SpOn 22.05.2026
18:23 Uhr

Ikkimel verschenkt Tickets an Menschen über 70 Jahre


»Fotzig, feminin und geil«: Funktioniert die Kunst von Ikkimel auch, wenn man vor 1956 geboren wurde? Die Musikerin lädt 50 Menschen ein, den Sound der Generation ihrer Enkel zu entdecken – gern auch in der Ruhezone.

Ikkimel verschenkt Tickets an Menschen über 70 Jahre

Musik, die Generationen verbindet: Das sagt man meist, wenn Kinder die Hits von früher entdecken. Auf Konzerten der Band Die Ärzte besingen etwa Jung und Alt gemeinsam ihre Sehnsucht nach Westerland, der gleichnamige Song erschien 1988. »Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehn«, heißt es dort. »Wann werd’ ich sie wieder sehen?«

Nun wagt die Rapperin Ikkimel, 29, zwei Millionen Hörerinnen und Hörer, offenbar das Mehrgenerationen-Experiment andersherum. Feiern Großeltern die Hits ihrer Enkel? In einer Instagram-Story kündigte die Musikerin an, 50 Tickets für das Ikkimel & Friends Open Air an Menschen über 70 Jahre zu verschenken. »Alle Oldies dürfen den Ruhebereich mit Sitzplätzen mitbenutzen«, schreibt Ikkimel, »aber natürlich auch mit euch zusammen auf dem Open-Air-Gelände feiern.«

Ketaminkonsum auf Unisexklos, Männer in Hundezwingern: Ikkimels »Fotzenrap«  dürfte kaum die Lebensrealität von Menschen beschreiben, die vor 1959 geboren wurden. Aber wer weiß, vielleicht wirkt die Selbstermächtigungsenergie ihrer Musik auch auf Menschen über 70, immerhin ist Ikkimels zweites Album »Poppstar« auf dem ersten Platz in die deutschen Musikcharts  eingestiegen. Nur auf dem zweiten Platz: Udo Lindenbergs Best-of-Album, noch so ein Mehrgenerationenkünstler.

Ihr neues Album sei »fotzig, feminin und geil«, sagt Ikkimel bei der Releaseparty, die letztlich wohl zahmer war als man vermuten könnte , wenn die Songs auf ihrem neuen Album »Wanderhure«, »Facesitting« und »Kink« heißen. In einem ihrer größten Hits singt sie: »Keta und Krawall, meine Nase ist wund; Titten sind prall und mein Arsch ist rund.«

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Provokante Songtexte scheinen jedoch eher ein Merkmal von Mehrgenerationenkünstlern zu sein: Immerhin texteten Die Ärzte »Claudia hat ’nen Schäferhund und den hat sie nicht ohne Grund«, Lindenberg sang über die Liebe zu einer 14-Jährigen .

Und Ikkimels Weg in den altersunabhängigen Mainstream zeichnet sich ohnehin schon ab: Zuletzt forderte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend sogar einen Auftritt auf dem Katholikentag.

jml