Geht uns im Winter das Gas aus?
In einem Sommer, dessen Hitzewellen episch waren, scheint der Winter allzu fern. Der Gedanke an die nächste Kälteperiode lässt sich leicht wegschieben – wenn man nicht zufällig Bundeswirtschaftsministerin ist. Wer dieses Amt bekleidet, wird auch daran gemessen, ob es gelingt, die Gasversorgung im Lande zu sichern (mehr hier).
CDU-Politikerin Reiche
Foto: Mike Schmidt / SZ Photo / picture allianceIn Deutschland gibt es über 40 große Speicher, in denen Gas für kältere Zeiten gebunkert werden soll. Sie sind allenfalls halb voll. Meine Kollegen Markus Becker und Stefan Schultz schreiben: »Noch nie seit 2018 waren die Speicher Mitte August leerer.« Nur: Was ließe sich dagegen tun?
Zu den Kernkompetenzen von Gaslobbyisten gehört immer auch ein Stück geschäftstüchtiger Alarmismus. Sie mahnen, der Staat müsse eingreifen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche dagegen möchte den Staat möglichst aus allem raushalten, sie hat das zu ihrer persönlichen Erzählung gemacht. Die CDU-Politikerin setzt auf den Markt und verweist darauf, dass es am Ende die Unternehmen seien, die das Gas einspeichern müssen. Die Frage ist, ob Reiches Strategie aufgeht – in einer Zeit, in der der Irankrieg und eine Blockade der Straße von Hormus die Energiepreise weiter in die Höhe treiben können.
Mehr Hintergründe lesen Sie hier: Reiches riskanter Gaspoker
Roboter-Hype in China
Das chinesische Unternehmen Unitree Robotics debütiert in Shanghai an der Börse. Den Namen sollten Sie sich merken: Die Aktie war im Vorfeld mehr als 8000-fach überzeichnet. Der Hype um die Humanoiden ist groß, gerade in China – mit freundlicher Unterstützung durch Staats- und Parteichef Xi Jinping (mehr hier). Als Friedrich Merz im Februar in die Volksrepublik reiste, präsentierten die Chinesen dem Bundeskanzler einen Boxkampf menschenähnlicher Roboter.
Unitree-Roboter bei einer Messe in China
Foto: Long Wei / FeatureChinaErst in dieser Woche hatte Unitree einen Humanoiden vorgestellt, der beim Sprint angeblich alle menschlichen Rekorde übertreffen soll. Er soll schneller sein als der jamaikanische Läufer Usain Bolt, so die Marketing-Girlande des Konzerns. Die Roboter könnten dem Menschen bald überlegen sein.
Experten halten das Marktpotenzial der Humanoiden auf lange Sicht für größer als das des Smartphones. Unitree ist dabei nur einer von vielen Herstellern weltweit. Auch in Deutschland existiert viel Expertise – und eine neue Generation von Start-ups. Ihr Versprechen lautet, dass Kollege Roboter in Branchen einspringen könnte, in denen Fachkräftemangel herrscht, von der Pflege und der Gastronomie bis zur Industrie. Ersetzbar wird die menschliche Spezies so schnell nicht. Bislang scheitern die meisten Humanoiden noch daran, unfallfrei eine Spülmaschine einzuräumen.
Mehr Hintergründe lesen Sie hier: Men in Blech
Widerspruchsflut in den Behörden
Der Einsatz künstlicher Intelligenz hat große Debatten ausgelöst: Naht das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen? Entscheidet KI eines Tages Kriege? Könnte eine Superintelligenz die Menschheit auslöschen? (Mehr dazu hier .)
Stau im Gericht, ganz analog
Foto: Monika Skolimowska / dpaVergleichsweise harmlos wirkt die Frage, ob KI-Werkzeuge dazu führen, dass die Behörden in Deutschland nicht etwa schneller, sondern noch etwas langsamer werden. Es gibt Anlass, das zu befürchten. Ämter, Jobcenter oder Sozialgerichte klagen, dass immer mehr Widersprüche, Klagen und Eingaben in ihrem Posteingang landen. Offenbar lassen sich viele Bürgerinnen und Bürger von ChatGPT und Co. helfen. Und viele Beschäftigte und Beamte kommen mit den juristischen Prüfungen und Antworten nicht hinterher.
Der Bremer Wissenschaftler Chris Schmitz hat für das neue Phänomen eine international gängige Wortschöpfung geprägt: »agentic flooding«. Im Interview mit meinem Kollegen Marcel Rosenbach sieht er in der Eingabeflut auch etwas Positives: »Wenn KI den Staat zugänglicher machen würde, wäre das ein Segen.«
Das ganze Interview lesen Sie hier: Droht der Staatskollaps, Herr Schmitz?
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Nicht die Schulden sind das Problem – sondern was wir damit machen: In Berlin wächst die Sorge, dass die Kreditwürdigkeit des Staates herabgestuft werden könnte. Sie ist berechtigt, aber nicht wegen steigender Schuldenstände.
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Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.
Verliererin des Tages…
BSW-Gründerin Wagenknecht
Foto: Christoph Soeder / dpa…ist BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht, die heute im Wahlkampf in Aschersleben und Dessau auftritt. Ob sie ihrer Partei in Sachsen-Anhalt damit Auftrieb geben wird, darf bezweifelt werden. Bei der Wahl am 6. September muss das BSW um den Einzug in den Landtag bangen – und die allgegenwärtige Politikerin hat ihr Bündnis im Osten in eine tiefe Krise gestürzt. In Thüringen widersetzte sich die Landespartei Wagenknechts übergriffigem Wunsch, die Brombeerkoalition in Erfurt zu beenden. In Sachsen-Anhalt, wo Wagenknecht nur zu gern als Königsmacherin auftreten würde, hat sich der Landesverband bereits zerstritten.
Mehr zum Thema: Zerbröselt jetzt das BSW?
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Fußballstar Musiala gibt »neurologische Dysfunktion« bekannt: Bereits zum zweiten Mal ist Nationalspieler und Bayernstar Jamal Musiala auf dem Spielfeld zusammengebrochen. Nach dem Sieg gegen Heidenheim äußert er sich zu seiner Gesundheit.
Leichnam eines seit 44 Jahren vermissten israelischen Soldaten geborgen: Der Geheimdienst Mossad und die israelische Armee haben die sterblichen Überreste von Jehuda Katz geborgen. Es ist der letzte von drei seit 1982 im Libanon vermissten Soldaten, der nach Israel zurückgebracht wurde.
Inspekteure entdecken tonnenweise nukleares Material in Syrien – und lassen es dort: Unter Diktator Assad soll Syrien an einem Atomprogramm gearbeitet haben – so der Verdacht. Jetzt fanden Experten der IAEA im Land tatsächlich »einige Tonnen Nuklearmaterial«.
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Arne Bellstorf / DER SPIEGEL
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