SpOn 17.09.2026
12:48 Uhr

Klimawandel: Mittelmeer erhitzt sich immer schneller


Insbesondere in der Adria wird das Wasser immer schneller wärmer. Die Entwicklung könnte ein Vorbote sein für grundlegende Veränderungen in den Ozeanen.

Klimawandel: Mittelmeer erhitzt sich immer schneller

Was im Mittelmeer passiert, kann ein Vorzeichen für die Weltmeere sein. Eine Analyse zeigt nun: Das Binnenmeer erwärmt sich durch die Klimakrise immer schneller. Am stärksten sei die Beschleunigung in der Adria, dem Meeresteil zwischen der italienischen Halbinsel und dem Balkan, berichtet ein Forschungsteam im Fachjournal »Geophysical Research Letters«.

Die Erwärmung wirkt sich auf den Sauerstoffgehalt im Wasser aus. In wärmerem Wasser ist er niedriger. Und tatsächlich haben Forschende bereits einen Rückgang des Sauerstoffgehalts im Mittelmeer dokumentiert. Meereslebewesen, die versuchen, der Erwärmung zu entkommen, gehen die Rückzugsgebiete aus.

An einem kleinen, schneller reagierenden Meer wie dem Mittelmeer lasse sich gut absehen, was größeren Meeren mit dem Klimawandel bevorstehe – »in Zeiträumen, die wir selbst miterleben können«, sagt die Hauptautorin der Studie, Elena Terzić vom Ruđer Bošković Institute in Zagreb, Kroatien. Der Wandel im Mittelmeer sei »eine Warnung davor, wie schnell sich der Ozean verändern kann«. Er werde noch so lange anhalten, »wie unsere Volkswirtschaften weiterhin auf fossile Brennstoffe angewiesen sind«.

In den vergangenen Jahren waren die oberen 100 Meter des Mittelmeers den Forschenden zufolge etwa zwei Grad wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1950 bis 1999. Im August war an einer Messboje vor Mallorca eine Rekordtemperatur von 33,02 Grad registriert worden, der höchste jemals in spanischen Gewässern gemessene Wert.

Frühere Studien hätten bereits Anzeichen für eine Beschleunigung der Erwärmung an der Oberfläche festgestellt, erläutert das Team um Terzić. Es sei aber unklar gewesen, ob sich die Veränderung auch in tieferen Schichten beschleunigt.

Die neue Untersuchung konnte dazu Erkenntnisse liefern: Demnach gibt es in jeder Region des Mittelmeers merkliche Veränderungen, die weit in die Tiefe reichen.

Spezialfall Adria

In der südlichen Adria hätten sich die Tiefengewässer seit dem Jahr 2000 etwa sechsmal schneller erwärmt als die eines typischen Mittelmeerbeckens, berichten die Forscher. Die Adria erstreckt sich über rund tausend Kilometer von Triest im Norden bis zur Straße von Otranto im Süden und grenzt an sechs Staaten: Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Albanien. An der Adria liegen zahlreiche touristische Zentren.

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Unterschiede der Temperatur und des Salzgehalts der Wasserschichten treiben die Tiefenzirkulation im Meer an, weil sie die Dichte des Wassers beeinflussen. Doch die Forscher befürchten, dass dieses System durch die Erwärmung durcheinandergerät. Im schlimmsten Fall könnte sich die Tiefenzirkulation stark abschwächen. Dann könnte weniger sauerstoffreiches Wasser in tiefere Meeresschichten gelangen, es fehlt dann den dortigen Meereslebewesen.

atr/dpa