SpOn 03.05.2026
12:36 Uhr

»Tatort« heute aus Zürich: »Könige der Nacht« im Schnellcheck


Ein mazedonischer Stricher wird misshandelt, eine äthiopische Pizzabotin gejagt: Dieser letzte »Tatort« vor der Sommerpause soll Partei für die Schwächsten ergreifen - vergrault aber durch etliche Plot-Pannen selbst die Wohlmeinendsten.

»Tatort« heute aus Zürich: »Könige der Nacht« im Schnellcheck

Das Szenario:

Zynisch, zynischer, Zürich. Ein Stricher aus Mazedonien wurde auf einer Party von Wohlstandssöhnchen so lange misshandelt, bis er an seinem Blut erstickte. Eine Pizzabotin aus Äthiopien, die in der Nacht eine Lieferung in die Wohnung brachte, wird nun von den Mördern verfolgt. Weil sie keine Papiere hat, kann sie nicht zur Polizei gehen. Die Ermittlerinnen Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Ott (Carol Schuler) sind ihr trotzdem bald auf den Fersen und versprechen Hilfe, die sie eigentlich gar nicht garantieren können.

Der Clou:

Clockwork-le Orange. Dieser Krimi wirkt streckenweise wie eine Schweizer Sparvariante von Stanley Kubricks Gewaltpanorama. Der später dingfest gemachte Täter führt sich samt Tanz und Verbeugung auf wie Kubricks Antiheld Malcolm McDowell anno 1971. Doch leider gelingt es nicht, den bizarren Aggro-Exzess mit dem beherzten Geflüchtetendrama zusammenzubringen, das dieser »Tatort« wohl vor allem sein soll. Menschenverachtung, Menschenliebe – im Dauerschlingerkurs geht dem Plot leider schnell die Puste aus.

Nambitha Ben-Mazwi als Geflüchtete Moya Alemu: Würdevoll trotz aller Zumutungen des Drehbuchs

Nambitha Ben-Mazwi als Geflüchtete Moya Alemu: Würdevoll trotz aller Zumutungen des Drehbuchs

Foto: Pascal Mora / SRF

Der Auftritt:

Nambitha Ben-Mazwi als Geflüchtete Moya Alemu. Die südafrikanische Schauspielerin, die in ihrer Heimat ein echter Fernsehstar ist, spielt sich würdevoll durch alle Zumutungen, die das harte Leben auf der Flucht bereithält – und zudem durch die Zumutungen des schlampigen Drehbuchs.

Das Bild:

Eine Leiche wie gemalt. Als der misshandelte tote Körper des Strichers aus einem Gewässer gezogen wird, sind die Beine grazil übereinandergeschlagen wie auf einem Renaissancegemälde.

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Die Bewertung:

3 von 10 Punkten. Dieser »Tatort« soll Partei für die Schwächsten ergreifen – und treibt mit seinem Holzschnitt-Dualismus zwischen Arm und Reich auch die Wohlmeinendsten in die Flucht. So wird dem Publikum der Abschied in die große Sommerpause leicht gemacht. Der nächste neue ARD-Sonntagskrimi läuft erst im September.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter !

»Tatort: Könige der Nacht«, Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste

Fotostrecke

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Foto: Markus Konvalin / BR