Die Saison für Rundgänge auf der historischen Viermastbark hat gerade begonnen. Erstmals können Besucher nun eine neue Dauerausstellung auf dem Hauptdeck zur Information über die Geschichte des 1911 vom Stapel gelaufenen Stahlschiffes und des Salpeterhandels nutzen, um sich ganz in die Welt der letzten Frachtsegler zu versetzen. Die von Ursula Richenberger, Bildungsleiterin des Deutschen Hafenmuseum, eingerichtete Schau auf dem Hauptdeck verbindet den Kapitänssalon, die Offiziersmesse, die Pantry, die Kombüse und die nahezu komplett renovierten Mannschaftsquartiere. Einmal Valparaíso und zurück – ein halbes Jahr an Bord Mathias Kahl, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins „Freunde der Viermastbark ‚Peking‘“, erzählt von der abenteuerlichen Beschaffung der neuen, alten Ausrüstungsstücke für die Viermastbark, zu der er seit seiner Kindheit eine emotionale Verbindung hat. Sein Vater, der spätere Kapitän Karl Peter Kahl, begann im Mai 1928 im Alter von 15 Jahren als einer von 42 Kadetten seine Ausbildung auf dem Schiff der Reederei Laeisz, das regelmäßig Salpeter aus Chile nach Hamburg brachte und das für Hin- und Rückfahrt ein halbes Jahr benötigte. Sein Sohn freut sich bis heute über die ausführlichen Erzählungen seines Vaters aus jenen Tagen. Er selbst war als Kaufmann ebenfalls ein Berufsleben lang in der Seefahrt aktiv. „Das Schiff hatte drei verschiedene Typen von Rettungsbooten, allesamt Ruderboote“, weiß er zu berichten, „zwei große Holzboote, zwei kleinere Metallboote und die nach ihrem amerikanischen Konstrukteur sogenannten Francisboote, schlicht zusammengenietete Küstenrettungsboote, die vorn und hinten gleich aussehen und nur für kurze Strecken geeignet sind.“ Historisches Rettungsboot lag in Berlin beim Trödler Das Exemplar, das künftig geschützt auf dem Oberdeck der „Peking“ steht, ist ein Metallboot, das die Freunde der „Peking“ bei einem Trödler in Berlin auftrieben, „da lag es in einem Gebüsch. Es sah völlig anders aus, war zwischendurch zu einem Fischereiboot umgebaut worden, hatte eine wesentlich höhere Bordwand, die haben wir dann wieder abgeschnitten. Wir haben das wundervolle Boot dann auf der Feltz-Werft in Finkenwerder restaurieren lassen und als Förderverein insgesamt 45.000 Euro ausgegeben.“ Noch abenteuerlicher ist die Geschichte des Gnom-Motors. Der historische Einzylinder-Petroleum-Stationärmotor, der 1891 in der Motorenfabrik Oberursel entwickelt wurde und nur 2,5 Liter Petroleum in der Stunde benötigte. Er war für seine robuste, kompakte Bauweise bekannt, wurde oft als kleiner Helfer eingesetzt und fand Verwendung als Antrieb für Ladewinden auf Großseglern wie der „Peking“. Von diesem Motor gibt es in ganz Europa nur noch drei Exemplare. Der Gnom der „Peking“ steht nun vor Luke 2. Der Verein konnte ihn von einem Motorenhändler in Bingen am Rhein nicht etwa erwerben, denn die geforderten 80.000 Euro wären zu teuer gewesen, sondern eintauschen. Der Händler war an einem Einzylinder-MAN-Dieselmotor interessiert, der bei Hamburg Wasser in einer Ausstellung zu sehen war. Da das Unternehmen die Schau ohnehin gerade abbaute und die „Peking“ unterstützen wollte, durfte der Händler den drei Meter hohen Motor mitnehmen und ließ dafür den Gnom in Hamburg. Mittlerweile ist der Petroleummotor auf Elektrobetrieb umgebaut und läuft wieder wie geschmiert. Der Heckanker war ein Objekt, das bereits in Schuppen 50A im Hafenmuseum gelagert war. Als aufgearbeitetes Museumsstück legte das 1,2 Tonnen schwere Exemplar, das damit etwa die Hälfte des Bugankers wiegt, einen relativ kurzen Weg an Bord zurück, wo er künftig die Ausstattung komplettiert. Dort hat Carsten Jordan, Sammlungsleiter beim Deutschen Hafenmuseum, in den vergangenen Jahren die Restaurierung der Mannschafts- und Offizierquartiere vorangetrieben, die fast abgeschlossen ist. Der Kapitänssalon, die Offiziersmesse, Pantry und Kombüse (in der nur noch der Holz- und Kohleofen für 80 Personen mit einem Ofenrohr versehen werden muss) sowie ein Mannschaftsquartier für zwölf Kadetten können bereits besichtigt werden. Jordan musste fast die gesamte Ausrüstung der „Peking“ rekonstruieren, nur wenig war nach der bewegten Geschichte und unterschiedlichen Nutzungen durch die Jahrzehnte noch im Original vorhanden. „Der Kapitänssalon ist ein repräsentativer Jugendstilsalon. Er diente dazu, um Kunden zu treffen, Geschäfte zu machen oder auch, um Alkohol und Zigaretten an die Mannschaft zu verkaufen“, erzählt Jordan, „aber als wir anfingen, war bis auf ein paar Mahagonisäulen und zwei gusseiserne Füße vom Kapitänstisch nichts mehr vorhanden.“ Da es keine Baupläne oder Konstruktionszeichnungen mehr gab, beschritt der Sammlungsleiter des Deutschen Hafenmuseums zwei Wege. Zum einen orientierte er sich an historischen Fotos, zum anderen überprüfte er, was auf den historischen Schwesterschiffen, der „Passat“ und der „Pamir“ noch an Originaleinrichtung vorhanden war. „Da gab es noch einige Möbel aus dem Kartenhaus, und die haben wir dann nachgebaut für den Kartentisch, den Spind und das Kapitänssofa“, so Jordan. Heute erstrahlen die Räume in neuem Glanz und geben beredt Auskunft über das Leben vor mehr als hundert Jahren an Bord. Rundgänge auf der „Peking“ können auf der Website des Deutschen Hafenmuseums gebucht werden unter https://www.shmh.de/deutsches-hafenmuseum/rundgaenge-peking/ (verlinkt auf https://www.shmh.de/deutsches-hafenmuseum/rundgaenge-peking/)