Welt 31.05.2026
11:27 Uhr

„Russlands Flagge ist ein Symbol des Terrors“


Die Ukrainerin Oleksandra Oliynykova ist eine der besten Tennisspielerinnen ihres Landes. Abseits des Platzes sorgt sie mit klaren Statements gegen den Krieg in ihrer Heimat und den Aggressor Russland für Aufsehen – insbesondere in diesem Interview.

„Russlands Flagge ist ein Symbol des Terrors“

Wohl keine Sportlerin erhebt ihre Stimme stärker und deutlicher für den Kampf der Ukraine gegen Russland als sie: Oleksandra Oliynykova. Die Tennisspielerin spendet einen Teil ihrer Preisgelder für die Armee und nutzt ihre Plattform, um dafür zu sorgen, dass der Krieg in ihrer Heimat nicht vergessen wird. Vor dem 5:7, 1:6 gegen die Russin Diana Schnaider (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/tennis/article6a1afc57411d40cd4c74cc40/french-open-kein-handshake-security-kriegserinnerungen-wenn-eine-ukrainerin-gegen-eine-russin-spielen-muss.html) in der dritten Runde der French Open sprach WELT mit der Nummer 65 der Weltrangliste. Frage: Sie haben russische und belarussische Profis namentlich als Unterstützer des Krieges und der Herrscher Putin (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6a1952e4914c87cfaf077578/russland-brisantes-papier-geleakt-putins-ukraine-krieg-verursacht-enorme-mehrkosten.html) und Lukaschenko benannt. Oleksandra Oliynykova: Ich kenne tatsächlich keinen einzigen russischen, belarussischen oder ex-russischen Profi, der klar sagt: „Ich verurteile die russische Aggression. (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/ukraine-krise/) Ich verurteile die Taten von Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko. Ich verurteile die Kriegsverbrechen. Ich unterstütze die Ukraine.“ Dazu kommt: Sie setzen aktiv Zeichen für ihre Regime, wie Aryna Sabalenka, Polina Kudermetova, Karen Khachanov, Anastasia Gasanova. Das ist eine lange Liste. Frage: Die Frauentennis-Organisation WTA wollte Sie dafür bestrafen, dass Sie namentlich Kolleginnen angegangen sind. Oliynykova: Wenn die WTA eine Wohlfühloase will, (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/tennis/) ist das nicht möglich, wenn man die Augen verschließt vor dem Fakt, dass der Krieg unterstützt wird. Ich verstehe, dass das für die WTA nicht komfortabel ist. Aber wir müssen einen Weg finden, darüber reden zu können. Das versuche ich derzeit. Frage: Wurden Sie bestraft? Oliynykova: Ja, ich musste mehrere tausend Dollar zahlen. Von 60.000 Dollar war anfangs die Rede, aber so viel war es dann nicht. Ich erwarte von der WTA, dass sie ihre Kommunikation mit einigen Spielerinnen ändert und verlangt, dass sie ihre Aktionen klar verurteilen. Die WTA ist eine Plattform, die auch ihnen Aufmerksamkeit gibt. Diese Mädels sind berühmt, haben Fans in Russland, und die haben sie aufgrund der Möglichkeiten, die ihnen die WTA bietet. Die WTA darf keine Chance bieten, den Krieg zu bewerben. (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/tennis/article6a13f55d350a34b38da8313c/french-open-russische-rakete-schlaegt-100-meter-vom-elternhaus-ein-ukrainerin-in-traenen.html) Sie kommen her und nutzen ihre Popularität, um den Krieg zu normalisieren. Die WTA darf nicht akzeptieren, dass ihre Plattform dafür genutzt wird. Frage: Das IOC erlaubt, dass russische Sportler wieder unter ihrer Flagge und mit ihrer Hymne antreten dürfen. Was halten Sie davon? Oliynykova: Das ist fürchterlich! Die Welt sollte nicht vergessen, welche Verbrechen unter dieser Flagge verübt werden. Sie kommen in unsere Städte, töten Menschen und hissen dann an dieser Stelle ihre Fahne. Sie foltern Kriegsgefangene, während sie dabei die russische Nationalhymne abspielen. Das sind Zeichen eines Angriffskriegs eines autokratischen Staates, der aggressiv gegen die Ukraine ist und auch gegenüber ganz Europa. Ihre Propaganda sagt klar: Nachdem die Ukraine zerstört ist, wollen sie Polen, Estland, Lettland und Litauen angreifen. Das sollten wir nicht ignorieren. Das ist grausam. Russlands Flagge und Hymne sollten überall verbannt sein. Das sind keine nationalen Symbole, das sind Symbole des Terrors. Frage: Seit Kriegsausbruch geben Ukrainer Russen nach dem Match nicht mehr die Hand. Die Ausnahme ist Daria Kasatkina, seit sie Australierin ist. Warum wird den anderen Profis, die die russische Nationalität ablegten, der Handschlag weiter verweigert? Oliynykova: Sehr interessante Frage. Für mich ist das Prinzip, die Aggression zu verurteilen. Die Person muss sagen: „Ich verurteile die russische Aggression.“ Es geht nicht um: „Ich bin gegen den Krieg.“ Das kann alles bedeuten. Das kann heißen: Lass uns die Ukraine liquidieren, dann hört der Krieg auf. Für mich hieße das, ich hätte meine Heimat verloren, die Menschen, die ich liebe, und ich könnte nicht mehr in meinem Land leben. Das wäre schrecklich. Wenn du sagst, du bist gegen den Krieg, benennst aber nicht den Aggressor, ist das nicht dasselbe, was es für Briten, Deutsche oder Franzosen bedeutet. Denn in demokratischen Ländern heißt, gegen Krieg zu sein, internationales Recht zu respektieren. Aber die Leute in Russland sind nicht ehrlich. Frage: Warum aber ist Kasatkina ausgenommen? Weil sie lesbisch ist und in Russland viele Probleme hätte? Oliynykova: Das ist wirklich interessant. Denn ich gebe auch Kasatkina nicht die Hand. Ich habe von ihr nie gehört, dass sie diesen Krieg verurteilt. Wenn du lesbisch bist und weißt, dass du kein normales Leben in deinem Land führen kannst, warum kannst du dann nicht klar das Regime verurteilen, das dir quasi die Möglichkeit entzieht, in deinem eigenen Land zu leben? Frage: Nach dem Kriegsausbruch 2022 sagte Aryna Sabalenk (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/tennis/french-open/article6a17f004fc909a07c21442d1/french-open-tennis-superstar-sabalenka-traegt-bei-match-schmuck-im-wert-von-86-000-euro.html) a auf die Frage, wie sie zum Krieg stehe, dass sie ihn beenden würde, wenn sie könnte, und dass sie Lukaschenko derzeit nicht unterstützen könnte. Oliynykova: Warum hat sie nicht ihre Unterschrift zurückgezogen, die sie 2020 unter einen Aufruf von Lukaschenko gesetzt hat? Sie ist die berühmteste Belarussin der Welt. Jemand mit so viel Einfluss tut nicht das Geringste, die Ukrainer zu unterstützen, indem sie Lukaschenko verurteilt. Sie bekommt Glückwünsche von ihm, wenn sie gewinnt. Sie lügt! Sie ist so viel mehr respektiert in der westlichen Welt als Lukaschenko. Sie könnte so viel für den Frieden tun und die Menschen in ihrem Land unterstützen, die für Demokratie sind und unter Lukaschenko leiden. Aber sie sagt nur: „Wenn ich den Krieg beenden könnte, würde ich es tun.“ Das ist absurd. Das Interview wurde für das Sport-Kompetenzcenter ( WELT, (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/) „Bild“ (verlinkt auf https://www.bild.de/sport/startseite/sport/sport-home-15479124.bild.html) , „Sport Bild“ (verlinkt auf https://sportbild.bild.de/) ) geführt und zuerst in „Bild am Sonntag“ veröffentlicht.