SpOn 11.03.2026
12:30 Uhr

Nina Warken: Gesundheitsministerin verwechselt die Straße von Hormus mit dem Suezkanal


Bleibt die Straße von Hormus dicht, rechnet Gesundheitsministerin Warken mit spürbaren Folgen für die Arzneimittelversorgung. Nur: Die meisten Medikamente haben ohnehin eine andere Route.

Nina Warken: Gesundheitsministerin verwechselt die Straße von Hormus mit dem Suezkanal

Ist die Medikamentenversorgung in Deutschland trotz blockierter Schifffahrtsrouten infolge des Irankriegs gesichert? Darüber sprach Gesundheitsministerin Nina Warken in einem Interview mit dem Nachrichtenportal »Politico«  und offenbarte dabei eine Wissenslücke in Geografie.

»Durch die Straße von Hormus fahren normalerweise auch Schiffe mit Ladungen aus Indien und China, die für die Arzneimittelversorgung und -produktion unverzichtbar sind«, erklärte die CDU-Politikerin und schlussfolgerte: »Durch eine längere Blockade würden sich die Wege um Afrika herum deutlich verlängern, was durchaus zu Verzögerungen und gewissen Preisanhebungen führen kann.«

Fahren die Medikamente in eine Sackgasse?

In der Branche sorgten diese Sätze für Stirnrunzeln, denn die Realität der Routen sieht anders aus. Die Standardverbindung für Container aus Indien und China nach Europa führt über das Arabische Meer, das Rote Meer und den Suezkanal, nicht durch die enge Wasserstraße zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel.

Die Straße von Hormus ist primär für den Transport von Öl und Gas aus den Golfstaaten relevant – und endet im Persischen Golf in einer Sackgasse. Eine Blockade dort treibt Energiekosten in die Höhe, tangiert aber die großen Containerrouten nach Europa nur indirekt.

Nahe liegend ist, dass Warken hier die Straße von Hormus mit der eigentlichen Schlüssellinie zwischen Asien und Europa verwechselt hat: dem Suezkanal. Auf dieser Route liegt die Meerenge Bab al-Mandab vor der Küste des Jemen, wo die mit Iran verbündeten Huthis bereits seit Längerem Handelsschiffe angreifen.

Reedereien, die dieses Risiko vermeiden wollen, weichen tatsächlich um das Kap der Guten Hoffnung aus. Das sorgt für längere Laufzeiten und höhere Frachtraten, auch für pharmazeutische Güter.

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Auf Nachfrage der »Süddeutschen Zeitung«  bemühte sich das Ministerium, die Aussagen zu justieren. Man verwies auf Drohungen gegen Schiffe, eine erhöhte Gefährdung im Arabischen Meer und Umleitungen über Südafrika, die primär Generika verteuern könnten. Gleichzeitig betonen Branche und Pharmaverbände: Von einem akuten Versorgungsnotstand kann keine Rede sein. Die Routen werden länger, die Logistik teurer – aber die Apothekenschränke in Deutschland bleiben vorerst gefüllt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, Warken habe die fragliche Äußerung im Gespräch mit der »Welt« getätigt. Tatsächlich äußerte sie sich in einem Interview mit »Politico«.

jmm