Ausgeliefert
Da ist die Rentnerin aus Zentraliran, die sagt, die Waffenruhe zwischen ihrer Führung und den USA mache ihr ebenso viel Angst wie der Krieg selbst. »Sobald es dunkel wird, verkriechen sich die Leute in ihren Wohnungen.« Da ist der Übersetzer aus Teheran, der davon berichtet, dass Lebensmittel durch die Inflation in Iran kaum mehr bezahlbar seien. Da ist die Journalistin, ebenfalls aus Teheran, die sich nur noch wenig Hoffnung auf einen Machtwechsel macht. »Alles ist wie eingefroren: die Wirtschaft, die soziale Lage, die politische Situation.«
Straße in Teheran: Jede Hoffnung verloren
Foto: Vahid Salemi / AP / dpaMeine Kolleginnen Susanne Koelbl und Anna-Sophie Schneider und mein Kollege Fritz Schaap haben in den vergangenen Tagen mit Iranerinnen und Iranern gesprochen – am Telefon, denn für Journalistinnen und Journalisten ist es nach wie vor nur schwer möglich, in das Land zu reisen. Was ihre Gesprächspartner ihnen berichtet haben, ist bedrückend. Viele Menschen in Iran haben jede Hoffnung verloren, dass sich an den desaströsen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen in dem Land auf absehbare Zeit etwas ändert (mehr dazu hier ).
Als Donald Trump vor zwei Monaten den Krieg gegen Iran begann, sollte es auch um die Iranerinnen und Iraner gehen. »Hilfe ist auf dem Weg«, hatte der US-Präsident bereits zu Jahresbeginn versprochen. Von den Menschen in Iran ist in Washington längst keine Rede mehr. Es mag sein, dass sich Trump mit den Mullahs noch auf eine Art Deal einigt, auch wenn die Verhandlungen gegenwärtig auf Eis gelegt sind (mehr dazu hier ).
Schwer vorstellbar scheint jedoch, dass es in Teheran rasch zu einem Machtwechsel kommt, wie Trump ihn lange propagiert hat. Die Menschen in Iran begreifen zunehmend, dass sie bald allein sein werden mit einem Regime, das militärisch zwar geschwächt, politisch jedoch gefestigt und radikalisiert ist – und das gewillt ist, jede Form des Widerstands notfalls mit barbarischer Gewalt zu unterdrücken.
Mehr Hintergründe hier: Trump kapituliert vor den Mullahs
Diplomatische Wunderwaffe
König Charles III. ist bereits seit gestern in Washington. Sein wohl wichtigster Termin auf der mehrtägigen Reise steht jedoch heute an: Charles spricht vor dem US-Kongress. Das bislang einzige Mal, dass eine britische Monarchin vor die Abgeordneten und Senatoren in Washington treten durfte, liegt dreieinhalb Jahrzehnte zurück, wie mein Kollege Christoph Giesen berichtet. Königin Elizabeth II., die Mutter von Charles, wurde diese Ehre 1991 zuteil (mehr dazu hier ).
König Charles und Donald Trump (am 27. April im Weißen Haus): Schwieriger Balanceakt
Foto: Suzanne Plunkett / AFPFür Großbritanniens Premier Keir Starmer ist der König eine Art diplomatische Wunderwaffe. Er soll das Verhältnis zwischen der Londoner Regierung zu Donald Trump kitten, das unter anderem durch Starmers skeptische Haltung gegenüber dem Irankrieg gelitten hat (mehr dazu hier ). Es ist kein Geheimnis, dass Trump fasziniert ist von dem Glanz, den das britische Königshaus für viele Menschen ausstrahlt.
Charles muss in Washington dennoch einen schwierigen Balanceakt vollziehen. Denn viele Briten sehen wie Starmer den amerikanisch-israelischen Krieg gegen Iran kritisch und erwarten mahnende Worte von ihrem König. Hinzu kommt der Fall Epstein, der bereits zur Degradierung von Charles’ Bruder Andrew geführt hat und nun auch Starmer gefährdet. Der Premier hatte mit Peter Mandelson einen Mann zum US-Botschafter gemacht, der eng mit Epstein verbunden war. Just an dem Tag, an dem Charles im Kapitol auftritt, muss Starmers ehemaliger Stabschef Morgan McSweeney im Parlament zur Mandelson-Berufung aussagen.
Mehr Hintergründe hier: Eine Wette auf die Krone
Gefährliche Ignoranz
Im Zeitalter der immer rastloser werdenden Nachrichtenzyklen tat sich im vergangenen Herbst ein Fenster auf, in dem die Welt plötzlich auf den Sudan blickte. Die Miliz Rapid Support Forces (RSF) hatte in ihrem mehrjährigen Krieg gegen die Armee gerade die Stadt Faschir in der Region Darfur eingenommen und dabei wohl eine Reihe grausamster Kriegsverbrechen begangen. Mehrere Tausend Menschen wurden laut Schätzungen getötet, Zehntausende mussten fliehen. Die internationale Gemeinschaft beteuerte, dem Morden Einhalt gebieten zu wollen – und unternahm doch wenig (mehr dazu hier).
Vertriebene aus Mali: Krisen bleiben selten auf den Sahel begrenzt
Foto: Guy Peterson / AFPInzwischen ist der Krieg weitergezogen, die beiden Konfliktparteien bekämpfen sich nun vor allem in den Kordofan-Regionen. Dabei könnten sich Verbrechen wie in Darfur wiederholen, warnte Abdullahi Hassan, Sudanexperte bei Amnesty International, unlängst im Gespräch mit dem SPIEGEL in Berlin. Und doch ist es auch diesmal unwahrscheinlich, dass die Staatengemeinschaft interveniert – etwa indem sie den Druck auf RSF-Unterstützer wie die Vereinigten Arabischen Emirate erhöht.
Für die Untätigkeit gibt es verschiedene Gründe. Einer ist wohl auch, dass der Sudan am Rande der Sahelzone liegt und damit in einer Region, für die sich gerade der Westen nur sehr begrenzt interessiert. Zu beobachten ist das auch in Mali. Dort sind die Dschihadisten auf dem Vormarsch, haben am Wochenende den Verteidigungsminister getötet und könnten die Hauptstadt Bamako einnehmen (mehr dazu hier). Die Europäer nehmen das weitgehend gleichgültig hin. Es ist eine Ignoranz, die moralisch falsch ist und sich auch politisch rächen dürfte, weil die Geschichte gezeigt hat, dass Krisen im Sahel selten auf die Region begrenzt bleiben.
Mehr Hintergründe hier: Das Massensterben, das alle kaltlässt
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Das Land braucht eine Schuldenbremse – als Schutz vor der AfD: Führende Sozialdemokraten wollen die Schuldenbremse vollständig aussetzen, ohne dass eine Notlage in Sicht ist. Das ist staatspolitisch verantwortungslos .
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Gewinner des Tages…
Ex-Kanzler Scholz: Schattendasein im Bundestag
Foto: TOBIAS SCHWARZ / AFP…ist Olaf Scholz. Es war ruhig geworden um den Altbundeskanzler. Im Bundestag fristet er weitgehend ein Schattendasein. Nun jedoch wird er in New York geehrt. Scholz erhält die Leo-Baeck-Medaille für seine Verdienste um das jüdische Leben in Deutschland. Laudator ist Antony Blinken, US-Außenminister unter Präsident Joe Biden – ein weiterer Mann also, der den Höhepunkt seiner politischen Laufbahn wohl schon hinter sich hat.
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Trump fordert Rauswurf von Moderator Kimmel – schon wieder: Jimmy Kimmel spottet gern und viel über die First Family der USA. Nach den Schüssen beim Korrespondentendinner erheben Melania und Donald Trump jetzt harte Vorwürfe gegen den Late-Night-Host.
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Heute bei SPIEGEL Extra: Warum sich so viele Hobbysportler verletzen – und wie Sie es verhindern
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Wer Sport treibt, tut etwas für seine Gesundheit. Wer es falsch macht, landet oft auf der Behandlungsbank. Zwei Physiotherapeuten und ein Osteopath erzählen, warum sich viele unnötig verletzen – und was man präventiv dagegen tun kann .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihr Maximilian Popp, stellvertretender Ressortleiter Ausland
