Welt 03.09.2026
15:01 Uhr

Nord-Stream-Prozess beginnt im Oktober – Anklage auch wegen Kriegsverbrechen


Am Hanseatischen Oberlandesgericht steht ab Oktober ein Ukrainer als mutmaßlicher Nord-Stream-Saboteur vor Gericht. Es soll 16 Prozesstermine geben.

Nord-Stream-Prozess beginnt im Oktober – Anklage auch wegen Kriegsverbrechen

Der Prozess um die Anschläge auf die Nord-Stream-Gasleitungen (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/nord-stream/) soll am 14. Oktober am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg beginnen. Das Gericht habe die Anklage gegen den ukrainischen Staatsangehörigen Serhii. K. zur Hauptverhandlung zugelassen, teilte eine Gerichtssprecherin mit. Es seien 16 Prozesstermine bis zum 17. Dezember bestimmt worden. „Der Staatsschutzsenat ist nach vorläufiger Tatbewertung zu dem Schluss gekommen, dass der Angeklagte des Kriegsverbrechens des Einsatzes verbotener Methoden der Kriegsführung durch Angriff gegen zivile Objekte, des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, der Zerstörung von Bauwerken sowie der Störung öffentlicher Betriebe nach den Ergebnissen des vorbereitenden Verfahrens als Mittäter hinreichend verdächtig erscheint“, teilte die Sprecherin weiter mit. Die Gruppe um Serhii K. soll im September ‌2022 nahe der dänischen ⁠Insel Bornholm ‌Sprengsätze an ​den Gasleitungen „Nord Stream ⁠1“ und „Nord Stream 2“ platziert haben. Die ‌Sprengsätze detonierten ​am 26. September 2022 und verursachten schwere Schäden ‌an ‌beiden Pipelines. Die deutsche Bundesanwaltschaft hatte im Juli bekannt gegeben, dass die Ermittler davon ausgingen, dass die Pläne für die Anschläge im Auftrag staatlicher Stellen in der Ukraine entwickelt wurden. Die Sabotageaktion sollte demnach Gaslieferungen über die Pipelines dauerhaft stoppen, damit Russland die Einnahmen nicht zur Finanzierung des Ukrainekriegs nutzen kann. Der ukrainische Präsident dementiert das. (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6a8bd23ec3692834ff6da95c/anschlag-auf-pipelines-niemals-offiziell-an-irgendeiner-operation-beteiligt-selenskyj-weist-nord-stream-vorwuerfe-zurueck.html) Kiew habe sich „niemals offiziell an irgendeiner Operation beteiligt, die mit der Sprengung von Nord Stream zu tun hatte“, sagte Selenskyj. Deutschland wisse „sehr genau, dass die Ukraine weder hinter der Ausführung noch hinter der Konzeption dieser Operation stand“. Kiew unterstütze die Behörden in Deutschland bei deren Ermittlungen und hoffe, dass diese keinen Bruch in den Beziehungen verursachen würden.