Keine pauschalen Verbote, stattdessen eine bessere rechtliche Kontrolle der Social-Media-Plattformen, eine Stärkung des Medienkompetenz-Unterrichts in Schulen – und Bildungsangebote für Eltern: Mit diesen und anderen Maßnahmen sollten Schulen und Politik nach Ansicht des Aktionsrats Bildung auf die verstärkte Nutzung von Social Media durch Kinder und Jugendliche reagieren.
Die Empfehlungen stammen aus dem Gutachten des Aktionsrats Bildung, das am Donnerstag in München veröffentlicht wird. Dem Aktionsrat gehören neun renommierte Bildungsforschende an, die sich einmal jährlich mit konkreten Handlungsempfehlungen zu aktuellen pädagogischen Themen zu Wort melden.
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Weil Social-Media-Kommunikation längst überall im Alltag angekommen sei, müssten Schulen und Politik schnell reagieren, fordern die Fachleute in ihrer neuen Veröffentlichung: »Kinder, Jugendliche und Erwachsene müssen aus diesem Grund von klein auf altersgerecht auf die vielfältigen Chancen und Risiken und die gezielte sinnvolle Nutzung von Social Media vorbereitet werden.«
Verantwortliches Handeln früh trainieren
Am besten gelinge das durch eine Integration der Social-Media-Nutzung in den Unterricht – sowohl als Thema wie auch als Methode. Der Schlüssel für einen guten Umgang, heißt es in dem Gutachten, sei »mediale Integrität«. Gemeint ist, dass eine Person bei der Nutzung von Social Media verantwortlich handelt – »auch wenn sie dadurch auf vermeintliche Vorteile verzichten oder Nachteile in Kauf nehmen muss«. Eine integre Person achte darauf, »dass andere durch ihr Verhalten nicht geschädigt werden und richtet sich an universell gültigen Werten und ethischen Prinzipien aus«.
Kernforderung der Bildungsfachleute: Ein solches Verhalten müsse »in allen Bildungsphasen« altersadäquat vermittelt und geübt werden – also auch schon in der Grundschule. Dafür müsse die Politik klare Rahmenbedingungen mit Altersregelungen für die Social-Media-Plattformen schaffen. Hier drohe jedoch das »Risiko eines blinden Aktionismus in der Politik«, warnt der Erziehungswissenschaftler Dieter Lenzen, Vorsitzender des Aktionsrats.
Eltern in der Pflicht
Schulen sollten darüber hinaus verpflichtet werden, »pädagogisch fundierte und regelmäßig evaluierte Nutzungskonzepte für Social Media partizipativ zu entwickeln.« Diese Konzepte dürften nicht primär der Kontrolle, Reputationssicherung oder Risikominimierung der Einrichtung dienen, sondern müssten didaktisch begründete, sichere Lernräume für den reflektierten Umgang mit Social Media schaffen, heißt es in dem Gutachten. Dafür müsse auch die Ausbildung der Lehrkräfte verändert werden.
Gleichzeitig betont der Aktionsrat Bildung, dass sich auch das Verhalten vieler Eltern ändern müsse – angefangen bei einer Reduzierung der eigenen Handy-Nutzungszeiten bis hin zu besserem Kinderschutz durch Zurückhaltung beim Teilen von Kinderfotos und -videos. Ganz generell müssen sich Lehrerinnen und Lehrer nach Ansicht der Fachleute stärker mit den Eltern ihrer Schüler austauschen, um die exzessive Social-Media-Nutzung einzugrenzen.
Initiiert wurde der Aktionsrat Bildung von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). »Durchschnittlich verbringen in Deutschland 10- bis 17-Jährige täglich rund zweieinhalb Stunden mit Social Media, an freien Tagen sind es sogar fast vier Stunden«, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt: »Das sind alarmierende Zahlen.«
Man dürfe Kinder und Jugendliche angesichts von Cybermobbing und Desinformation nicht sich selbst überlassen: »Darum müssen wir im Unterricht einen geschützten Raum schaffen, um ihnen schrittweise Medienkompetenz und die ethischen Grundlagen für den verantwortungsvollen Umgang mit Social Media zu vermitteln«, so Brossardt. Die Fähigkeit, sich reflektiert in der digitalen Welt zu bewegen, sei am Arbeitsmarkt der Zukunft »unverzichtbar«.

