Nach Kreml-Angaben haben sich der Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Wladimir Putin in Moskau zu einem Gespräch zusammengefunden. »Ja, sie haben sich getroffen. Es war ein gutes Gespräch«, sagte der außenpolitische Berater Putins, Jurij Uschakow, der Agentur Interfax.
Zum Inhalt und dabei möglichen Perspektiven für Verhandlungen zwischen Russland und der Europäischen Union konnte er keine Angaben machen. Das Treffen fand demnach im Kreml in Moskau statt. Schröder soll Anfang der Woche bereits in einem Moskauer Hotel gesichtet worden sein.
Die Unterredungen von Putin und Schröder wurden kurz nach einer öffentlichen Fürsprache des Kremlchefs für den Ex-Bundeskanzler als Mittelsmann bekannt. Als Vermittler zwischen der EU und Russland kämen nur neutrale »Leute« infrage, »denen man vertrauen kann«, sagte Putin bei einem Treffen mit Vertretern internationaler Nachrichtenagenturen, darunter die dpa, im Konstantin-Palast in Sankt Petersburg. Dabei zeigte er sich »verwundert« dass sein Plädoyer für den Ex-Kanzler Schröder als Vermittler wild diskutiert worden sei in Deutschland.
Schröder als Vermittler gilt als unwahrscheinlich
Es gehe nicht darum, ob Schröder sein Freund sei oder nicht; der Ex-Kanzler sei ein Staatsmann, der für die Interessen Deutschlands eintrete und seine eigenen Positionen verteidige, sagte Putin bei dem Gespräch am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums. Wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine kritisierte er Deutschland und Europa als nicht neutral.
Die Benennung eines Unterhändlers durch die 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, der nicht zu einer Regierung gehört, gilt jedoch als sehr unwahrscheinlich. Das wurde bereits vergangene Woche bei einem informellen EU-Außenministertreffen auf Zypern deutlich. Dort warnte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas vor weiteren Diskussionen darüber: »Es ist eine Falle, in die Russland uns locken will.«
Kaja Kallas
Foto: Nicolas Tucat / AFPNeben Schröder waren von anderer Seite die frühere Kanzlerin Angela Merkel, der finnische Präsident Alexander Stubb sowie Ex-EZB-Chef Mario Draghi als mögliche Vermittler genannt worden.
Trotz zunehmender Kampfhandlungen im Ukrainekrieg geht man in der Bundesregierung davon aus, dass es in den nächsten Monaten zu Gesprächen mit Russland über ein Ende des Krieges kommen kann. »Langsam öffnet sich ein Fenster für Gespräche der europäischen Seite mit Russland«, hieß es aus Regierungskreisen. »Die harten Kämpfe der letzten Tage zeigen aber, es dürfte nicht Wochen, sondern Monate dauern.«
Wer die Gespräche für die Europäer führen könne, werde derzeit auf europäischer Seite diskutiert. Es müsse sich um ein möglichst handlungsfähiges Format handeln, das von den Europäern als möglichst legitim angesehen werde. »Es spricht einiges dafür, dass die E3 dabei weiter eine wichtige Rolle spielen werden.«
Als E3 werden Deutschland, Großbritannien und Frankreich bezeichnet. Am Sonntagabend wird es nach Angaben eines britischen Regierungssprechers Beratungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und des britischen Premiers Keir Starmer mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in London geben. Die E3-Gruppe war bereits im vergangenen Jahr über Gespräche mit den USA und der Ukraine an den Bemühungen um ein Ende des Krieges beteiligt.
Im Juni und Juli stehen zudem mehrere Gipfeltreffen an, bei denen das Thema eine Rolle spielen könnte. Übernächste Woche kommen zunächst die G7 der wirtschaftsstarken westlichen Demokratien und dann die EU auf Spitzenebene zusammen. Anfang Juli folgt der Nato-Gipfel in der Türkei.
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Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. In seiner Regierungszeit baute er gute Beziehungen zu Wladimir Putin auf, der seit 2000 Präsident der Russischen Föderation ist. Zum Ende von Schröders Amtszeit vereinbarte er mit Putin den Bau der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream unter Umgehung der Ukraine. Später wurde der Ex-Bundeskanzler zuerst Aufsichtsratschef der Nord Stream AG und im weiteren Verlauf auch des russischen Energiekonzerns Rosneft. Das brachte ihm den Ruf eines russischen Lobbyisten ein. Dennoch war der Altbundeskanzler zu Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im März 2022 auf Bitten Kyjiws kurzzeitig erfolglos als Vermittler tätig.
Ob der 82-Jährige gesundheitlich einer Vermittlerrolle gewachsen wäre, bleibt dabei im Unklaren. 2025 hatte er Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baues der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burn-out-Erkrankung abgesagt.
