US-Rapper Ye, 49, ehemals bekannt als Kanye West, hat zwei Shows für Oktober in Sankt Petersburg angekündigt. Möglich sei auch ein Treffen des Musikers mit Kremlchef Wladimir Putin, wenn es in den Terminkalender des Präsidenten passe, sagte die Parlamentsabgeordnete Swetlana Schurowa. Zuvor hatten die Organisatoren mitgeteilt, dass West von einem solchen Treffen »träume«.
Geplant sind die Auftritte in Putins Heimatstadt am 10. und 11. Oktober in der Gazprom-Arena, die nach dem staatlichen Gaskonzern benannt ist und bei Konzerten bis zu 80.000 Plätze bietet. Der Westen hat den Energieriesen wegen der Finanzierung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine mit Sanktionen belegt.
Ye zählt zu den einflussreichsten und zugleich am stärksten polarisierenden Musikern. Immer wieder fällt der Ex-Mann von Kim Kardashian mit rassistischen und antisemitischen Aussagen auf. Sponsoren kündigten ihm deswegen, seine Konzerte wurden abgesagt.
In jüngerer Zeit hatte sich West verstärkt darum bemüht, seinen Ruf zu retten. Im vergangenen November suchte er einen Rabbi in New York auf und bat um Vergebung. Zudem schaltete er eine ganzseitige Anzeige in der Wirtschaftszeitung »Wall Street Journal«, um sich zu erklären und um Entschuldigung zu bitten. Der handschriftlich unterschriebene Brief von West war gerichtet an »diejenigen, die ich verletzt habe«. Er schrieb darin, er habe vor 25 Jahren bei einem Autounfall eine Verletzung am rechten Frontallappen seines Gehirns erlitten. Diese sei aber erst 2023 diagnostiziert worden. »Dieses ärztliche Versäumnis hat meiner psychischen Gesundheit schweren Schaden zugefügt und zu meiner Diagnose einer bipolaren Störung Typ 1 geführt«, so der 49-Jährige.
In den manischen Phasen der Störung halte man sich nicht für krank, schrieb der Musikproduzent weiter. Man glaube, keine Hilfe zu benötigen, fühle sich »mächtig, sicher und unaufhaltbar«. In diesem Zusammenhang habe er »den Bezug zur Wirklichkeit verloren«, so West. Er habe Dinge »gesagt und getan, die ich zutiefst bedaure«.
In Kreisen kremltreuer Kräfte löste die Ankündigung des Stars helle Aufregung aus. Der Parlamentsabgeordnete Nikolai Nowikow forderte, dass der Rapper, wenn er schon in Russland Geld kassieren wolle, vor dem Auftritt seine »moralische Unterstützung« für den Krieg gegen die Ukraine bekunden solle. Sonst müsse das Konzert abgesagt werden.
Andere Abgeordnete wiederum warfen dem Musiker eine Vorliebe für Adolf Hitler vor.
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Dagegen lobte etwa die im Kulturausschuss des Parlaments tätige Abgeordnete Jelena Drapeko, dass sie dem Musiker »vor dem Hintergrund einer allgemeinen antirussischen Hysterie« im Westen dankbar sei für sein Kommen. Er habe viele Fans in Russland.
Wie West selbst seinen Ausflug nach Russland und das Bestreben, Putin zu treffen, bewerten wird, kann man dann vielleicht in ein paar Monaten auf einer zweiten ganzseitigen Anzeige im »Wall Street Journal« lesen.
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