SpOn 09.09.2026
12:47 Uhr

Israel: Benjamin Netanyahu will »Haaretz« wegen Bericht zu Hamas-Warnung verklagen


Israels Premier geht gegen die Tageszeitung »Haaretz« vor. Das Blatt hat einen Bericht zweier Journalisten veröffentlicht, wonach Benjamin Netanyahu vor dem Hamas-Massaker am 7. Oktober von den Vereinigten Arabischen Emiraten gewarnt worden sei.

Israel: Benjamin Netanyahu will »Haaretz« wegen Bericht zu Hamas-Warnung verklagen

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat eine Klage gegen die linksliberale Zeitung »Haaretz« angekündigt. Der Grund: Ein Bericht zweier Journalisten, der in dem Medium veröffentlicht wurde und dem zufolge der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate ihn im Herbst 2023 vor einer groß angelegten Offensive der Hamas gewarnt haben soll. Am 7. Oktober 2023 überfiel die Hamas Israel.

Der israelische Regierungschef habe seine Anwälte angewiesen, eine Klage wegen Verleumdung einzureichen, teilte er auf der Plattform X mit. Diese solle sich unter anderem gegen das Blatt sowie den Autoren richten.

Es habe zwischen Anfang September und dem 7. Oktober 2023 kein Gespräch zwischen ihm und Mohamed bin Zayed gegeben, gab Netanyahu weiter an. Sein Büro hatte den Bericht bereits zuvor dementiert.

In Israel sorgt die Veröffentlichung der »Haaretz« für großes Aufsehen. Es ist Wahlkampf. Die Israelis wählen in rund sechs Wochen zum ersten Mal seit dem 7. Oktober 2023 ein neues Parlament. Laut Umfragen können bisher weder das Lager Netanyahus noch das seiner Gegner auf eine Mehrheit bei den Oktoberwahlen zählen.

Warnung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten?

Laut dem Bericht rief der emiratische Präsident Mohamed bin Zayed den israelischen Ministerpräsidenten eineinhalb Wochen vor dem 7. Oktober 2023 aus dem Präsidentenpalast in Abu Dhabi an. Als Quelle wurde ein Berater des emiratischen Präsidenten genannt, der mit dem Gespräch vertraut gewesen sein soll.

Das Gespräch zwischen dem Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Benjamin Netanyahu soll 45 Minuten gedauert haben.

Der Inhalt: Eine Warnung, dass Hamas-Chef Yahya Sinwar eine Operation gegen Israel plane, die Folgen weit über Israel und Palästina hinaus haben werde, mithin den ganzen Nahen Osten destabilisieren könnte. Sinwar selbst soll von einem »Erdbeben« gesprochen haben.

Bei dem Telefonat war aufseiten der Emiratis offenbar auch Mohammed Dahlan dabei, ein bestens vernetzter, im Exil lebender Palästinenser, der einst als »Sheriff von Gaza« einer der mächtigsten Männer in der Mittelmeerenklave gewesen ist.

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Das berichten die Journalisten Schlomi Eldar und Ruth Yuval in einem gerade auf Hebräisch erschienenen Buch . Auf der Basis ihrer Recherchen kommen die beiden zu dem Schluss, dass Premier Netanyahu die Entscheidungsträger im israelischen Sicherheitsapparat nicht über das Telefonat mit Zayed informiert habe.

Lesen Sie auch: Israelische Soldaten errichten nahe der Grenze zu Jordanien eine Barriere, die palästinensische Bauern von ihrem Land abschneidet. Vor Ort wird klar: Der Wall soll offenbar auch dazu dienen, das Jordantal komplett zu besiedeln. Hier geht es zum Text.  

naw/dop/dpa