SpOn 13.10.2026
07:22 Uhr

Mike Johnson: US-Repräsentantenhaus-Vorsitzender stellt sich gegen Live-Hinrichtung


Das Pentagon will die Erschießung des Attentäters von Fort Hood live streamen, US-Präsident Trump stützt das Vorhaben. Nun äußern sich erste Republikanern kritisch. Deutlich schärfer positioniert sich Australiens Regierung.

Mike Johnson: US-Repräsentantenhaus-Vorsitzender stellt sich gegen Live-Hinrichtung

Seit Tagen debattieren US-Republikaner über die geplante Liveübertragung einer Hinrichtung. Der Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, hat Vorbehalte gegen das Zeigen des militärischen Erschießungskommandos geäußert. »Die Sorge wäre, dass man ein Video produzieren würde, das als Rekrutierungsinstrument für zukünftige Terroristen dienen könnte«, sagte Johnson am Montag CBS News. »Wir müssen die politischen Auswirkungen all dessen gründlich durchdenken.«

Der Republikaner sagte, er werde sich die Hinrichtung auf keinen Fall ansehen, sollte sie live übertragen werden. »Es gibt Kollegen, die Bedenken haben«, fuhr Johnson fort.

»Die Menschen müssen verstehen, dass Taten Konsequenzen haben«

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte angekündigt, die Hinrichtung des verurteilten Attentäters Nidal Hasan durch ein militärisches Erschießungskommando live zu übertragen. Hasan war 2013 zum Tode verurteilt worden, weil er auf dem Militärstützpunkt Fort Hood im US-Bundesstaat Texas 13 Menschen erschossen und rund 30 weitere verletzt hatte. Hasan wäre der erste Mensch seit 1945, der durch ein Erschießungskommando des US-Militärs hingerichtet wird.

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Die Ankündigung der Liveübertragung löste international sowie bei US-Demokraten und US-Republikanern Empörung aus. US-Präsident Donald Trump, ein vehementer Verfechter der Todesstrafe, sagte, es sei nicht seine Idee gewesen, aber er verstehe die Intention dahinter und habe es abgesegnet. Der Verteidigungsminister sagte dem rechtskonservativen US-Sender Real America’s Voice, man werde dafür sorgen, dass Menschen die Hinrichtung von Nidal Hasan öffentlich beobachten könnten. »Die Menschen müssen verstehen, dass solche Taten schwerwiegende Konsequenzen haben.«

Australien übt scharfe Kritik

Deutlich mehr Widerspruch gibt es außerhalb der USA. Die australische Regierung will die Übertragung in ihrem Land möglichst nicht sichtbar machen. Er werde alles tun, um zu verhindern, dass Nutzerinnen und Nutzer in Australien die Hinrichtung im Internet verfolgen können, sagte Premierminister Anthony Albanese am Dienstag dem Sender ABC. »Ich weiß nicht, warum irgendjemand sich so ein Ereignis ansehen wollen sollte, geschweige denn tatenlos zusehen und zulassen, dass möglicherweise Kinder und Familien Zugang dazu erhalten.«

Australiens Umweltminister Murray Watt bezeichnete die geplante Liveübertragung als »absolut widerwärtig«. Auch der Rechtsaußenpolitiker Barnaby Joyce und die Grünen verurteilten die Pläne. Die australische Internet-Aufsichtsbehörde erklärte jedoch, sie habe nicht die Befugnis, die Online-Übertragung der Hinrichtung zu verhindern.

Albanese räumte ein, dies sei »nicht so einfach wie das Ausschalten eines Lichtschalters«. Seine Regierung werde den Betreibern von Onlinenetzwerken aber klar machen, dass »so etwas in unserem Land keinen Platz hat« betonte er.

Die Tötung Hasans durch Soldaten mit Gewehren ist für den 3. Dezember geplant. Öffentliche Erschießungen wurden in den USA unter anderem während des Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert als Abschreckung eingesetzt. Die letzte allgemein öffentliche Hinrichtung fand 1936 statt.

mrc/AFP