Welt 23.09.2026
14:21 Uhr

Hamburg zieht die Raumkostenbremse – Behörden müssen enger zusammenrücken


Steigende Mieten und ein Milliardenbudget für Büroflächen setzen Hamburg unter Druck. Der Senat will deshalb bis 2040 bis zu 20 Prozent seiner Behördenbüros abbauen. Feste Schreibtische werden seltener, Desk-Sharing häufiger.

Hamburg zieht die Raumkostenbremse – Behörden müssen enger zusammenrücken

Der Hamburger Senat verschärft seinen Sparkurs bei den Büroflächen der Verwaltung. Bis 2040 sollen Behörden, Ämter und Landesbetriebe 15 bis 20 Prozent weniger Bürofläche nutzen als heute. Nach Berechnungen der Finanzbehörde könnten dadurch 180.000 bis 250.000 Quadratmeter in Amtsstuben wegfallen. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) sprach davon, „kräftig die Raumkostenbremse betätigen“ zu müssen. Hintergrund sind die Sparmaßnahmen, mit denen Hamburg sein langfristiges Haushaltsdefizit reduzieren will. Die Stadt nutzt rund 5500 öffentliche Gebäude, zahlt eine Milliarde Euro Miete aus dem allgemeinen Kernhaushalt. Neben der hohen Gesamtsumme gibt es ein weiteres, drängendes Problem: Allein von 2024 auf 2025 sind die Mieten um 13 Prozent gestiegen. Ohne Gegenmaßnahmen, so der Senat, drohten der Stadt in den kommenden Jahren zusätzliche Kosten in zweistelliger Millionenhöhe. Die Stadt will deshalb ihre Bürostandorte konsequent durchforsten. Behörden sollen enger zusammenrücken, kleine Anmietungen aufgegeben und einzelne Mietverträge möglichst früh beendet werden. Wo Flächen frei werden, sollen sie nicht automatisch ersetzt werden. Für 1,24 Millionen Quadratmeter Büroflächen werden in den kommenden Jahren die Mietverträge auslaufen; diese geraten besonders in den Fokus. Möglich wird das aus Sicht des Senats durch veränderte Arbeitsgewohnheiten. Seit der Corona-Pandemie arbeiten viele Beschäftigte regelmäßig im Homeoffice. Deshalb sollen deutlich weniger Mitarbeiter einen festen Schreibtisch haben. Stattdessen setzt die Stadt auf Desk-Sharing, gemeinsam genutzte Arbeitsplätze sowie flexibel nutzbare Besprechungs- und Projekträume. Finanzsenator Dressel hält den Wandel für unumgänglich. Die Verwaltung müsse sparsamer mit ihren Flächen umgehen als bisher. „Die alte Amtsstube als Einzelbüro wird immer mehr der Vergangenheit angehören.“ Dass die Entwicklung bereits begonnen hat, zeigen mehrere Projekte der vergangenen Jahre. Bei neuen Behördenstandorten werden deutlich weniger Quadratmeter pro Beschäftigtem eingeplant als früher üblich. Die Flächenvorgabe sank von 32 auf aktuell 24 Quadratmeter. Vereinzelt konnte die Finanzbehörde sogar schon erreichen, dass in neuen Büros nur noch 21 Quadratmeter pro Beschäftigtem angemietet werden. „Perspektivisch möchte ich diesen Richtwert auf mindestens 20 Quadratmeter je Mitarbeiter weiter absenken“, so Dressel. Stärkere Kontrolle soll Einsparungen voranbringen Doch schon die Vorgabe der 24 Quadratmeter werde nicht von allen Behörden und Ämtern konsequent genug eingehalten, wie aus einer Drucksache hervorgeht, die der Senat in dieser Woche verabschiedet hat. Deshalb soll die Kontrolle verstärkt werden. Sechs Beamte, die die sogenannte „Raumkostenbremse“ bisher als Projekt innerhalb der Finanzbehörde verantwortet haben, sollen die Aufgabe nun als feste Stelle übernehmen. Die Kosten – im Jahr 2028 etwa werden es 777.000 Euro für das Personal sein – refinanzierten „sich durch geplante Einsparungen kurzfristig“. Der Druck auf die Stadt hat auch historische Ursachen. In den 2000er-Jahren verkaufte Hamburg zahlreiche Verwaltungsgebäude an private Investoren und mietete viele davon anschließend zurück. Zwar wurden einige wichtige Immobilien inzwischen wieder in städtisches Eigentum überführt. Die Stadt nutzt aber weiterhin zahlreiche Gebäude, die ihr nicht gehören. Gleichzeitig laufen in den kommenden Jahren weitere Mietverträge aus, während die Mieten auf dem Büromarkt deutlich gestiegen sind. Der Senat versucht deshalb seit Jahren, den Flächenbedarf der Verwaltung zu verringern. Mit dem aktuellen Beschluss wird dieser Kurs nun deutlich verschärft. Erstmals gibt die Stadt das konkrete Ziel aus, ihren Büroflächenbestand bis 2040 um bis zu ein Fünftel zu verkleinern. Redakteurin Julia Witte genannt Vedder (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/julia-witte/) arbeitet in der Hamburg-Redaktion (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/hamburg/) von WELT und WELT AM SONNTAG. Seit 2011 berichtet sie über Hamburger Politik (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/hamburg-politik/) . Sie ist Co-Vorsitzende der Landespressekonferenz Hamburg, dem Verein der Landespolitikjournalisten.