Die norddeutschen Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein dringen gemeinsam auf eine eigene Strompreiszone im Norden. Verbraucher und Unternehmen sollen nach dem Willen der beiden Landesregierungen stärker von dem günstigen Windstrom profitieren, der in Norddeutschland erzeugt wird. Auch die Akzeptanz neuer Windkraftanlagen könnte dadurch steigen. „Wir beide unterstützen eine Strompreiszone im Norden“, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach der gemeinsamen Kabinettssitzung beider Länder im Hamburger Rathaus. Eine solche Lösung sei „marktgerechter“ und würde „Synergien im Sinne der Energiewende“ schaffen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) verwies darauf, dass sein Land mittlerweile Windstrom in einer Größenordnung von zehn Gigawatt erzeugt. Das entspricht der Leistung von zehn Kernkraftwerken. Hintergrund der Forderung der beiden Länder ist die bisherige bundesweite Strompreiszone. Der günstige Windstrom aus dem Norden geht dabei in einem gemeinsamen Marktpreis auf, in den auch teurere Erzeugungsarten einfließen. Windstrom an Land werde inzwischen für vier bis sechs Cent pro Kilowattstunde produziert, sagte Günther. Strom aus Kohlekraftwerken kostet in der Erzeugung dagegen ein Vielfaches davon. Nach Vorstellung der beiden Regierungschefs soll sich dieser Kostenvorteil künftig stärker im Strompreis niederschlagen. Eine eigene Strompreiszone für den Norden soll dazu führen, dass Regionen mit besonders viel günstigem Strom stärker von diesem Vorteil profitieren. Günther verbindet damit auch Hoffnungen auf mehr Akzeptanz für den weiteren Ausbau der Windkraft. „Wenn man wüsste, dass eine Windkraftanlage dazu führt, dass man weniger für den Strom bezahlt – und nicht teilweise mehr, so wie es im Moment der Fall ist – gäbe es noch einmal einen ganz anderen Run auf erneuerbare Energien.“ Doch gerade hier sehen Hamburg und Schleswig-Holstein ein weiteres Problem: Der regenerative Strom, der im Norden produziert wird, gelangt vielerorts nicht schnell genug dorthin, wo er benötigt wird. Deshalb vereinbarten beide Länder eine gemeinsame Arbeitsgruppe. Sie soll Wege finden, wie mehr Strom aus Schleswig-Holstein nach Hamburg gelangen kann. Während das Flächenland immer mehr erneuerbare Energie produziert, steigt der Bedarf in der Großstadt durch Industrie, Rechenzentren, Elektromobilität und Wärmepumpen kontinuierlich an. Dafür wollen beide Länder zunächst ein gemeinsames Lagebild der Stromnetze erstellen und Engpässe identifizieren. Ziel ist es, bestehende Netze besser miteinander zu verzahnen und zusätzliche Kapazitäten dort zu schaffen, wo sie benötigt werden. Tschentscher übte dabei deutliche Kritik am Bund. Die Bundesregierung habe sich lange auf den Ausbau der großen Nord-Süd-Stromtrassen konzentriert und dabei andere Engpässe aus dem Blick verloren. „Wir planen an der technischen Realität vorbei“, sagte der Bürgermeister. Für Hamburg werde die Situation zunehmend „zu einem Risiko für die Energiewende und zu einem Risiko für den Klimaschutz“. Beide Länder planen deshalb künftig, enger zusammenzuarbeiten und gemeinsam Druck auf Netzbetreiber und Bund auszuüben, um den Strom aus dem Norden schneller zu den Verbrauchern und Unternehmen zu bringen.