SpOn 20.05.2026
10:41 Uhr

Wirtschaft in Deutschland: Industrie erreicht Rekordniveau bei Aufträgen


Die deutsche Wirtschaft hat so viele offene Bestellungen wie noch nie seit Beginn der Erfassung im Jahr 2015. Besonders legten die Aufträge in der Elektro- und Fahrzeugindustrie zu. Trotzdem könnten Jobs weiter gefährdet sein.

Wirtschaft in Deutschland: Industrie erreicht Rekordniveau bei Aufträgen

Die Auftragsbücher der deutschen Industrie sind so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn dieser Statistik im Jahr 2015. Der Bestand an ​offenen Bestellungen wuchs im März um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt ‌mitteilte .

Das war der stärkste Anstieg seit September 2024, verglichen mit dem Vorjahresmonat gab es ein Plus von 8,4 Prozent.

Die Zahlen sind ein kleiner Hoffnungsschimmer für die krisengeplagte deutsche Industrie, die im internationalen Vergleich seit Jahren an Boden verliert (mehr dazu lesen Sie hier ). Allerdings warnen Experten davor, die Monatsdaten überzuinterpretieren.

Die Aufträge legten laut Statistischem Bundesamt in jedem Wirtschaftsbereich zu. Der größte Zuwachs wurde mit 3,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat bei den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen gemessen. Dazu zählen etwa Computer, Smartphones oder medizinische Geräte.

Im Bereich »Sonstiger Fahrzeugbau«, also beim Bau von Flugzeugen, Schiffen, Zügen oder Militärfahrzeugen, stiegen die Aufträge mit 1,5 Prozent ebenfalls stark an.

Ökonom erwartet trotzdem »schleichenden Beschäftigungsabbau«

Die Auftragseingänge in der Industrie können ein wichtiger Frühindikator für eine mögliche Trendwende im deutschen Wirtschaftswachstum sein. Ob sich die Industrie tatsächlich erholt, ist aber noch fraglich. Zuletzt hatten Konjunkturforscher des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) mit einem Wachstum von nur 0,4 Prozent gerechnet.

Der ⁠hohe Auftragsbestand sei zudem noch kein Garant dafür, dass auch die Produktion hochfährt, sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger. Standortbedingungen und gestiegene Energiepreise belasteten viele Unternehmen. Durch den Irankrieg seien zudem die Gewinnmargen unter ‌Druck geraten. Hinzu kämen Lieferstörungen.

»Aufträge dürften daher nur ​langsam abgearbeitet und ‌Kapazitäten kaum erweitert werden«, sagte Krüger. »Trotz guter Auftragslage wird sich der schleichende Beschäftigungsabbau wohl fortsetzen.«

Der Chemieverband VCI hatte bereits am Dienstag vor trügerischen Hoffnungen auf ​eine Trendwende gewarnt. Die gut gefüllten Auftragsbücher der Branche seien kein Anzeichen einer nachhaltigen Erholung, sondern »in weiten Teilen ein Ausdruck nackter Panik«, sagte Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. Internationale Abnehmer würden aus Sorge vor Versorgungsengpässen wegen des Irankriegs schlichtweg hamstern. »Das ist ​ein kleiner Peak in einer strukturellen Krise, die wir haben«, so Große Entrup.

Auch die Bundesregierung zeigte sich zuletzt wenig optimistisch. Sie rechnet zumindest im Frühjahr mit einer schwachen Konjunktur. »Aktuelle Indikatoren deuten auf einen ​deutlichen Dämpfer im zweiten Quartal hin«, heißt es in dem in der vergangenen Woche veröffentlichten Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums. Steigende ‌Preise, Lieferkettenprobleme und Unsicherheit belasteten die Stimmung in Unternehmen wie in privaten Haushalten. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hänge davon ab, wie lange der Konflikt im Nahen Osten andauern wird.

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Doch zumindest ein kleines bisschen Hoffnung machen die neuen Zahlen. Die Reichweite des Auftragsbestands stieg im März auf 8,8 Monate – das ist ebenfalls der höchste Wert seit Beginn der Statistik ‌2015. Der Wert gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne Neugeschäft theoretisch produzieren müssten, um vorhandene Bestellungen abzuarbeiten.

Die offenen Aufträge ⁠aus dem Inland legten im ​März ​um 1,4 Prozent zu. Der Bestand aus dem Ausland stieg um 1,7 Prozent.

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ast/stk/Reuters