1. Hin und Ford
»Wir wollen nicht, dass dieser Krieg zur Belastung für die transatlantische Beziehung wird«, hat der Kanzler heute gesagt. Als hätte es die vergangenen Tage nicht gegeben, als hätte Donald Trump ihm und den anderen Nato-Verbündeten nicht vorgeworfen, »einen sehr dummen Fehler« zu machen, weil sie sich weigern, den US-Waffengang in Nahost zu unterstützen.
Jeder Paartherapeut müsste an der transatlantischen Beziehung verzweifeln. Ja, da war mal was, aber die Luft ist raus; selbst die Vernunft hält die Partner kaum noch zusammen. Der eine poltert, droht, wütet, der andere hofft und bangt. (Mehr zu Merz’ Trump-Dilemma lesen Sie hier .)
USS »Gerald R. Ford« (in Marseille, August 2025): Sie wollen doch nur spülen
Foto: SPEICH Frederic / MAXPPP / IMAGOUnkaputtbar ist nichts, weder die deutsch-amerikanische Freundschaft, noch der teuerste Flugzeugträger der USA. »Auf der USS ‚Gerald R. Ford‘ im Roten Meer häufen sich die Pannen«, berichtet mein Kollege Christoph Seidler. Erst brach ein Brand im Lüftungsschacht des Wäscheraums im Heck aus. Dann hatten fehlten mehr als 600 Crewmitgliedern die Schlapplätze mehr. »Doch die ‚Gerald Ford‘ hat weitere Technikprobleme – an delikater Stelle«, berichtet Christoph. »Das Toilettensystem gleicht einem technischen Albtraum«. Offenbar vergeht kein Tag ohne einen mehr oder weniger großen Ausfall. Nun soll der Flugzeugträger zur Notfall-Reparatur nach Kreta. Mission, gnihi, Abort.
Hier die ganze Geschichte: Amerikas teuerster Flugzeugträger kämpft gegen sich selbst
2. Die Verzugchefin bittet um Nachsicht an der Bahnsteigkante
Am Haupstadtflughafen BER geht so gut wie nichts mehr – Streik. 445 Flüge abgesagt, 57.000 Passagiere müssen sehen, wo sie bleiben (hier mehr dazu). Da kann der Berliner nur müde lächeln: Vor nicht allzulanger Zeit wäre es eine Nachricht gewesen, wenn es Betrieb am BER gegeben hätte. Heute ist es umgekehrt. Es ist nicht alles schlecht.
Jeder Streik, jede Unpässlichkeit, jede Panne scheint das diffuse Gefühl zu verstärken, dass Deutschland nicht mehr richtig funktioniert. In München fahren heute viele Busse und Bahnen nicht (viel Erfolg, wenn Sie zum Bayern-Bergamo-Spiel wollen am Abend); morgen müssen Pendler in anderen Städten Bayerns, in NRW und in Hamburg gucken, wie sie zur Arbeit kommen.
Das Unterhaltsamste: Wer im Stau steht, schimpft besonders gerne auf die Bahn. Sie ist zum Symbol geworden für alles, was nicht läuft im Land. Ein Kollege flüchtet sich bei Verspätungen in wütenden Zynismus: Die Deutsche Bahn lasse sich nur noch mithilfe der russischen Luftwaffe sanieren.
Unfair zugespitzt, aber der wahre Kern ist ja: Der Sanierungsstau bei der Bahn ist gigantisch. Das betonte auch Bahn-Chefin Evelyn Palla im Gespräch mit meinen Kollegen David Böcking und Gerald Traufetter. Sie bat die Fahrgäste um Geduld, auch mit Blick auf die Unpünktlichkeit vieler Züge. Man lerne aber mit jeder erneuerten Strecke hinzu, versprach sie. »Bislang hat Palla viele Erwartungen gebremst und konnte dabei auf Fehler ihrer Vorgänger verweisen«, sagt David. »Doch nun muss sie zunehmend Verantwortung für die Probleme des Konzerns übernehmen.«
Hier das ganze Gespräch: »Wenn ich schon in einem verspäteten ICE sitze, sollte er zumindest sauber sein«
3. Es wird kaum Kühler
Bei all der Tristesse macht ausgerechnet ein deutscher Autobauer Hoffnung: »BMW hat ein aufsehenerregendes Modell vorgestellt«, berichten meine Kollegen Arvid Haitsch und Martin Hesse. »Die elektrische Mittelklasselimousine i3 verspricht 900 Kilometer Reichweite.«
Zwar hat auch BMW mit all den Widrigkeiten zu kämpfen, die der ganzen Branche in Europa zu schaffen machen: Die Zölle Trumps; der Zick-Zack-Kurs Europas beim Wandel zur E-Mobilität, die Konkurrenz aus China. »Doch während bei VW, Mercedes und Porsche die Gewinne im vergangenen Jahr drastisch eingebrochen sind und Stellenabbau und Sparprogramme die Schlagzeilen beherrschen, hielt BMW den Gewinn fast stabil bei operativ gut zehn Milliarden Euro« schreiben Arvid und Martin. »Große Abbauprogramme gibt es nicht, der Konzern verkauft anteilsmäßig mehr Elektroautos als die deutschen Wettbewerber und erfüllt mühelos die CO₂-Vorgaben aus Brüssel.«
Das neue Modell soll einen Aufbruch markieren, den BMW mit viel Pathos inszeniert. Bei meinen Kollegen entstand zumindest das Gefühl: Huch, die Deutschen können doch noch Autos bauen?
Hier ihre Eindrücke: Probe sitzen im neuen BMW i3
Was heute sonst noch wichtig ist
Angeblich unabhängige Initiative wird von Hersteller fluoridfreier Zahnpasta finanziert: Recherchen des SPIEGEL legten nahe, dass der Kosmetikkonzern Dr. Wolff eine Initiative von Fluorid-Gegnern bezahlt. Nun räumt »Beyond Fluorid« die Vorwürfe ein – und sieht sich trotzdem als Opfer .
Antisemitische Vorfälle in NS-Gedenkstätten nehmen deutlich zu: In NS-Gedenkstätten sind 2024 mehr als 200 antisemitische Vorfälle registriert worden – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Häufig gibt es einen rechtsextremen Hintergrund.
Vermieter von E-Scootern sollen bei Unfallschäden haften: Bei Unfällen mit E-Scootern sollen Geschädigte leichter Schadensersatz verlangen können – auch von Firmen, die Roller vermieten.
Zuckerberg dreht dem Metaverse den Saft ab: Der Facebook-Gründer hat so sehr an seine Zukunftsvision einer virtuellen Realität geglaubt, dass er sogar sein Unternehmen danach umbenannte. Doch die Technologie macht hohe Verluste – nun reagiert Meta.
Meine Lieblingskolumne heute: Pfeift doch aufs Gymnasium
Ein Kind macht mit seiner Mutter Hausaufgaben (Symbolbild)
Foto: Studio Firma / StocksyIhren Sohn hat meine Kollegin Anna Clauß auf die Realschule geschickt – und bereut es nicht, wie sie schreibt. »Probeunterricht, gemeinsames Lernen am Wochenende, Tränen trocknen: Viele Eltern tun alles, um ihr Kind fit fürs Gymnasium zu machen.« Anna findet: »Was für ein Optimierungszirkus!«
Den Text finden Sie hier: Die Elternkolumne
Was heute weniger wichtig ist
»Sonderzug in Hamburg«: Udo Lindenberg, 79, bekommt einen eigenen »Panik-Express« mit seiner Lebensgeschichte im Miniatur Wunderland, wie die Betreiber der Modelleisenbahnanlage mitteilten. Die Waggons zeigen demnach Stationen aus dem Leben des Sängers. Sie reichen von seiner Kindheit in Gronau über seine Zeit in Libyen und Erlebnisse in der DDR bis zum Hit »Komet«.
Mini-Hohlspiegel
In einem Rewe-Markt in Kraichtal (Bad.-Württ.)
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Drei Vorschläge: Sie könnten …
… etwas kochen, vielleicht Sauerkraut-Speck-Puffer mit Kräuterquark und Salat. »Die Anschaffung eines Muffinblechs lohnt sich nicht nur für Süßmäuler«, findet mein Effilee-Kollege Stevan Paul. »Die schnellen Sauerkraut-Speck-Puffer sind eigentlich keine Muffins, sie basieren auf einem Pfannkuchenteig, lassen sich aber perfekt mit dem Blech zubereiten.« (Hier das Rezept .)
… eine Serie anfangen zu gucken, vielleicht »Young Sherlock« von Guy Ritchie bei Amazon Prime. Sie erzählt aus der Jugend des Meisterdetektivs, düster, schnell, spannend. (Hier mehr Streamingtipps für den März.)
… ein Buch anfangen zu lesen, vielleicht »Oroppa« von Safae el Khannoussis. Ihr Debütroman erzählt von der Suche nach einer verschwundenen Künstlerin und führt von Amsterdam bis nach Nordafrika. Meine Kollegin Laura Maginot findet: »Eine wilde Geschichte von Trauma und Migration.« (Hier die Rezension .)
Ihnen einen unterhaltsamen Abend, herzlich
Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion


