Die USA haben nach eigenen Angaben erneut Iran angegriffen. Es habe sich um »Selbstverteidigungsmaßnahmen« gehandelt, erklärte das für die Golfregion zuständige US-Zentralkommando (Centcom). Mit den Attacken im Süden des Landes hätten US-Soldaten »vor Bedrohungen durch die iranischen Truppen geschützt« werden sollen. Getroffen wurden den Angaben zufolge unter anderem Raketenstellungen sowie iranische Boote, die versucht haben sollen, in der Straße von Hormus Minen zu verlegen.
Das US-Militär übe sich im Rahmen der aktuellen Waffenruhe in Zurückhaltung, sagte Centcom-Sprecher Tim Hawkins. Es verteidige aber seine eigenen Verbände.
Iranische Medien berichteten, es habe nach einem US-Angriff im Bereich der Insel Larak in der Straße von Hormus mehrere Tote gegeben. Das US-Militär machte zunächst keine Angaben zu möglichen Opfern und nannte keine weiteren Details zu den Angriffen auf die iranischen Ziele.
Iranische Delegation reist zu Gesprächen nach Katar
Die USA und Israel hatten Ende Februar den Irankrieg mit Angriffen auf die Islamische Republik begonnen. Als Reaktion griff Teheran Ziele in Israel und in Nachbarstaaten in der Region an und blockierte weitgehend die für den Welthandel bedeutende Straße von Hormus. Die USA blockieren ihrerseits die iranischen Häfen.
Seit dem 8. April gilt eine brüchige Waffenruhe. Verhandlungen über ein endgültiges Ende der gewaltsamen Auseinandersetzungen brachten bisher keinen Durchbruch, die Bemühungen laufen aber weiter. Zuletzt reiste eine iranische Delegation in die katarische Hauptstadt Doha: Wie die iranische Nachrichtenagentur Irib mitteilte, wollen der iranische Verhandlungsführer und Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf sowie Außenminister Abbas Araghchi die Führung Katars über Einzelheiten der Verhandlungen mit den USA informieren.
US-Außenminister Marco Rubio sagte, es gebe in Katar derzeit Gespräche über die genauen Formulierungen eines möglichen Abkommens. Das könne noch einige Tage dauern. Zu den jüngsten Angriffen in Iran erklärte er vor Journalisten: »Die Meerenge muss offen sein, sie wird am Ende auf die eine oder andere Weise offen sein.«
Marco Rubio und Donald Trump (am 20. März)
Foto:Saul Loeb / AFP
Am Samstag hatte US-Präsident Donald Trump die Hoffnung auf einen Durchbruch in den Verhandlungen genährt: Man stehe kurz vor einem Rahmenabkommen mit Teheran und der Wiedereröffnung der Straße von Hormus, es sei »weitgehend« ausgehandelt, schrieb er auf Truth Social. Einen Tag später dämpfte er jedoch Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch.
Mehr Hintergründe hier: Die Zeichen standen auf Angriff. Einen Tag später auf Frieden. Und jetzt?
Trump: Angereichertes Uran Irans wird zerstört
Zu den umstrittensten Verhandlungspunkten zählt der künftige Status der Straße von Hormus sowie die Zukunft des iranischen Atomprogramms (mehr dazu hier).
Trump erklärte am Montag , das in Iran bereits angereicherte Uran solle in den USA oder an einem anderen Ort zerstört werden. Entweder es werde »sofort« an die USA übergeben, um in die Vereinigten Staaten gebracht und dort zerstört zu werden – oder es werde in Zusammenarbeit und Abstimmung mit Iran vor Ort oder andernorts zerstört. Der Prozess solle von Atomenergieexperten überwacht werden, schrieb Trump und verwies auf die »Atomenergie-Kommission«. Unklar war zunächst, ob er damit eine US-Behörde oder möglicherweise die Internationale Atomenergiebehörde mit Sitz in Wien meinte.
Offen blieb auch, ob das ein bereits vereinbarter Bestandteil des Deals sein könnte. Oder ob es bislang nur eine Forderung ist, die die US-Regierung in den Gesprächen erhebt.
Wo sind die 400 Kilogramm angereichertes Uran, die Iran hergestellt hat? Im SPIEGEL-Interview spricht Nuklearwaffenexperte David Albright über die Chance, das Material in einer riskanten militärischen Spezialoperation zu bergen.
