SpOn 18.09.2026
03:07 Uhr

USA: Robert F. Kennedy Jr. verspricht Impfgegnern einen Freund im Weißen Haus


Immer wieder fällt Robert F. Kennedy mit wirren Aussagen zu Vakzinen auf. Zuletzt stand der US-Gesundheitsminister bei einem Treffen von Impfgegnern auf der Bühne. Dabei fielen bemerkenswerte Sätze.

USA: Robert F. Kennedy Jr. verspricht Impfgegnern einen Freund im Weißen Haus

Die Zahl der Maserninfektionen in den USA hat den höchsten Stand seit 35 Jahren erreicht. Derweil sitzt an der Spitze des Gesundheitsministeriums mit Robert F. Kennedy Jr. ein Minister, der jahrzehntelang immer wieder krude Theorien und Unwahrheiten über Impfungen verbreitetet hat (mehr dazu hier ).

Eben jener Minister ist nun beim Treffen der Children’s Health Defense aufgetreten. Dahinter verbirgt sich eine Organisation von Impfgegnern, deren Führung Kennedy laut dem »Guardian«  über viele Jahre angehört hat. Und an der Nähe zu deren Ansichten hat sich offensichtlich wenig geändert, wie Kennedys Aussagen nahelegen. »Lasst mich das klar sagen: Ihr habt einen starken und unerschütterlichen Freund im Weißen Haus«, sagte er auf der Bühne in der US-Hauptstadt. Veränderungen würden voranschreiten, »einen Tag nach dem anderen«.

Zu dem Anstieg der Masernfälle äußerte er sich nur knapp: »Wir sorgen uns um jedes Kind, das an Masern stirbt. Darauf sind dann alle Schlagzeilen gedreht.« Man müsse aber auch, so Kennedy imselben Atemzug, an jene Kinder denken, die an Impfschäden leiden würden.

Die Gesundheitsbehörde CDC hatte vor Kurzem mitgeteilt , dass in diesem Jahr bislang mehr als 3200 Masernfälle ​registriert worden seien (Stand: 10. September). Im gesamten Vorjahr waren es 2289 Fälle. Es handele sich um die höchste Zahl seit dem Zeitraum von 1989 bis 1991, als ‌zusammen mehr als 55.000 Infektionen und 123 Todesfälle verzeichnet wurden.

Viele Gesundheitsvertreter machen für die Entwicklung auch die Impfskepsis Kennedys verantwortlich. Dieser hatte wiederholt die wissenschaftlich widerlegte Behauptung verbreitet, Masernimpfstoffe stünden in Verbindung mit ‌Autismus. Im Juni 2025 entließ er dann auch alle Mitglieder des ​CDC-Expertenbeirats für Impfungen.

Kennedy hatte Anfang August in einer CNN-Sendung die Kritik zurückgewiesen, wonach seine Tätigkeit als prominenter Impfkritiker – sowohl vor als auch nach seinem Eintritt in die Trump-Regierung – das Problem verschärft habe (mehr dazu hier). Auf die Frage, ob er Verantwortung für den Masernanstieg übernehme, antwortete er: »Auf keinen Fall.«

Rücklaufender Trend in vielen EU-Ländern

In demselben Interview hatte er sich aber auch für eine Impfung gegen Masern ausgesprochen. »Eltern sollten ihre Kinder gegen Masern impfen lassen. Eine Masernimpfung ist wirksam, sie verhindert Masern in etwa 97 Prozent der Fälle. Die Menschen sollten sich impfen lassen.« Bei seinem Amtsantritt hatte Kennedy die Masernimpfung noch als persönliche Entscheidung dargestellt und fälschlicherweise behauptet, die Wirksamkeit der Impfung nehme ab.

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Die Skepsis gegen Impfungen hat sich zum internationalen Phänomen entwickelt. Nach jahrzehntelangen Verbesserungen zeigten die Impfquoten bei Kinderimpfungen einer Studie zufolge in vielen EU-Ländern zuletzt überwiegend stagnierende oder rückläufige Trends. Von dieser besorgniserregenden Entwicklung sei auch Deutschland betroffen, berichtet ein Expertenteam im Fachjournal »The Lancet Regional Health – Europe«.

Die Studie war allerdings nicht darauf ausgelegt, die Ursachen zu klären. Vielfach begann der Rückgang zwischen 2019 und 2022, also während der Coronapandemie und in der Zeit danach. Als mögliche Faktoren werden unter anderem Fehlinformationen und Veränderungen im Vertrauen in Impfstoffe genannt.

Die US-Seuchenschutzbehörde schürt unbegründete Ängste vor Impfungen im Kindesalter. Zeit, daran zu erinnern, dass Impfungen eine der größten Errungenschaften der Medizin sind. Mehr hier im Kommentar .

jok