Knapp drei Monate nach Beginn des Iran-Kriegs ist nach Einschätzung von Hapag-Lloyd bei den Problemen der Schifffahrt in der Region kein Ende in Sicht. „Alternative Routen, hohe Energiepreise und bestehende Einschränkungen werden auch in den kommenden Quartalen zu überdurchschnittlich hohen Transportkosten führen“, sagte Konzernschef Rolf Habben Jansen am Mittwoch auf der virtuellen Hauptversammlung der fünftgrößten Containerreederei weltweit. Die Dauer und die Auswirkungen der Konflikte in Nahost auf Frachtraten, Nachfrage und Kosten blieben ungewiss. Hapag-Lloyd bekam die Folgen der Seeblockaden bereits im ersten Quartal zu spüren und rutschte – auch wegen anderer Faktoren wie Unwetter – beim Ebit in die roten Zahlen. Deutschlands größte Containerreederei hat wie praktisch alle großen Wettbewerber mit Blockaden der Schifffahrt im Nahen Osten zu kämpfen. Der Suezkanal wird wegen drohender Angriffe von Huthi-Rebellen aus dem Jemen bereits seit längerem gemieden. Mit Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar kam noch die Blockade der Straße von Hormus hinzu. Die Reedereien schicken ihre Schiffe auf lange Umwege, was die Kosten in die Höhe treibt. „Etwa fünf Prozent unseres weltweiten Gesamtvolumens laufen durch die Straße von Hormus“, sagte Habben Jansen. Damit macht die Route für die Hamburger Reederei mit ihren gut 300 Schiffen einen kleineren Teil des operativen Geschäfts aus. Aber die Störungen belasten den Betrieb, das Unternehmen arbeitet weiter im Krisenmodus – nicht zuletzt wegen mehrerer Schiffe, die im Golf festsitzen. Inzwischen sei es aber gelungen, die operativen Abläufe zu stabilisieren, sagte der Hapag-Lloyd-Chef. Die meisten Containerrückstände seien mittlerweile abgebaut, und Häfen in der Region seien wieder in Betrieb. Die zunächst ausgesetzten Hapag-Lloyd-Buchungen für die obere Golfregion seien im Mai wieder aufgenommen worden. Dies sei möglich, weil auf Transporte über Land sowie durch Zubringerdienste ausgewichen werde.