Welt 28.09.2026
09:37 Uhr

Jetzt schießen die Banden schon direkt vor Berliner Polizeiwachen aufeinander


Vor einem Polizeiabschnitt in Berlin-Moabit traf ein Schuss einen Mann ins Bein. WELT-Informationen zufolge prüfen Ermittler einen Zusammenhang mit rivalisierenden türkischen Gruppen.

Jetzt schießen die Banden schon direkt vor Berliner Polizeiwachen aufeinander

Die Schusswaffengewalt in Berlin eskaliert weiter. Gegen 2 Uhr morgens fielen unmittelbar vor dem Polizeiabschnitt 27 an der Perleberger Straße in Moabit Schüsse auf einen Mann. Nach WELT-Informationen könnte die Attacke in der Nacht zu Montag im Zusammenhang mit einer zuvor eskalierten Auseinandersetzung rivalisierender türkischer Gruppen in Wedding stehen. Die Schüsse trafen das Opfer am Bein. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen verfehlte das Projektil eine Arterie dabei nur knapp. Ein weiterer Schuss traf eine geparkte Mercedes-E-Klasse in Höhe der Hausnummer 9 – direkt gegenüber dem Eingang des Polizeiabschnitts. Polizisten konnten mindestens ein Projektil am Tatort sichern. Wie viele Schüsse insgesamt abgegeben wurden, ist unklar. Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Täter aus einem älteren grauen Pkw heraus mehrfach geschossen haben. Ein Drive-by-Shooting direkt vor dem Polizeiabschnitt? Es wäre eine neue Eskalation im Berliner Bandenkrieg. Nach den Schüssen brachte der Bruder des Verletzten den Mann zum wenige Meter entfernten Polizeiabschnitt 27. Erst dann bemerkten die Beamten, was da gerade vor ihrer Tür eigentlich passiert ist. Anschließend wurde der Verletzte unter Polizeibegleitung in eine Notaufnahme gebracht. Dort musste er operiert werden. Vor dem Polizeiabschnitt fanden die Ermittler eine etwa 50 Meter lange Blutspur sowie mehrere größere Blutlachen. Die gegenüberliegende Straßenseite wurde weiträumig abgesperrt. Kriminaltechniker sicherten bis in die Morgenstunden zahlreiche Spuren. Berlin: Schüsse in Anwesenheit der Polizei Aus Ermittlerkreisen erfuhr WELT, dass als möglicher Auslöser der späteren Schüsse eine bereits am Sonntagabend eskalierte Auseinandersetzung vor dem Café und der Bar „Lambo“ in der Torfstraße in Wedding gilt. Dort sollen mehrere Dutzend Personen kurz vor acht Uhr aus dem Umfeld türkischer Gruppierungen aufeinandergetroffen sein. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde dabei mindestens eine Person durch einen Messerstich schwer verletzt. Zudem soll ein Beteiligter zahlreiche Schüsse, vermutlich mit einer Schreckschusswaffe, abgegeben haben. Die Schussabgaben sollen teilweise noch erfolgt sein, obwohl Polizisten bereits in der Nähe waren. Die Ermittler prüfen nun, ob die Schüsse vor dem Polizeiabschnitt 27 Teil derselben Auseinandersetzung waren oder eine spätere Vergeltungsaktion im Zuge des Konflikts. Polizeisprecher Stefan Petersen sagte am frühen Montagmorgen am Tatort: „Wir sind hier in der Perleberger Straße in Moabit, hier vor einem Polizeiabschnitt. Da kam es um kurz nach zwei auf der gegenüberliegenden Seite aus einem fahrenden Auto heraus zu Schüssen auf eine Person. Die Person ist getroffen worden, befindet sich jetzt im Krankenhaus mit Verletzung am Bein und wird operiert.“ Kriminalität in Berlin: „Dimension, die niemand mehr schönreden kann“ Besonders brisant erscheint dabei der Tatort. Die Schüsse fielen praktisch direkt vor dem Polizeiabschnitt 27. Petersen sagte dazu: „Die Tat ist hier vor dem Polizeiabschnitt passiert. Deswegen waren die Kräfte auch relativ schnell bei dem Mann und konnten ihn erst versorgen.“ Offen ist bislang die genaue Zahl der abgegebenen Schüsse. „Es soll geschossen worden sein, aus einem Fahrzeug heraus. Wie viele Schüsse, kann ich im Moment nicht sagen“, erklärte der Polizeisprecher. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerte sich. GdP-Landeschef Stephan Weh sagte: „Die fortschreitende Entwicklung ist besorgniserregend. Dass hier jemand einen Menschen direkt vor einem Polizeiabschnitt skrupellos niederschießt, zeigt eine Dimension, die niemand mehr schönreden kann.“ Weh warnte vor einer zunehmenden Bewaffnung krimineller Milieus: „Wir haben eine Durchbewaffnung der Szene, international agierende Banden sehen Berlin als Biotop, in welchem man mit Waffengewalt Geschäftsfelder neu ausloten kann.“ Der Gewerkschafter fordert mehr Personal, bessere technische Ausstattung und schärfere Gesetze gegen den Umgang mit illegalen Waffen. Gegenstand der Ermittlungen ist außerdem die Frage, weshalb sich der Mann unmittelbar vor dem Polizeiabschnitt aufhielt. Wir sind das WELT-Investigativteam: Sie haben Hinweise für uns? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich – per E-Mail (verlinkt auf mailto:investigativ@welt.de) oder über den verschlüsselten Messenger Threema (8SNK792J).