Welt 19.05.2026
14:53 Uhr

„Olga“ im Zeugenstand – Wird Christina Blocks einstige Vertraute zur Schlüsselfigur?


Am Mittwoch wird es spannend im Block-Prozess: Erstmals soll Keren T. – lange nur als „Olga“ bekannt – persönlich vor Gericht aussagen. Die Israelin hatte einst ein besonderes Verhältnis zur Hauptangeklagten.

„Olga“ im Zeugenstand – Wird Christina Blocks einstige Vertraute zur Schlüsselfigur?

Am Mittwoch (20. Mai) steht im Prozess wegen Kindesentziehung gegen Christina Block und weitere Angeklagte ein Termin an, der das Verfahren in eine neue Phase bringen könnte: Erstmals soll eine israelische Zeugin aussagen, die im Komplex lange nur unter dem Namen „Olga“ kursierte – bürgerlich: Keren T.. Nach Angaben des Gerichts wird damit gerechnet, dass sie persönlich im Gericht erscheint. Keren T. gilt als eine der möglichen Schlüsselfiguren aus dem Umfeld der israelischen Sicherheitsleute, die Rückholaktion der Kinder in der Silvesternacht 2023/24 organisiert und durchgeführt haben sollen. Besonders ist ihre Rolle aber wegen ihrer früheren besonderen Nähe zur Hauptangeklagten. Christina Block hatte „Olga“ in ihrer Einlassung als eine Art Vertraute beschrieben, als jemanden, der „immer für mich da“ gewesen sei. Sie habe bei ihr „ausheulen“ können, sagte Block – und stellte die Beziehung als emotionalen Beistand dar, nicht als Teil einer Tatplanung. „Mir ging es um Beistand“, erklärte sie im vergangenen Sommer im Gerichtssaal. Genau diese Nähe ist es, die für die Anklage eine andere Lesart nahelegt. Denn nach Darstellung der Ermittler gehörte „Olga“ nicht bloß zum Umfeld, sondern zum Kern der Gruppe um den mutmaßlichen Organisator David Barkay – und soll dort eine zentrale Rolle gespielt haben. Damit steht am Mittwoch die Frage im Raum, ob „Olga“ tatsächlich nur tröstete – oder zugleich als Verbindung zwischen Christina Block und den israelischen Akteuren fungierte. Was Christina Block vor Gericht über „Olga“ sagte Die Verteidigungslinie der Hauptangeklagten ist seit Prozessbeginn klar: Christina Block bestreitet, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder aus Dänemark beauftragt zu haben. Sie schildert sich vielmehr als Opfer einer Eigendynamik: Eine israelische Firma sei ursprünglich für Sicherheits- beziehungsweise Cybersicherheitsfragen im Umfeld des familieneigenen Hotels engagiert worden; die eigentliche Rückholaktion habe die Gruppe dann „auf eigene Faust“ durchgeführt. In dieser Erzählung spielt „Olga“ die Rolle der nahbaren, interessierten Begleiterin. Block beschrieb, „Olga“ habe sich ihr gegenüber „wie eine Freundin“ verhalten, sie habe ihr vertraut. Damit wird die Beziehung zu Keren T. in Blocks Darstellung zum psychologischen Schlüssel: Wer ihr glaubt, kann die Nähe als Teil einer Manipulation verstehen – wer ihr nicht glaubt, sieht darin eher das Indiz einer engen Abstimmung. (verlinkt auf https://hamburg.t-online.de/region/hamburg/id_101080556/hamburg-christina-block-vor-gericht-vertraute-olga-wurde-befragt.html) Gerade deshalb dürfte die Aussage von Keren T. im Saal mehr sein als eine weitere Zeugenaussage. Sie könnte unmittelbar auf den Kern zielen: Wer wusste was – und wann? Die Rolle der Israelis: „Team“, Logistik, Übergabe Unstrittig ist, dass in dem Komplex mehrere Israelis eine zentrale Rolle spielen. In einer internen Zusammenfassung früherer Aussagen wird geschildert, die Anklage gehe davon aus, dass Christina Block den Chef einer israelischen Sicherheitsfirma, David Barkay, beauftragt habe; Barkay belaste Block in seinen Angaben. Dort heißt es, der Plan sei gewesen, die Kinder in der Silvesternacht 2023/24 vom Vater Stephan Hensel in Dänemark zu entführen und nach Deutschland zu bringen; Barkay habe dafür nach Leuten gesucht, die den Kindsvater „überwältigen“ und „für einige Sekunden in Schach halten“ könnten – „ohne ihn zu verletzen“. Besonders relevant für den Prozesstag ist ein Detail, das Keren T. direkt betrifft: Nach dieser Darstellung wartete Barkay während der Entführung mit seiner Mitarbeiterin Keren T. in einem Wohnmobil „am Waldrand“, während andere die Kinder zum Fahrzeug brachten. Als die Kinder in den Van gebracht worden seien, habe es zudem vorbereitete persönliche Dinge gegeben; Barkay soll gesagt haben, Christina Block habe Kleidung in einer „hermetisch abgeschlossenen Plastiktüte“ vorbereitet. Weiter wird Barkay mit dem Satz zitiert: Es sei wichtig gewesen, dass die Kinder verstanden hätten, man handle „im Auftrag von Christina“. Treffen mit der Staatsanwaltschaft Bislang war Keren T. für das Gericht vor allem eine Figur aus der Akte – und aus den Erzählungen anderer. Im Januar 2026 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Keren T. bereits vernommen hatte; die Befragungen hätten am 8. und am 12. Januar stattgefunden, ein Protokoll habe damals noch nicht vorgelegen. Der Frau sei dafür, wie den anderen Israelis auch, „freies Geleit“ zugesagt worden. Alle müssen mit einem gesonderten Verfahren rechnen; ihre Aussagen sind deswegen jedenfalls für die Block-Verteidigung von einem eigenen Interesse geleitet und unglaubwürdig. Sollte Keren T. nun im Gerichtssaal aussagen, könnte die Kammer nicht nur ein schriftliches Protokoll verwerten, sondern die Zeugin unmittelbar befragen – inklusive der entscheidenden Punkte, die bislang umstritten sind: Wie kam der Kontakt zwischen Christina Block und den Israelis zustande? Welche Gespräche gab es in der Zeit der Vorbereitung? Was wusste „Olga“ über Auftrag, Ziel und Ablauf? Und welche Rolle spielte sie selbst – als Mitarbeiterin, Organisatorin, Begleiterin oder Bindeglied.