SpOn 15.10.2026
06:01 Uhr

News: Friedrich Merz verhandelt über EU-Etat, Kyjiw bereitet sich auf Kriegswinter vor, Alkoholverbot auf Bahnhöfen


Friedrich Merz verhandelt in Brüssel über den EU-Etat. Die Ukraine bereitet sich auf den nächsten Kriegswinter vor. Und ab sofort darf erst im Bahnabteil getrunken werden. Das ist die Lage am Donnerstagmorgen.

News: Friedrich Merz verhandelt über EU-Etat, Kyjiw bereitet sich auf Kriegswinter vor, Alkoholverbot auf Bahnhöfen
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Nach Brüssel, des Geldes wegen

Heute verhandelt Friedrich Merz in Brüssel mit seinen europäischen Kollegen über den MFR, den »Mehrjährigen Finanzrahmen« der Europäischen Union. Hier werden die Weichen dafür gestellt, wie viel Geld die EU in den Jahren 2028 bis 2034 ausgeben kann – und wofür. Über beides gibt es Streit (mehr dazu hier).

EU-Flaggen vor dem Sitz der Europäischen Kommission in Brüssel

EU-Flaggen vor dem Sitz der Europäischen Kommission in Brüssel

Foto: Arne Immanuel Bänsch / dpa

Auf der einen Seite stehen die EU-Kommission und das EU-Parlament, sie wollen den Etat kräftig aufstocken. Auf der anderen Seite: Deutschland. Der größte Nettozahler will gemeinsam mit weiteren Geberländern den Kommissionsvorschlag um mehrere Hundert Milliarden Euro kürzen.

Auf dem Tisch liegt jetzt ein Kompromissvorschlag aus Irland, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Er sieht zwar Kürzungen vor, aber längst nicht so große wie von der Geberallianz gefordert. Die Agrarsubventionen und die Ausgleichshilfen für wirtschaftlich schwächere Regionen, das sind die größten Ausgabenposten, lässt der irische Vorschlag weitgehend unangetastet. Deutschland will aber auch hier sparen. Das wiederum lehnen etwa Italien, Spanien, Frankreich und Polen ab, lauter Länder, die bei kommenden Wahlen den Zorn der Agrarlobby und Wutstimmen für die Rechtspopulisten fürchten müssen.

So ist die Ausgangslage, eine Einigung wird es heute nicht geben. Das werden noch langwierige, komplizierte, unerbittliche Verhandlungen – mit anderen Worten: viele angenehme Gelegenheiten für Friedrich Merz, seine Berliner Koalitionshölle für ein paar Stunden zu vergessen und sich leichteren Themen zuzuwenden.

Lesen Sie dazu auch den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel

  • Friedrich Merz legt sich mit Brüssel an. Er sollte hart bleiben: Die EU verspielt gerade die Chance, sich gegen die USA und China behaupten zu können. Berlin muss das verhindern. 


Wie Trump die Ukraine leiden lässt

Bei uns ist die einsetzende Herbstkälte nur unangenehm. In der Ukraine deutet sie auf den Beginn eines weiteren harten Kriegswinters, in dem Russland versucht, die Bevölkerung mit Angriffen auf die Infrastruktur zu zermürben: Die Ukrainer sollen so lange ohne Heizung frieren, bis sie sich ergeben (mehr dazu hier).

Ausgebranntes Wohnhaus nach russischem Raketenangriff in Kyjiw (14. Oktober)

Ausgebranntes Wohnhaus nach russischem Raketenangriff in Kyjiw (14. Oktober)

Foto: Klymenko Oleksandr / Ukrinform / ABACAPRESS / IMAGO

Ausgerechnet in dieser kritischen Zeit wird es für die Ukraine immer schwerer, sich gegen die Drohnen und Raketen aus Russland zu wehren. Von den USA sieht sich die ukrainische Regierung zunehmend im Stich gelassen. Der US-Präsident steht im Wahlkampf und will die Dieselpreise drücken, deshalb kauft er jetzt bei Russland Kraftstoff (mehr dazu hier). Die Ukraine, fordert Trump, soll keine russischen Raffinerien mehr unter Beschuss nehmen. Doch die hält sich nicht daran.

Jetzt beklagt Präsident Wolodymyr Selenskyj, die Ukraine sei in zwei Nächten nicht vor russischen Raketen gewarnt worden (mehr dazu hier). Und die Ukrainer sagen, Elon Musks Satelliteninternet Starlink sei zeitweilig plötzlich viel langsamer gelaufen, was die Verteidigung zusätzlich erschwerte (mehr dazu hier). Bestraft Trump die Ukraine?

Mein Kollege Georg Fahrion berichtet gemeinsam mit Olena Lysenko aus der Hauptstadt Kyjiw von den Versuchen der Einwohnerinnen und Einwohner, mit der neuen Gefahr umzugehen. Manche verlassen bereits die Stadt.


Nicht mal mehr saufen darf man noch überall

Falls Sie wie mein Kollege Matern von Boeselager eine Vorliebe für ungesunde Ernährung haben und die kommende Verbannung des McRib aus dem Angebot von McDonald’s für skandalös halten (mehr dazu hier ), dann muss ich Ihnen leider mitteilen: Es kommt noch viel schlimmer. Immer schwerer wird es uns gemacht, uns mit dem, was wir uns in den Mund stecken, die Gesundheit zu ruinieren.

Offene Bierflasche am Bahnsteig: Ab sofort untersagt

Offene Bierflasche am Bahnsteig: Ab sofort untersagt

Foto: Sebastian Willnow / dpa

Vorgestern Abend schon hat sich die Koalition auf eine Zuckersteuer geeinigt (mehr dazu hier ), die uns demnächst die süße Limonade unerschwinglich machen soll. Heute stimmt der Bundestag über eine galoppierende Erhöhung der Tabaksteuer ab, nach der eine Zigarettenpackung ab nächstem Jahr durchschnittlich rund neun Euro und ab 2030 fast zwölf Euro kosten soll (mehr dazu hier ). Und schon ab sofort ist der Alkoholkonsum außerhalb von Gaststätten in jedem Bahnhof des Landes verboten (mehr dazu hier).

Ich habe übrigens den Verdacht, das ab heute geltende Alkoholverbot am Bahnsteig könnte vor allem eine Marketingmaßnahme der Bahn sein: Die Leute sollen sich jetzt noch mehr freuen, wenn der Zug endlich kommt, und dann auch gleich darauf anstoßen. Denn im ICE-Abteil ist das Trinken weiterhin erlaubt.


Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz

Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.


Verlierer des Tages…

Polizei schirmt das Gebäude des Senders Halk TV in Istanbul ab (14. Oktober)

Polizei schirmt das Gebäude des Senders Halk TV in Istanbul ab (14. Oktober)

Foto: Berk Ozkan / AFP

…sind einmal mehr Rechtsstaat und Pressefreiheit in der Türkei. Gestern wurde dort der oppositionsnahe Sender Halk TV unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt, weil gegen dessen Vorstandschef Cafer Mahiroğlu wegen Bestechung, Ausschreibungsbetrugs und Geldwäsche ermittelt wird. Der weist alle Vorwürfe zurück, und es gibt gute Gründe, ihm zu glauben: Immer wieder lässt die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan unliebsame Kritiker von der Justiz verfolgen.


Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Sorge vor Kerosin-Engpässen in Frankfurt – Lufthansa reagiert: Die Rede ist von reduzierter Kapazität bei den Pipelines: Laut Berichten könnte am Flughafen Frankfurt am Main der Jet-Treibstoff knapp werden. Die größte deutsche Airline sorgt deshalb vor.

  • Containerschiffe nach Beschuss in Straße von Hormus gesunken: Iran verschärft seine Angriffe in der Straße von Hormus. Gleich zwei Schiffe wurden beim Versuch der Durchfahrt versenkt. Ein weiteres konnte beschädigt aus der Gefahrenzone gebracht werden.

  • Starkregen überflutet Istanbul: Ganze Viertel stehen unter Wasser, Erdrutsche blockieren Straßen: Extreme Regenfälle sorgen in Istanbul für chaotische Zustände. Ein Junge kam bei einem tragischen Unfall ums Leben.


Heute bei SPIEGEL Extra: Wie sehen Autisten die Welt, Herr Attwood?

Foto: [M] DER SPIEGEL; Foto: Caroline Attwood

Er ist einer der renommiertesten Autismusexperten der Welt. Hier sagt der Psychologe Tony Attwood, was Kinder brauchen – und was Eltern ihnen geben können .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion