderung in der Krise zehntausende Arbeitsplätze, hieß es von Arbeitgeberverband Südwestmetall, man sei »fassungslos«. Die Forderung sei kein geeignetes Signal, um die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland und die Abwärtsspirale zu bremsen, so Nordmetall.
Es zeichnet sich ein harter Tarifstreit ab. Die ersten Verhandlungsrunden in den Bezirken sind in der ersten Oktoberhälfte geplant. Bis Ende Oktober könnte es weitere Termine geben. Die Friedenspflicht endet mit dem Auslaufen des aktuellen Tarifvertrages am 31. Oktober – danach sind Warnstreiks möglich.
