Am Samstag wird die diesjährige Kunstbiennale von Venedig erst offiziell eröffnet. Doch schon während der Vorbesichtigungstage für die Fachwelt herrscht Unruhe um die renommierte Ausstellung. Am Mittwochmorgen protestierten Aktivistinnen aus den Performancegruppen Pussy Riot und Femen dagegen, dass Russland diesmal wieder seinen Pavillon bespielt.
Pussy-Riot-Frontfrau Nedezhda Tolokonnikova, umringt von Reportern
Foto: Luca Bruno / APBald nach Öffnung des Geländes um elf Uhr versammelten sich mit lila Mützen maskierte Personen vor dem Ausstellungsgebäude Russlands in den Giardini. Punkrock von Pussy Riot erklang, lila bengalische Feuer wurden gezündet. Die Protestierenden skandierten Slogans wie »War is Russia’s art«, »Art for show, graves below« oder auch »Fuck Russia«.
Ähnliche Slogans hatten sich auch Aktivistinnen der Gruppe Femen auf ihre nackten Oberkörper geschrieben und präsentierten sie an dem regnerischen Vormittag, während sie ukrainische Flaggen hochhielten. Aus dem russischen Pavillion kam keine erkennbare Reaktion, die Biennale-Organisation ließ die Protestierenden gewähren.
Femen-Aktivistinnen protestieren gegen russische Teilnahme
Foto: Marco Bertorello / AFPDie Europäische Union hatte angekündigt, der Biennale einen Millionenzuschuss zu streichen. Wie die »Financial Times« berichtete, warnte die EU die Organisatoren, dass die Teilnahme Russlands als Verstoß gegen die Sanktionen wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine gewertet werden könne. Zweimal hatte Russland seither nicht teilgenommen, diesmal ist es dabei.
Im Streit über den Umgang mit Russland und Israel trat die Jury geschlossen zurück. Sie hatte Kunst aus den beiden Ländern bei der Preisvergabe nicht berücksichtigen wollen. Die Eröffnungsfeier wurde abgesagt, ebenso wie die übliche Vergabe der Goldenen Löwen zu Beginn. Die Preise sollen jetzt erst am letzten Tag der Ausstellung im November vergeben werden. Entscheiden darüber wird keine Jury mehr, sondern eine Abstimmung unter den Besuchern.
Lesen Sie hier , welche Kunst in diesem Jahr in den Pavillons zu sehen ist.
