Der britische Bestsellerautor Jeffrey Archer ist tot. Archer sei im Alter von 86 Jahren am Montag »plötzlich und friedlich zu Hause« gestorben, schrieb sein Verlag in einer Mitteilung vom Abend, aus der britische Medien zitierten.
Einem Bericht der Boulevardzeitung »Sun« zufolge signierte Archer noch am Sonntag Bücher bei einer Veranstaltung in London. In dieser Woche sollte er zudem beim Literaturfestival in Cheltenham auftreten, um über sein jüngstes Werk »Adam and Eve« zu sprechen – das er selbst als seinen letzten Roman bezeichnete. Die Veröffentlichung des Buches war für diesen Dienstag geplant.
Von Archers Werken verkauften sich dem Sender BBC zufolge mehr als 300 Millionen Exemplare . Sein Verlag HarperCollins nannte ihn einen meisterhaften Geschichtenerzähler, dem seine Leserinnen und Leser alles bedeutet hätten. Seine Lektorin Kate Elton würdigte ihn als »Meistererzähler und Traum eines jeden Lektors«.
Der britische Moderator Gyles Brandreth schrieb in einem Post auf der Plattform X, er habe am Sonntag noch einen wunderbaren Abend mit Archer verbracht, um dessen neues Buch zu feiern.
I can’t believe that Jeffrey Archer - who was always so alive - is suddenly dead. We had a wonderful day together yesterday - as anyone who was there will tell you, he was in brilliant form on stage yesterday celebrating the publication of his 50th and final best-selling novel. pic.twitter.com/14dlzi2yBf
— Gyles Brandreth (@GylesB1) October 5, 2026
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Der am 15. April 1940 in London geborene Schriftsteller verfolgte auch eine politische Karriere und saß für die Konservative Partei zunächst im britischen Unterhaus. Zeitweilig war er sogar ihr stellvertretender Vorsitzender. Bis 2024 gehörte er dann dem britischen Oberhaus an.
Archer schrieb täglich acht Stunden
Archers Leben war fast ebenso schillernd wie das seiner Romanhelden. Seine Polit-Karriere begann 1969 im Alter von 29 Jahren, als er nach seinem Oxford-Studium einen Parlamentssitz errang. 1974 ging er jedoch fast pleite, machte aus seinen Negativerfahrungen aber sein erstes Buch »Not A Penny More, Not A Penny Less«, das 1975 erschien.
In der Folge kam eine Serie von Roman-Bestsellern heraus, deren Handlung sich zumeist im Milieu der Reichen und Mächtigen abspielte. In deutscher Sprache erschienen unter anderem »Der Aufstieg«, »Imperium« und »Ein Mann von Ehre«. Seinen Durchbruch hatte Archer mit 34 Jahren mit dem Roman »Es ist nicht alles Gold, was glänzt«. Er half ihm, dem Bankrott zu entgehen, wurde innerhalb eines Jahres in 17 Ländern veröffentlicht und verkaufte sich knapp 30 Millionen Mal.
Als sein bekanntestes Werk gilt »Kain und Abel« aus dem Jahr 1979. Über 100 Millionen Menschen lasen das Epos über zwei ungleiche Männer, die am gleichen Tag geboren wurden. Es wurde in 42 Sprachen übersetzt und in mehr als 100 Ländern veröffentlicht.
Archer schrieb diszipliniert acht Stunden täglich mit der Hand und brachte regelmäßig neue Bestseller heraus. Noch mit knapp 80 Jahren begann er eine neue Serie, die »Warwick-Saga«, über den Aufstieg eines Streifenpolizisten, der sich dabei – wie immer in Archers Erfolgsromanen – Intrigen und Betrügern gegenübersieht.
Margaret Thatcher mit Jeffrey Archer, damals stellvertretender Vorsitzender der Tories, auf dem Parteitag 1986 in Bournemouth
Foto: Pa / PA Wire / dpaMeineid, Urkundenfälschung und Anstiftung zur Falschaussage
1985 stieg Archer zum stellvertretenden Parteivorsitzenden der Konservativen auf, er war einer von Margaret Thatchers Favoriten. Aber ein Jahr später musste er zurücktreten: Die Zeitung »Daily Star« berichtete, dass er einer Prostituierten 2000 Britische Pfund gezahlt habe. Archer reichte Klage ein – erfolgreich. Der Richter sprach ihm die Rekordsumme von einer halben Million Pfund als Entschädigung zu, nachdem sich seine Frau im Zeugenstand für ihn eingesetzt hatte. Einige Jahre später wurde er in den Adelsstand erhoben und kandidierte als Oberbürgermeister von London für die Konservativen.
Doch die Vergangenheit holte ihn wieder ein, mitten im Wahlkampf: Das Skandalblatt »News of the World« grub einen Zeugen aus, den Archer überredet haben soll, in dem Gerichtsverfahren für ihn zu lügen. Im Juli 2001 wurde Archer wegen Meineides, Urkundenfälschung und Anstiftung zur Falschaussage zu vier Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.
2003 wurde er vorzeitig aus der Haft entlassen. 2014 gab er eine Prostatakrebs-Diagnose bekannt. 2024 schied er aus dem House of Lords aus, dem britischen Oberhaus im Parlament.
