Welt 10.09.2026
15:34 Uhr

Aufsichtsrat genehmigt nächsten Millionen-Aufschlag für Hamburgs Klärschlammverbrennung


Hamburg Wasser muss beim Großprojekt VERA II erneut nachkalkulieren. Der Aufsichtsrat billigte eine Kostensteigerung um 71,2 Millionen Euro auf insgesamt 396,4 Millionen Euro. Eine neue Schätzung für die Sanierung der Altanlage steht noch aus.

Aufsichtsrat genehmigt nächsten Millionen-Aufschlag für Hamburgs Klärschlammverbrennung

Der Ausbau der Klärschlammverbrennung auf dem Hamburger Klärwerk Köhlbrandhöft wird erneut teurer. Hamburg Wasser hat dem Aufsichtsrat am Donnerstag eine neue Kostenprognose für das Großprojekt VERA II vorgelegt – und dieser hat zugestimmt. Danach steigen die veranschlagten Kosten für den Erweiterungsbau um weitere 71,2 Millionen Euro. Die aktuelle Gesamtschätzung liegt nun bei 396,4 Millionen Euro. Bislang waren für Erweiterung und Sanierung 297,2 Millionen Euro vorgesehen. Gemeinsam mit weiteren Infrastrukturmaßnahmen für VERA II lagen die prognostizierten Gesamtkosten bisher bei rund 325 Millionen Euro. Hauptgrund für die erneute Steigerung sind nach Unternehmensangaben vor allem gestiegene Baukosten und eine vorsichtigere Risikokalkulation. Nach Angaben des Unternehmens entfallen 29,8 Millionen Euro auf zusätzliche Kosten, die bereits eingetreten oder absehbar sind. Weitere 14 Millionen Euro werden für Risiken mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent berücksichtigt. Hinzu kommen 27,4 Millionen Euro als zusätzliche Risikovorsorge nach den Vorgaben des Senats zum kostenstabilen Bauen. VERA ist die Klärschlammverbrennungsanlage von Hamburg Wasser auf dem Gelände des Klärwerks Köhlbrandhöft. Der Klärschlamm aus der Abwasserreinigung wird dort verbrannt und energetisch genutzt. Mit VERA II entsteht derzeit eine vierte Verbrennungslinie. Sie soll die notwendige Sanierung der bestehenden Anlage ermöglichen und zugleich zusätzliche Reserven schaffen. Erste Schätzungen für das Projekt lagen bei rund 149 Millionen Euro; in den vergangenen Jahren mussten die Kosten mehrfach nach oben korrigiert werden. Die vierte Verbrennungslinie muss nach Angaben von Hamburg Wasser gebaut werden, damit in der bestehenden Anlage Linien stillgelegt und saniert werden können. Nach ihrer Fertigstellung will Hamburg Wasser die Anlage gemeinsam mit dem Abwasserzweckverband Südholstein und den Entsorgungsbetrieben Lübeck betreiben. Die regionale Zusammenarbeit entsteht vor dem Hintergrund veränderter gesetzlicher Vorgaben. Die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm wird aus Boden- und Grundwasserschutzgründen immer stärker eingeschränkt, viele Kommunen müssen auf Verbrennung umsteigen. Leistungsfähige Anlagen werden damit zur knappen Infrastruktur. Aktuell werden etwa in Berlin und München neue Anlagen gebaut. Andere Versorger haben sich hingegen von ihren Plänen verabschiedet, selbst Klärschlammverbrennungsanlagen zu bauen – unter anderem wegen der hohen Kosten. Auch in Hamburg gab es derartige Diskussionen im politischen Raum. Hamburg Wasser hält jedoch unverändert an dem Vorhaben fest. Hamburg-Wasser-Geschäftsführer Martin Gerhardt, der das Unternehmen erst seit April führt, verweist darauf, dass die Alternativen begrenzt seien. Bei einem Ausfall der VERA – etwa für Wartungsarbeiten oder Reparaturen – bringt Hamburg Wasser den Klärschlamm in eine 115 Kilometer entfernte Anlage in Bremen. „Es ist immer noch günstiger, VERA II weiterzubauen, als wenn wir extern entsorgen müssten“, sagt Gerhardt. Deshalb sei es „immer noch die richtige Entscheidung, die Anlage fertig zu bauen“. Hamburg-Wasser-Geschäftsführer Martin Gerhardt, der das Unternehmen erst seit April führt, begründet die neue Kostenprognose mit einer umfassenden Überprüfung des Vorhabens. „Wir haben jeden Stein umgedreht“, sagte er. Mehr als 70 Risiken seien neu bewertet worden. Risiken mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von mindestens 50 Prozent seien nun direkt in die Kalkulation aufgenommen worden. Zudem richte sich das Unternehmen inzwischen an den Vorgaben des Senats zum kostenstabilen Bauen aus. Der Aufsichtsrat hatte bereits im vergangenen Jahr auf Initiative der Umweltbehörde eine intensivere Kontrolle des Projekts eingefordert. In der Folge wurden Projektorganisation, Governance- und Controllingstrukturen gemeinsam mit einer externen Unternehmensberatung überprüft und verbessert. Nach Darstellung des Unternehmens soll die aktuelle Kalkulation deshalb belastbarer sein als frühere Prognosen. Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne), in deren Verantwortungsbereich die Aufsicht von Hamburg Wasser fällt, sprach von einer „neuen Klarheit“ bei der Budgetierung des Projekts. „Wir brauchen in Zukunft von Anfang an bei allen großen Projekten in Hamburg solche realistischen Kostenprognosen, die auch Risikopuffer enthalten“, sagte Fegebank. Ganz abgeschlossen ist die Entwicklung allerdings nicht. Denn bisher ist nur das Teilprojekt des Erweiterungsbaus neu berechnet. Die Sanierung der Altanlage befindet sich noch in einem frühen Planungsstadium. Für diesen Teil des Projekts sind derzeit rund 81 Millionen Euro vorgesehen. Eine neue Kostenprognose soll im Sommer 2027 vorgelegt werden. Gemäß den Unterlagen für den Aufsichtsrat wird dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit von steigenden Kosten ausgegangen.