Welt 08.09.2026
15:18 Uhr

Hamburg und Asklepios einigen sich auf Klinik-Neubau


Nach jahrelangen Verzögerungen rückt der Neubau der Asklepios Klinik Altona näher. Das neue Krankenhaus für den Hamburger Westen soll bis 2035 entstehen. Hamburg übernimmt den Großteil der Baukosten. Die Gesamtsumme bleibt vorerst unter Verschluss.

Hamburg und Asklepios einigen sich auf Klinik-Neubau

Acht Jahre nach der Ankündigung eines Neubaus für die Asklepios Klinik Altona hat der Senat die entscheidenden Weichen für das Projekt gestellt. Nach einer Einigung mit dem Klinikbetreiber Asklepios über Finanzierung, Grundstücksfragen und das weitere Verfahren soll ab Oktober europaweit nach einem Generalunternehmer für den Ersatzneubau gesucht werden. Hamburg übernimmt 77 Prozent der Baukosten, Asklepios 23 Prozent. Wie hoch die Gesamtkosten ausfallen könnten, bleibt vorerst geheim. Zwar hätten beide Seiten eine konkrete Kostenvorstellung entwickelt, aufgrund des in Kürze beginnenden Vergabeverfahrens wolle man aber bewusst keine Zahl nennen. Die Klinik im Westen der Stadt versorgt nach Angaben von Asklepios jedes Jahr rund 90.000 Patienten. Knapp 30.000 Patienten werden stationär aufgenommen, rund 27.000 Rettungswagen fahren die Klinik jährlich an. „Kein Krankenhaus in Hamburg hat mehr Rettungswagenanfahrten“, sagte Asklepios-Chef Joachim Gemmel. Gesundheitssenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD) bezeichnete das Haus als Krankenhaus für „280.000 Menschen in dieser Stadt“. Der Neubau beschäftigt Politik und Klinikbetreiber seit Jahren. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte das Vorhaben bereits 2018 in seiner ersten Regierungserklärung angekündigt. Der ursprünglich für 2023 geplante Baubeginn verschob sich jedoch mehrfach. Die Corona-Pandemie verzögerte die Verhandlungen. Hinzu kamen stark gestiegene Baukosten, die Vorgaben der Krankenhausreform und Probleme mit dem Baugrund. Neubau soll elf Stockwerke haben Das ursprünglich geplante Baufeld lag direkt oberhalb eines Salzstocks. Bei weiteren Untersuchungen des Baugrunds wurden Erdfälle festgestellt, also Bereiche im Untergrund, die absacken. Deshalb wird auch die ursprünglich geplante Kubatur des Baus geändert. Senatorin Schlotzhauer (SPD) sprach von „sehr langen Verhandlungen“ unter schwierigen Bedingungen. Inzwischen habe man „Lösungen für Grundstücke und Infrastruktur gefunden“. Geplant ist ein elfgeschossiger Klinikneubau auf einem rund 36.000 Quadratmeter großen Grundstück nahe der Autobahnanschlussstelle Othmarschen. Dafür wird die Paul-Ehrlich-Straße verlegt. Das Gebäude soll rund 54.000 Quadratmeter Nutzfläche bieten. Vorgesehen sind 600 Betten, darunter 60 Intensivbetten, zwölf Operationssäle, fünf ambulante OP-Bereiche sowie ein Perinatalzentrum für Früh- und Risikogeburten. Die Fertigstellung ist für 2034 oder 2035 vorgesehen. Erste vorbereitende Arbeiten sollen bereits in diesem Herbst beginnen. Aus Sicht des Betreibers ist das heutige Haus trotz zahlreicher Modernisierungen nicht mehr auf die Anforderungen moderner Medizin ausgelegt. Das denkmalgeschützte Krankenhaushochhaus wurde Anfang der 1970er-Jahre eröffnet, ist 21 Stockwerke hoch und galt damals als eine der modernsten Kliniken Europas. Die Bettenstationen liegen überwiegend im Turm, Operationssäle, Diagnostik und andere Funktionsbereiche dagegen im Gebäudesockel. Für Untersuchungen und Eingriffe werden Patienten deshalb regelmäßig mit Aufzügen nach unten gebracht und anschließend wieder auf ihre Stationen zurücktransportiert. Eine Besonderheit des Projekts liegt zudem in den Eigentumsverhältnissen. Das Krankenhaus gehörte bis zur Privatisierung der städtischen Kliniken im Jahr 2005 der Stadt Hamburg. Bis heute hält die Stadt 25,1 Prozent der Anteile an Asklepios. Für den Neubau erhält der Klinikbetreiber das neue Grundstück in Erbpacht. Nach dem Umzug gehen das bisherige Klinikgelände mit rund 90.000 Quadratmetern Fläche sowie die denkmalgeschützten Bestandsgebäude wieder an die Stadt zurück. Diese Fragen waren Teil der nun erzielten Einigung. Was anschließend mit dem markanten Klinikhochhaus an der A7 geschieht, ist dagegen offen. Nach Angaben von Schlotzhauer gibt es bislang keine Festlegung für die spätere Nutzung. Zunächst muss die Bürgerschaft den Grundstücksregelungen zustimmen. Danach sollen Bezirk und Stadt über die Zukunft des Areals beraten. Im kommenden Jahr, genauer im Herbst 2027, sollen dann auch die Kosten feststehen und die Bürgerschaft über die Freigabe der Mittel entscheiden. Redakteurin Julia Witte genannt Vedder (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/julia-witte/) arbeitet in der Hamburg-Redaktion (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/hamburg/) von WELT und WELT AM SONNTAG. Seit 2011 berichtet sie über Hamburger Politik (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/hamburg-politik/) .