SpOn 15.09.2026
16:54 Uhr

Ukraine-Krieg: Russland warnt westliche Politiker vor Zugreisen nach Kyjiw


Ein Drohnenschlag nahe der Grenze zu Polen traf fast einen Zug mit bekannten Politikern. Die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau kommentiert die Attacke mit Zynismus: Reisende müssten nun mal die »Risiken abwägen«.

Ukraine-Krieg: Russland warnt westliche Politiker vor Zugreisen nach Kyjiw

Das Wochenende hat gezeigt: Russland nimmt die Bahnlinie zwischen Kyjiw und Warschau ins Visier.

Eine russische Drohne traf einen Zug nahe der Grenze zu Polen. In einem anderen Zug unweit davon saßen bekannte Politiker wie der schwedische Ex-Premier Carl Bildt, Großbritanniens Ex-Premier Boris Johnson oder die ehemalige finnische Premierministerin Sanna Marin. Auch Günter Sautter, außen- und sicherheitspolitischer Berater von Kanzler Friedrich Merz, saß in einem der zwei Sonderzüge.

Zwar kamen keine Menschen dabei ums Leben. Aber die Attacke zeigt, dass Russland den Krieg weiter nach Westen tragen will. Die Strecke ist eine zentrale Verbindungsader zwischen der Ukraine und dem Westen. Nicht nur normale Ukrainerinnen und Ukrainer nutzen sie, sondern auch reihenweise Politikerinnen und Politiker für ihre Solidaritätsbesuche nach Kyjiw. Das weiß natürlich auch Moskau.

Moskau warnt Reisende

Alle Reisenden, heißt es jetzt aus dem Kreml, müssten die Risiken »nüchtern abwägen«.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa, eine der zentralen Figuren der russischen Propaganda, sagte laut russischen Staatsmedien , dass niemand für die Sicherheit der Reisenden sorgen könne. Sie warf der ukrainischen Regierung vor, die »VIPs« als menschliche Schutzschilde für angebliche Militärkonvois zu nutzen. Die Warnungen des Kreml, dass die Route wie alle anderen Gebiete in der Ukraine nicht sicher sei, gälten weiter, sagte Sacharowa.

Die Flughäfen in der Ukraine sind seit Jahren geschlossen, deswegen reisten bisher auch Kanzler Merz und seine Minister mit nächtlichen Sonderzügen von Polen aus in die Ukraine. Bis man die Sicherheitslage besser einschätzen könne, so hieß es am Montag in Berlin, werde es keine Zugreisen von Spitzenpolitikern mehr in die Ukraine geben (mehr dazu lesen Sie hier ).

Mehr zum Thema

In dem Sonderzug am Wochenende fuhren zahlreiche Teilnehmer der Yalta European Strategy Konferenz (kurz: YES). Die jährlich stattfindende YES-Konferenz wird wegen der hochrangigen Teilnehmer auch als das »ukrainische Davos« bezeichnet. Die ukrainische Eisenbahngesellschaft Ukrzalyznytsia schloss nicht aus, dass der Angriff dem von Medien so genannten YES-Express gegolten haben könnte.

Russland machte in den vergangenen Monaten regelrecht Jagd auf fahrende Züge in der Ukraine. Um den Bahnverkehr trotz der Gefahr aufrechtzuerhalten, gibt es Kommandozentralen, in denen Mitarbeiter in Echtzeit die Bedrohungen aus der Luft beobachten und bewerten.

Wie der ukrainische Bahnchef Oleksandr Pertsovskyi Fahrgäste und Mitarbeiter schützen will, lesen Sie hier .

hba