SpOn 30.09.2026
14:14 Uhr

Notlandung in Saudi-Arabien: Israel geht von versuchtem Terroranschlag aus


180 israelische Passagiere waren an Bord einer Flydubai-Maschine, die nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung im Cockpit in Saudi-Arabien notlandete. Berichten zufolge verhinderten Fluggäste eine Katastrophe.

Notlandung in Saudi-Arabien: Israel geht von versuchtem Terroranschlag aus

Ein »Terrorist« hat nach Angaben des israelischen Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir ein Flugzeug der Gesellschaft Flydubai zum Absturz bringen wollen, das in Saudi-Arabien notlanden musste.

Ziel sei es gewesen, »die 180 Israelis an Bord zu ermorden«, schreibt Ben-Gvir bei X. Belege dafür nannte er zunächst nicht. »Der Terror ist ein Teufel, mit dem man kein Abkommen schließen darf«, schreibt der rechtsextreme Politiker weiter. Man müsse ihn vielmehr »besiegen und vom Antlitz der Erde auslöschen«.

Ein Flydubai-Flug auf dem Weg nach Tel Aviv war zuvor nach einem gewaltsamen Zwischenfall im Cockpit in Saudi-Arabien notgelandet. Nach übereinstimmenden Berichten israelischer Medien soll ein Pilot seinen Kollegen mit einem Messer verletzt haben. Passagiere halfen demnach dabei, den Angreifer zu überwältigen. Es gab bislang keine offizielle Bestätigung dafür, dass der Pilot das Flugzeug gezielt zum Absturz bringen wollte.

Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich schreibt bei X: »Wer auch immer versucht hat, ein Flugzeug zum Absturz zu bringen und 180 Israelis zu ermorden, muss dafür bezahlen, als ob er sie ermordet hätte.« Dies gelte für den Angreifer ebenso wie für »jeden Staat oder jede Terrororganisation, die ihn geschickt haben«. Wie Ben-Gvir nannte auch Smotrich keine konkreten Belege für ein Terrormotiv.

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Israelischen Medien zufolge hatte der Flug mit der Kennung FZ1073 den Notfallcode 7700 für einen allgemeinen Notfall gesendet, dann für kurze Zeit auch den Notfallcode 7500 für eine unrechtmäßige Einmischung oder Flugzeugentführung. Israelische Behörden konnten laut »Times of Israel«  keinen Kontakt zur Besatzung aufnehmen. Die Luftwaffe des Landes schickte deswegen Kampfjets in die Luft, der israelische Luftraum wurde geschlossen. Premier Benjamin Netanyahu berief laut Berichten eine Sicherheitssitzung mit Vertretern des Verteidigungsministeriums ein.

Die Mutter einer israelischen Passagierin sagte der Nachrichtenagentur AFP, nach Schilderungen ihrer Tochter habe einer der Piloten versucht, seinen Kollegen mit einem Messer zu erstechen. »Meine Tochter hat angerufen und gesagt, dass sie in Saudi-Arabien ist«, sagte Yasmine Abécassis, die am Tel Aviver Flughafen wartete. »Sie hat gesagt, dass ein Pilot versucht hat, den anderen Piloten mit einem Messer zu töten.« Durch laute Schreie alarmiert, seien Passagiere ins Cockpit gestürmt und hätten »den Kerl niedergerungen«, berichtete Abécassis. Eine Israelin berichtete dem TV-Sender N12 von großer Angst unter den Passagieren. Es habe »Schreie und Panik« gegeben.

Zuvor hatte es bereits Medienberichte gegeben, wonach die Piloten an Bord aufeinander losgegangen seien. Auch der SPIEGEL hatte berichtet.

Pilot und Co-Pilot offenbar verletzt

Nach der Notlandung um 9.45 Uhr auf dem Flughafen Tabuk wurden die Passagiere laut dem Sender N12 angewiesen, sitzenzubleiben und das Flugzeug nicht zu verlassen. Pilot und Co-Pilot wurden demnach von Bord gebracht, beide sollen verletzt gewesen und in ein Krankenhaus eingeliefert worden sein. Israels Premier Benjamin Netanyahu erklärte, man unternehme alles, um die sichere Rückkehr der israelischen Passagiere nach Hause zu gewährleisten. Israel und Saudi-Arabien führen keine diplomatischen Beziehungen.

In der Vergangenheit hatte es bereits Fälle gegeben, in denen Piloten Flugzeuge absichtlich zum Absturz gebracht haben , ohne dass ein terroristisches Motiv festgestellt wurde. Dazu zählt auch der Absturz des Germanwings-Flugs 9525 von Barcelona nach Düsseldorf im Jahr 2015, bei dem 150 Menschen ums Leben kamen. Mehr dazu lesen Sie hier. 

asc/hba/AFP/dpa