Deutschland und die Niederlande übernehmen voraussichtlich Mitte des Jahres eine Führungsrolle in der Nato-Verteidigungsplanung für Estland und Lettland. Das 1. Deutsch-Niederländische Korps (1GNC) solle als taktisches Hauptquartier Nato-Truppenteile und nationale Landstreitkräfte führen, die in den beiden baltischen Staaten stationiert seien, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung des deutschen und des niederländischen Verteidigungsministeriums vom Donnerstag. Der Schritt gehe auf eine Vereinbarung auf dem Nato-Gipfel im Jahr 2025 in Den Haag zurück. Die Nato wolle die neue Rolle des Korps „noch in diesem Sommer formalisieren“, hieß es weiter. Eine zusätzliche Stationierung deutscher Kampftruppen in Estland oder Lettland wurde in der Erklärung nicht angekündigt. Durch die neue Rolle des deutsch-niederländischen Korps entsteht demnach das zweite taktische Hauptquartier in der Region – neben dem bereits bestehenden Multinationalen Korps Nordost (MNC NE) mit Sitz im polnischen Stettin. Deutschland und die Niederlande demonstrierten damit „ihre Bereitschaft und ihre Fähigkeit, Verantwortung für die Abschreckung und die Verteidigung der Nato-Ostflanke zu übernehmen“, erklärten die Ministerien weiter. Die neue gemeinsame Führungsverantwortung stärke „den Zusammenhalt der Nato“ und unterstütze „die Abschreckung gegenüber Russland“. Korps wird bis zu 50.000 Soldaten befehligen Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erklärte, Deutschland und die Niederlande übernähmen mit der Einbindung des Korps in die Nato-Verteidigungspläne „weitere Verantwortung für die Sicherheit Europas“. Im Korpsstab arbeiteten 16 Nationen zusammen, in den unterstellten Verbänden dienten bereits deutsche und niederländische Soldaten nebeneinander. Das 1. Deutsch-Niederländische Korps mit Sitz in Münster kann nach Angaben der Ministerien im Frieden sowie im Krisen- oder Konfliktfall eine internationale Truppe von etwa 50.000 Soldaten befehligen. Deutschland baut an der Nato-Ostflanke bereits dauerhaft die Panzerbrigade 45 in Litauen auf. Sie soll bis Ende 2027 ihre volle Stärke von 4800 Soldaten und 200 zivilen Beschäftigten erreichen.