Im Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen rät Wissenschaftler Mojib Latif dazu, nicht zu resignieren. „Angst ist kein guter Ratgeber“, so Latif in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der „Rheinischen Post“. Natürlich sei die Lage ernst, räumte der Experte ein. „Aber es gibt viele Möglichkeiten, auf die Folgen des Klimawandels zu reagieren und ihnen etwas entgegenzusetzen.“ Wirksame Maßnahmen sind bekannt Gerade beim Umgang mit Wasser, aber auch bei Hitze, gebe es ganz konkrete Maßnahmen wie etwa Entsiegelung, Begrünung, Regenwassernutzung oder eine klügere Gestaltung von Städten und Gebäuden. „Man muss dabei ehrlich sein: Wir können die Entwicklung nicht einfach zurückdrehen, weil Treibhausgase eben sehr lange in der Atmosphäre bleiben“, betonte Latif. „Aber genau deshalb ist es so wichtig, die Dinge aktiv in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Das Schlimmste wäre, in Fatalismus zu verfallen.“ Mit Blick auf den weltweiten Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen beklagte Latif, dass trotz beachtlicher Fortschritte in einzelnen Ländern bisher keine echte Trendwende gelungen sei. „Die globalen Emissionen steigen weiterhin“, so der Forscher. „Und weil sich Treibhausgase weltweit verteilen, ist das eben kein nationales, sondern ein globales Problem. Solange die Emissionen insgesamt nicht sinken, wird sich die Erderwärmung fortsetzen.“ Die Aussichten bezeichnete Latif vor diesem Hintergrund als „nicht gut“. Trotzdem lohne es sich, um jeden Fortschritt zu kämpfen. Es mache beispielsweise einen enormen Unterschied aus, „ob die Erwärmung bei etwas über zwei Grad endet oder deutlich darüber hinausgeht“. Extrem niedrige Wasserstände im Rhein könnten nach Einschätzung von Klimaforscher Latif künftig häufiger vorkommen. Dabei spiele nicht nur die aktuelle Trockenheit eine Rolle, sondern auch, dass in den Gebirgen immer weniger Schnee und Eis vorhanden sei, sagte er. „Normalerweise sorgt die Schneeschmelze im Sommer dafür, dass zusätzlich Wasser in die Flüsse gelangt. Wenn aber weniger Schnee fällt und Gletscher sich weiter zurückziehen, fällt dieser Ausgleich zunehmend weg“, so der Wissenschaftler. „Auch das trägt dazu bei, dass Niedrigwasser im Rhein häufiger und gravierender wird.“