Die iranische Friedensnobelpreisträgerin und Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi ist nach Angaben ihrer Stiftung aus dem Gefängniskrankenhaus in der nordwestiranischen Stadt Sandschan zur medizinischen Behandlung nach Teheran gebracht worden. Die 54-Jährige war demnach nach einem Herzinfarkt seit mehr als einer Woche auf der Intensivstation in Sandschan, wo sie auch inhaftiert war. Für den Transport in die Hauptstadt sei ihr eine Aussetzung der Strafe gegen eine hohe Kaution gewährt worden, hieß es.
Mohammadi befinde sich nun im Tehran Pars Hospital und werde dort von ihrem eigenen Ärzteteam behandelt. Auch ihr Anwalt Mostafa Nili bestätigte die Verlegung. Mohammadis Ehemann Taghi Rahmani, der in Paris lebt, hatte zuvor mitgeteilt, ihr Zustand sei kritisch; sie habe einen starken Blutdruckabfall erlitten und zuletzt Schwierigkeiten beim Sprechen gehabt.
Mohammadi sitzt seit Jahren immer wieder wegen ihres Engagements gegen Kopftuchzwang und Todesstrafe sowie wegen Kritik an der politischen und religiösen Führung in Haft. Im Dezember 2024 war sie nach Angaben aus ihrem Umfeld aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend aus dem Teheraner Evin-Gefängnis entlassen worden. Im Dezember 2025 wurde sie dann in der ostiranischen Stadt Maschhad erneut festgenommen, nachdem sie bei einer Beerdigung die geistliche Führung kritisiert hatte. Anfang Februar wurde sie nach Angaben ihres Anwalts erneut zu mehreren Jahren Haft wegen »Verschwörung« und »propagandistischer Aktivitäten« verurteilt; zudem gilt ein zweijähriges Ausreiseverbot.
Zwei Herzinfarkte in kurzer Zeit
Unterstützerinnen und Unterstützer hatten zuletzt gewarnt, Mohammadi könne in Haft sterben, und forderten seit Längerem ihre Verlegung nach Teheran, um eine Behandlung durch eigene Fachärzte zu ermöglichen. Nach Angaben aus ihrem Umfeld gehen diese davon aus, dass Mohammadi in den vergangenen Wochen zwei Herzinfarkte erlitten haben könnte.
Auch aus den USA kam erneut Druck auf Teheran: Das US-Außenministerium forderte die iranische Führung in den vergangenen Tagen auf, Mohammadi freizulassen und ihr die nötige medizinische Versorgung zu ermöglichen. Mohammadi war 2023 für ihren Einsatz gegen die Unterdrückung von Frauen und gegen die Todesstrafe in Iran mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
