Welt 25.09.2026
06:57 Uhr

5000 Kilometer am Stück – diese neue Bahnstrecke verbindet jetzt ganz Europa


Zwei Kilometer, fast 40 Jahre Wartezeit: Eine neue Bahnstrecke zwischen Finnland und Schweden schließt Europas letzte Lücke im Schienenverkehr – mit Folgen für den ganzen Kontinent.

5000 Kilometer am Stück – diese neue Bahnstrecke verbindet jetzt ganz Europa

Rund zwei Kilometer trennen die finnische Stadt Tornio in Lappland (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/lappland/) und das schwedische Haparanda voneinander. Bisher konnte man die beiden Grenzorte in direkter Nachbarschaft nur zu Fuß oder mit dem Auto über eine Brücke erreichen. Es gab seit 1988 keine Zugverbindung für den Personenverkehr. 1992 gab die schwedische Staatsbahn SJ die Strecke komplett auf – und das, obwohl beide Städte sogar über einen Bahnhof verfügen. Doch das ändert sich nun – und damit der Zugverkehr in ganz Europa. Denn seit einigen Wochen rollen laut einem Bericht der französischen Nachrichtenagentur AFP wieder Züge mit Halt in Haparanda und anschließend weiter in Richtung Tornio und Oulu, der nördlichsten Großstadt in der Europäischen Union. Betrieben wird die Strecke von der finnischen Staatsbahn VR. Eine Reise von Oulu nach Haparanda dauert insgesamt eine Stunde und 40 Minuten und verbindet nach mehr als 30 Jahren endlich wieder den Personenverkehr zwischen Schweden (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/schweden-reisen/) und Finnland. Doch warum hat das so lange gedauert? Für 5,40 € von Oulu an die schwedische Grenze Bis 1988 verband ein Schienenbus im Pendelverkehr auf einer Nebenstrecke die beiden Grenzstädte miteinander, wie aus einem Bericht des finnischen öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders Yle (verlinkt auf https://yle.fi/a/74-20220038) hervorgeht. Doch die Schienenbusse wurden wartungsanfällig und mussten aus dem Verkehr genommen werden. Ebenso wurde der Erhalt der Strecke in den Achtzigerjahren zunehmend unattraktiv aus wirtschaftlicher Sicht. Immer mehr Finnen und Schweden in der Region waren nun im Besitz eines eigenen Autos. Dass es überhaupt eine Schienenbusverbindung gab, liegt an einer historischen Besonderheit (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/) . Zwischen 1809 und 1917 gehörte Finnland (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/finnland-reisen/) nämlich zum Russischen Kaiserreich – genau jene Zeit, in der im skandinavischen Land auch das Eisenbahnnetz errichtet wurde. Im Gegensatz zu Schweden, wo auf einer Spurweite von 1435 Millimetern, auch bekannt als Normalspur, gefahren wird, nutzen die Finnen die russische Spurweite von 1524 Millimetern. Ein finnischer Zug, der einfach weiter auf schwedischen Schienen rollen würde, würde schlichtweg entgleisen. Um das zu verhindern, müssen die Waggons umgespurt werden. Eine technische Notwendigkeit, deren Umsetzung eigentlich nur wenige Minuten in Anspruch nimmt, bisher aber nicht möglich war. Der Bahnhof in Haparanda konnte das allerdings nicht. Diesbezüglich wurde jetzt allerdings aufgerüstet. Damit wurde eine wichtige Weiche für die Zukunft gestellt, wie die finnische Verkehrsministerin Lulu Ranne gegenüber AFP bei der Eröffnung der Strecke am 10. August sagte: „Es geht um Sicherheit, es geht um die Zukunft, es geht um Wirtschaftlichkeit.“ Schließlich ist die neue Strecke der Schlüssel zu einer mehr als 5.000 Kilometer langen Zugroute, mit der Fahrgäste nun ohne Umwege, aber mit Umstiegen, von der portugiesischen Südküste (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/portugal-reisen/) aus bis nach Finnisch-Lappland reisen können. Vom Polarkreis bis an die Algarve: Unterwegs auf Europas längster Bahnstrecke Eine Option, die in Europa immer beliebter wird. Das kann die finnische Bahn bestätigen und verzeichnet laut CEO Elisa Markula ein gestiegenes Interesse: „Das Reisen mit der Bahn erlebt in ganz Europa eine Renaissance. Auch in Finnland steigen unsere Fahrgastzahlen deutlich an.“ Der kleine Streckenabschnitt hat den Weg für eine der längsten durchgehenden Zugreisen (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/bahnreisen/) Europas freigemacht. Eine rund 5.000 km lange Bahnstrecke, die sich von Kolari in Finnisch-Lappland – übrigens die nördlichste Großstadt der Europäischen Union – bis hinunter zur Algarve (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/algarve-urlaub/) in Portugal und dort bis nach Faro erstreckt. Das dauert insgesamt zwar mehr als 51 Stunden, also etwas mehr als zwei Tage, aber es ist möglich – und führt durch imposante Zwischenstationen wie Paris oder Rovaniemi. Damit eröffnet sich auch eine Alternative zur Fähre (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/faehren/) zwischen Helsinki und Stockholm über Land. Reisende können so etwa die übliche 18-stündige Überfahrt mit dem Schiff gegen eine etwas mehr als 24-stündige Zugfahrt auf gleicher Strecke eintauschen – und dabei eine tolle Landschaft an sich vorbeiziehen lassen. Vielleicht muss in Zukunft der Zug zwischen Schweden und Finnland auch nicht mehr umgespurt werden. Die finnische Regierung plant nämlich laut Yle (verlinkt auf https://yle.fi/a/74-20158077) parallel zum bereits existierenden Schienennetz in russischer Breitspur eine neue Route auf Normalspur zu bauen. Würdest du mit dem Zug von der portugiesischen Küste bis nach Lappland reisen? Schreib es uns gerne in die Kommentare! Sabine Winkler berichtet als freie Autorin für WELT regelmäßig über Familienthemen, Reisen und Popkultur. Zweimal im Monat erscheint montags ihr Newsletter „ Läuft bei uns – der Familien-Newsletter“ (verlinkt auf https://steady.page/de/laeuft-bei-uns-der-familien-newsletter/newsletter/sign_up) , in dem sie über ihr Leben als Mama schreibt.