SpOn 17.09.2026
17:37 Uhr

News des Tages: Cyberbetrug durch IT-Firma, Kontrolle von KI-Systemen, Tierversuche


Ermittler jagen Cyberkriminelle, die Tausende Deutsche um ihr Geld gebracht haben. Experten schildern, wie KI-Supermaschinen der Kontrolle der Menschen entgleiten könnten. Und Wissenschaftler haben menschliche Zellen in Mäusehirne eingesetzt. Das ist die Lage am Donnerstagabend.

News des Tages: Cyberbetrug durch IT-Firma, Kontrolle von KI-Systemen, Tierversuche

1. Weiße-Kragen-Kriminelle betreiben ein weltweites System der Abzocke

Schlimmer als die Scham ist das Gefühl der Ohnmacht – das gilt für die meisten Menschen, die auf Betrüger hereinfallen. Im Internet hat sich ein internationales Netzwerk breitgemacht, dem es gelungen ist, Tausende Deutsche um ihr Vermögen bringen. Die Betrogenen haben geschätzt Hunderte Millionen Euro verloren.

Sie stießen im Netz auf vermeintliche Anlageportale, bei denen sie Geld darauf setzen konnten, ob die Kurse von Aktien oder Kryptowährungen steigen oder fallen. Am Ende war so gut wie alles weg. Nun haben der SPIEGEL und neun internationale Recherchepartner im Rahmen eines Projekts namens »FakeTrade« das kriminelle Netzwerk durchleuchtet (hier mehr dazu ).

Meine Kollegen Sven Becker, Jürgen Dahlkamp und Noel Urcan sowie meine Kollegin Sara Wess
berichten über Menschen, die abgezockt wurden, und den »vielleicht aggressivsten Krebs der Finanzwelt, seine immer neuen Metastasen«.
Die »FakeTrade«-Recherche des SPIEGEL und neun internationaler Medien, die vom Netzwerk European Investigative Collaborations (EIC) koordiniert wurde, zeige auch, so meine Kollegen, »dass Opfer und Ermittler nicht machtlos sind. Ein kanadischer Betroffener nahm den Kampf gegen die Abzocker auf – und ein deutscher Staatsanwalt schaffte es, sie vor Gericht zu bringen«.


2. Die Politik tut sich schwer, die KI-Supermaschinen dauerhaft zu kontrollieren

Timo Lenzen  / DER SPIEGEL

»Wenn die Welt einmal untergehen sollte, ziehe ich nach Wien«, soll der Komponist Gustav Mahler gesagt haben, »denn dort passiert alles fünfzig Jahre später.« Die aktuelle SPIEGEL-Titelgeschichte berichtet über die Gefahren der künstlichen Intelligenz und möglicherweise existenziellen Risiken für die Menschheit, die mit dem Siegeszug der KI verbunden sind. Die Chefs der größten KI-Unternehmen rufen nach globalen Regeln und Hilfe des Staates. US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping allerdings haben eigene Ziele. (Lesen Sie hier mehr dazu .)

Meine Kollegen Simon Book, Marcel Rosenbach und Bernhard Zand sowie meine Kollegin Angela Gruber schreiben, dass dieser Herbst in die Geschichte eingehen könnte. Als der Zeitpunkt, an dem der Menschheit die von ihr geschaffene Supermaschine entglitten ist. Experten fragten sich derzeit, ob die Maschinen bereits zu intelligent seien, um sich von einer unterlegenen Spezies kontrollieren zu lassen.

Mahner und Warner bestimmen seit Tagen die globale Debatte. »Eine Branche, die eben noch vor Optimismus kaum laufen konnte, die Billionensummen von Investoren einsammelte, scheint plötzlich im Panikmodus zu sein«, so die Kollegen. Beruhigende Gegenstimmen aus der Techszene seien rar. Und die Politik? Die USA und China dominieren und konkurrieren um die Technologie, doch Amerikas Technologieführerschaft schmilzt. Auch deshalb seien sich Trump und Xi uneins. »Schlösse Trump einen Deal mit Peking, drohte die Führung ganz dahin zu sein.«


3. Die Tierversuche sind ethisch fragwürdig

Versuchstier (Symbolbild)

Versuchstier (Symbolbild)

Foto: IMAGO

Wissenschaftler haben gezüchtete menschliche Hirnzellen in Mäusegehirne eingesetzt, dort wuchsen sie und bauten Verbindungen ins Gehirn der Maus auf – das klingt nach tollem Stoff für Horrorfilme. Tatsächlich berichtet ein internationales Team, das an der US-Universität Stanford arbeitet, im Fachjournal »Nature«, dass es ihm mit der Einsetzung der Hirnzellen gelungen sei, einen bedeutenden Schritt für die Erforschung von Krankheiten zu erzielen. (Lesen Sie hier mehr dazu.)

Die Hoffnung sei, etwa Autismus oder Epilepsie deutlich genauer zu erforschen, betont das Team um Sergiu Pasca in »Nature«. Ein Komitee mit unabhängigen Experten habe die Versuche mit Blick auf ethische Aspekte geprüft und begleitet. Man habe kritisch analysiert, welche Art von Versuchen mit Tieren für die Forschung notwendig und zielführend sei. Bei der Abwägung habe jedoch auch das Leiden von Hunderten Millionen Menschen eine Rolle gespielt, die an Krankheiten litten, die nun möglicherweise genauer erforscht werden könnten.

»Es wäre voreilig, hier von vermenschlichten Mäusen zu sprechen«, sagt mein Kollege Martin Schlak. »Die Zahl der verpflanzten Hirnzellen ist viel zu gering, als dass die Mäuse etwa ein menschliches Bewusstsein erlangen könnten.« Doch je stärker die Forscher die beiden Spezies mischten, desto drängender werde die ethische Frage, ob die Experimente gerechtfertigt seien. »Dass solche Chimären die medizinische Forschung tatsächlich voranbringen, diesen Beweis müssen sie nämlich erst noch erbringen.«


Was heute sonst noch wichtig ist


Mein Lieblingskommentar heute: Durch Deutschland muss ein Klopp gehen

Bundestrainer Jürgen Klopp

Bundestrainer Jürgen Klopp

Foto:

Kai Pfaffenbach / REUTERS

Der neue Bundestrainer Jürgen Klopp hat seinen Kader präsentiert – und 44 Spieler berufen, 16 darunter, die noch nie in der Nationalelf gespielt haben. »Er will allen zeigen: Mit mir wird vieles, vielleicht alles anders«, urteilt mein Kollege Peter Ahrens. Unter anderem denke Klopp über den Begriff »Nationalstolz« und seine problematischen Seiten nach. Er scheine zu wissen, was der Job des Bundestrainers verlangt, so mein Kollege. »Dass er Orientierung ausstrahlen kann in orientierungslosen Zeiten. Dass ein Bundestrainer auch immer ein ganz kleines bisschen Bundeskanzler des Fußballs ist. Dass die Leute sehr genau registrieren, was man sagt, wie man es sagt.« Missmut begleitet die Nationalmannschaft seit vielen Jahren, geht es nun wirklich aufwärts? »Klopp ist wie jeder Bundestrainer zum Erfolg verdammt«, kommentiert Peter. »Er kann noch so viel Aufbruch predigen, eines Tages müssen Siege dazukommen.«


Was heute weniger wichtig ist

Foto:

Jordan Tovin / REUTERS

Es war einmal in Amerika: Robert De Niro, 83, Hollywoodstar, ist im Podcast »Good Hang« in Tränen ausgebrochen. Als ihm die Comedienne Amy Poehler, 55, dafür dankte, dass er sich zu Themen äußere, die ihm am Herzen liegen, und unter anderem seine Stimme regelmäßig gegen US-Präsident Donald Trump erhebe, bekam der Schauspieler feuchte Augen. Poehler reichte ihm Taschentücher, um die Tränen zu trocknen, und De Niro sagte: »Es ist wirklich beunruhigend zu sehen, was in diesem Land gerade passiert, und es ist einfach verrückt.«


Mini-Hohlspiegel

Aus der »Frankfurter Neuen Presse«

Aus der »Frankfurter Neuen Presse«

Nun müssen auch sie die braune Suppe auslöffeln.Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Nun müssen auch sie die braune Suppe auslöffeln.
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Julian Fiebach / DER SPIEGEL


Und heute Abend?

Rocky Mountains in Alberta

Rocky Mountains in Alberta

Foto: Paul Biris / Moment / Getty Images

Könnten Sie Ihre Kenntnisse über das schöne Land Kanada erweitern. Der große Fußballer Mehmet Scholl hat angeblich mal gesagt: »Ich fliege irgendwo in den Süden, vielleicht nach Kanada oder so.« Der kanadische Premierminister Mark Carney hat heute einiges dafür getan, dass Europäer sich gründlicher mit seinem Land und dessen geografischer Lage beschäftigen, indem er über den von Ursula von der Leyen vorgeschlagenen Sonderstatus für Kanada als erstes »assoziiertes« Mitglied der EU sagte: »Wir begrüßen diesen Vorstoß.« (Lesen Sie hier mehr dazu.)

Zur Entdeckung einiger der schönsten Orte in Kanada hat der SPIEGEL vor einigen Jahren eingeladen, als Kanada das Gastland der Frankfurter Buchmesse war, im Text des Kanada-Kenners Ole Helmhausen finden sich wirklich wichtige Informationen: »In Yellowknife, der Hauptstadt der Northwest Territories, sind monatelang anhaltende Durchschnittstemperaturen um minus 30 Grad völlig normal.«

Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort