Der im Exil lebende russische Kreml-Kritiker und frühere Schachweltmeister Garri Kasparow ist nach eigenen Angaben von westlichen Sicherheitsdiensten vor einer Gefahr für sein Leben gewarnt worden. Er und der in Litauen lebende Aktivist Iwan Tjutrin seien zwar nicht als explizite Ziele genannt worden, schrieb der 63-Jährige in einem Beitrag auf der Plattform Substack . »Wir wurden jedoch von den Sicherheitsdiensten in Litauen und den USA gewarnt, dass unser Leben in Gefahr ist und wir Vorsichtsmaßnahmen ergreifen sollten«, so Kasparow.
Die Nachricht, dass er auf »einer Liste von Attentatszielen« stehe, sei »nicht überraschend, ist aber dennoch ein Schock«, erklärte Kasparow weiter. Im Jahr 2016 hatten er und Tjutrin das Free Russia Forum gegründet, das sich für die Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte einsetzt und Antikriegskonferenzen organisiert. Der Kreml stufte das Forum 2023 als »unerwünschte Organisation« ein und setzte es 2025 auf eine Liste »terroristischer« Organisationen. Kasparow lebt im Exil in den USA.
Eskalation bei der Verfolgung von Dissidenten
Kasparows Erklärung erfolgte, nachdem das US-Justizministerium Mitte September fünf mutmaßlichen Agenten des russischen Geheimdienstes vorgeworfen hatte, weltweit, auch in den USA, Anschläge und Morde geplant zu haben. Die Gruppe habe versucht, in diesem Sommer einen »prominenten russischen Dissidenten«, der in den USA lebt, ermorden zu lassen, teilte das Justizministerium mit. Die US-Behörden nannten den Kremlkritiker nicht namentlich.
Außerdem versuchten die russischen Agenten nach Angaben des US-Justizministeriums eine weitere Zielperson in Litauen ermorden zu lassen. Tjutrin, der im Exil in der litauischen Hauptstadt Vilnius lebt, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei von den litauischen Behörden nach der Bekanntgabe durch das US-Justizministerium gewarnt worden, »ich müsse mein Zuhause dringend verlassen und mein Auto loswerden«.
Der mutmaßliche Plan, den die US-Behörden offenlegten, wäre eine weitere Eskalation bei der Verfolgung von Dissidenten durch Moskau sowie bei der Reichweite russischer Operationen auf westlichem Boden. Während russische Sicherheitsdienste wiederholt Gegner des Kreml in Europa ins Visier genommen haben, blieben die Vereinigten Staaten jahrzehntelang tabu.
Der ukrainische Auslandsgeheimdienst gilt als bestens informiert über Moskaus Machenschaften. Warum Vizechef Oleh Luhovskyi vor über 366 russischen Geheimdienstmitarbeitern in Europa warnt, lesen Sie hier.
