Der weibliche Körper verändert sich schon lange vor der letzten Periode – und das nicht nur mit Blick auf die Fruchtbarkeit. Und die Menopause modifiziert viele körperliche Prozesse dann offenbar grundlegend und häufig abrupt. So lautet das zentrale Ergebnis einer im Fachjournal »Nature Medicine« vorgestellten Studie .
Das Forschungsteam um Uri Alon vom Weizmann Institute of Science in Israel beschreibt die Veränderungen in verschiedenen Bereichen des Körpers als »physiologische Klippe«, die sich teilweise schon mehr als ein Jahrzehnt vor der tatsächlichen Menopause ankündige.
Im Alltagssprachgebrauch wird der Begriff Menopause mitunter anders verwendet, tatsächlich bezeichnet er aber den Zeitpunkt der letzten Menstruationsblutung. Er wird rückblickend bestimmt, wenn zwölf Monate lang keine Periode mehr aufgetreten ist.
Daten von mehr als einer Million Frauen
Forscher Alon und seine Kollegen werteten mehr als 300 Millionen Labordaten von mehr als einer Million Frauen in den USA und Israel aus. Dabei handelt es sich um routinemäßig erfasste Gesundheitsdaten aus den Jahren 1999 bis 2022 im Fall der USA und 2004 bis 2024 im Fall von Israel.
In den US-Daten zeigten sich laut den Forschern bei 52 von 90 Parametern statistisch signifikante, teils abrupte Veränderungen um die Menopause herum – etwa bei der Leber- und Nierenfunktion, bei Blutfetten, im Knochenstoffwechsel und bei den Sexualhormonen.
Bei letzteren deuteten sich die Veränderungen bereits lange vor der letzten Blutung an: Beim Anti-Müller-Hormon – einem Marker für die Eizellen-Reserve – war bereits etwa 15 Jahre vor der Menopause ein stärkerer Abfall zu beobachten, bei Östradiol – unter anderem zentral für den Menstruationszyklus – etwa zwölf Jahre davor. Beim Follikel-stimulierenden Hormon (FSH), das Eizellen reifen lässt, gab es etwa 14 Jahre vor der Menopause einen stärkeren Anstieg.
Die Knochendichte nehme rund um die Menopause beschleunigt ab, was das Risiko für Osteoporose erhöhe, heißt es in der Studie weiter. Auch bei anderen Krankheiten gab es bei den Frauen nach der Menopause einen beschleunigten Anstieg der Inzidenz, darunter Gelenk- und Stoffwechselerkrankungen wie Arthritis und Gicht sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Ein Vergleich mit Daten von Männern in vergleichbarem Alter zeigte keine so abrupten körperlichen Veränderungen, was die Forscher als weiteren Beleg für den Zusammenhang zur Menopause werten. Bei ihnen liefen Veränderungen gradueller ab.
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»Relevante physiologische Umstellung«
Die nicht an der Studie beteiligte Expertin Petra Stute, die an einem Krankenhaus in Bern ein Menopausen-Zentrum leitet, sieht den Begriff der »physiologischen Klippe« kritisch und bezeichnet ihn als Zuspitzung. »Die Studie zeigt statistisch rekonstruierte Durchschnittsverläufe und keinen unmittelbar beobachteten Gesundheitsabfall bei einzelnen Frauen«, sagte Stute. »Die Sprunggrößen werden unter anderem über ein mehrjähriges Fenster vor und nach der letzten Regelblutung beschrieben. Die Menopause ist eine relevante physiologische Umstellung, aber kein plötzlicher Krankheitsbeginn.«
Bei Frauen, die sich einer Hormontherapie unterzogen, waren die Veränderungen der Studie zufolge oft schwächer und weniger abrupt. Dies müsse in weiteren Studien tiefer untersucht werden, betont das Forschungsteam um Alon.
Unabhängige Experten sehen auf Basis der Ergebnisse noch keinen Anlass für neue Empfehlungen für die Hormontherapie. Die Hormontherapie wird unter anderem eingesetzt, um Wechseljahressymptome wie etwa starke Schlafstörungen abzumildern.
Peyman Hadji, der das Hormon- und Osteoporosezentrum im Frankfurt am Main leitet und nicht an der Studie beteiligt war, erklärte: »Die Ergebnisse stützen ein systemisches Verständnis der Menopause: Sie betrifft weit mehr als die Reproduktion und markiert einen messbaren, viel länger als bislang gedachten Zeitraum beziehungsweise Übergang mit potenziell langfristigen gesundheitlichen Folgen.«
Die Aussagekraft der Studie werde durch die großen, voneinander unabhängigen Datensätze gestärkt. Einschränkungen gebe es aber womöglich etwa bei der Bewertung der Hormontherapie, da die Daten rückblickend erfasst wurden. Die Ergebnisse sollten in weiteren Studien bestätigt werden, sagte Hadji.


