SpOn 19.08.2026
04:55 Uhr

USA streichen Manöver mit Südkorea nach Trumps Machtwort zusammen


Schon am Freitag soll Schluss sein: Nach der klaren Ansage von Donald Trump verkürzen die USA die laufenden Militärübungen mit Südkorea radikal. In Seoul zeigt man sich überrumpelt.

USA streichen Manöver mit Südkorea nach Trumps Machtwort zusammen

Washington und Seoul halten seit den Fünfzigerjahren gemeinsame Militärmanöver ab. Sie gelten als Signal der Abschreckung gegen nordkoreanische Aggressionen und für die Einsatzbereitschaft der Verbündeten. Einen Vorgang wie den aktuellen hat es in all den Jahren der militärischen Kooperation kaum je gegeben. Südkorea und die USA werden ihre derzeit laufenden Militärübungen um rund die Hälfte abkürzen.

Wie Südkoreas Generalstab mitteilte, wird das Manöver auf Wunsch der USA bereits am Freitag enden. Ursprünglich war geplant, dass die seit Montag laufenden Militärübungen mit dem Titel »Ulchi Freedom Shield« bis zum 27. August andauern. Diesem Schritt war ein Machtwort von US-Präsident Donald Trump vorhergegangen (mehr hier).

Er hatte am Wochenende in einem Post auf der Onlineplattform Truth Social angekündigt, das gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea deutlich kleiner ausfallen zu lassen – weil nicht mehr genügend Zeit bleibe, um es komplett abzusagen.

Donald Trump (r.) und Kim Jong Un (bei Treffen im Juni 2018)

Donald Trump (r.) und Kim Jong Un (bei Treffen im Juni 2018)

Foto: Evan Vucci / AP / dpa

Laut einem Bericht des öffentlich-rechtlichen südkoreanischen Rundfunksenders KBS sollen die Streitkräfte beider Länder zwar wie auch in vorherigen Jahren die Verteidigung gegen einen simulierten Angriff aus Nordkorea üben. Die zuvor ebenfalls vorgesehene Gegenoffensive wurde jedoch vollständig gestrichen. Von offizieller Seite wurde dieser Punkt bislang nicht bestätigt.

Südkoreas Außenminister Cho Hyun erklärte bei einer Anhörung im Parlament in Seoul am Mittwoch, man sei von Trumps Ansage überrumpelt worden: »Unsere Regierungsvertreter haben – ebenso wie die Vertreter der USA – im Vorfeld nichts davon gewusst.« Er vermutete, dass die Aktion dazu gedacht sei, Südkorea zu mehr Engagement in Irankonflikt zu drängen.

Trump verwies zuletzt auf seine angeblich »sehr gute Beziehung« zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Die Militärmanöver sendeten ein »völlig unangemessenes und feindseliges Signal« an ein Land, das – solange er Präsident gewesen sei – keine Bedrohung dargestellt und sich respektvoll verhalten habe, schrieb Trump.

Ungeachtet der jüngsten Entwicklungen reagierten Nordkoreas Staatsmedien mit scharfer Kritik auf die seit Montag laufenden Militärübungen. Feindliche Staaten, die die Souveränität Nordkoreas verletzten, würden »jederzeit ins Visier unserer vernichtenden Vergeltungsmaßnahmen« geraten, hieß es in einem Artikel der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA, die als Sprachrohr des Machtapparats in Pjöngjang fungiert.

DER SPIEGEL

Unterdessen berichtete das »Wall Street Journal«  unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Beamte, Trump wolle Diktator Kim noch in diesem Herbst treffen. Offiziell gebe es zwar noch keine Planungen. Ein Treffen der beiden könnte demnach aber im November stattfinden, wenn sich Staats- und Regierungschefs aus aller Welt beim Treffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im chinesischen Shenzhen begegnen werden. Der Gipfel ist für den 18. bis 19. November geplant.

Trump hatte Kim während seiner ersten Amtszeit mehrfach getroffen. Nach einem ersten Gipfel in Singapur 2018 endete die zweite Begegnung der beiden Staatschefs im folgenden Jahr in Hanoi in einem Eklat: Kim reiste noch vor Ende des offiziellen Programms ab. Hintergrund war ein Konflikt bei den Verhandlungen über Nordkoreas nukleare Abrüstung.

Parteiübergreifende Kritik an Trumps Korea-Kurs

Trump selbst hatte zuletzt neue Kontakte mit Nordkoreas Machthaber angedeutet. Auf die Frage, warum Kim nicht auf seine jüngst geäußerten Gesprächswünsche reagiert habe, sagte Trump am Montag vor Reportern im Oval Office: »Woher wissen Sie, dass er nicht geantwortet hat?« Als er weiter gedrängt wurde, ob Kim tatsächlich geantwortet habe, antwortete Trump: »Ja, hat er.« Als er gefragt wurde, in welchem Stadium sich die Gespräche mit Kim befänden, fügte Trump hinzu, es sei »sehr positiv«. Der US-Präsident nannte jedoch keine weiteren Details.

Der US-Präsident wiederholte seine Kritik an Südkorea – insbesondere wegen der Weigerung des Verbündeten, sich an US-Militäreinsätzen gegen Iran zu beteiligen. »Wir können nicht überall herumgehen und all diese Länder beschützen, vor allem dann nicht, wenn sie nicht da sind, um uns zu helfen«, sagte Trump.

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Trumps erste Ankündigung zur Reduzierung der Manöver mit Südkorea war parteiübergreifend verurteilt worden. Der ranghöchste Demokrat im Streitkräfteausschuss des Senats, Jack Reed, sprach von einer »wahnwitzigen, planlosen Entscheidung« des US-Präsidenten. Die Entscheidung widerspreche laut Reed zudem einer Warnung des Vize-Befehlshabers des zuständigen Regionalkommandos Northcom, Joseph Jarrard. Dieser habe darauf hingewiesen, dass Pjöngjang erfolgreich Interkontinentalraketen getestet habe mit »ausreichend Schubkraft, um einen nuklearen Sprengkopf an jeden beliebigen Ort in Nordamerika zu befördern«.

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Heftige Kritik kam auch von dem republikanischen Senator Thom Tillis – er verwies auf Nordkoreas Unterstützung für Russlands Krieg gegen die Ukraine. Die gemeinsamen Übungen mit Südkorea zu reduzieren, bewirke »nichts anderes, als Tausende nordkoreanische Soldaten für die Unterstützung von Putins systematischer Verschleppung, Folter, Vergewaltigung und Ermordung unschuldiger ukrainischer Bürger freizusetzen«, schrieb Tillis im Onlinedienst X.

Nur Stunden vor Beginn eines gemeinsamen Manövers mit Südkorea bremste US-Präsident Trump seine Streitkräfte und rühmte sich seines guten Verhältnisses mit Nordkoreas Diktator. Die US-Partner im Fernen Osten müssen nun sehen, wo sie bleiben. Mehr hier in der Analyse. 

jok/dpa