Ulrich Siegmund (AfD) ist im Magdeburger Landtag erneut auf „Heute Show“-Reporter Fabian Köster getroffen. Noch vor Ausstrahlung der ZDF-Sendung wurden Mitschnitte von den AfD-nahen Kanälen „Utopia TV“ (verlinkt auf https://www.youtube.com/watch?v=UEBSWC3WS_I) und dem „Deutschlandkurier“ (verlinkt auf https://www.youtube.com/watch?v=qUuoGNeWhEE) verbreitet. Bereits im August hatten sich Siegmund und Köster bei einem Wahlkampfauftritt in Oranienbaum (Sachsen-Anhalt) ein verbales Duell geliefert. (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a87b1f7c3692834ff6d7c98/afd-politiker-siegmund-und-zdf-moderator-liefern-sich-schlagabtausch-das-ist-ja-wirklich-unterste-schublade.html) Auch damals gingen vorab einzelne Videoclips viral, da Streamer den damaligen AfD-Spitzenkandidaten quasi rund um die Uhr begleitet hatten. „Was machst du, wenn die GEZ weg ist? Normal arbeiten gehen, könnt ihr das?“, hatte Siegmund den ZDF-Satiriker damals gefragt – eine Provokation angesichts der AfD-Pläne, den Medienstaatsvertrag zu kündigen. Auch diesmal setzte Siegmund den Fragen von Köster Ähnliches entgegen: „Was machen Sie, wenn wir dieses Jahr noch den Medienstaatsvertrag kündigen? Haben Sie sich schon einen Job besorgt?“ Der 31-jährige Köster reagierte schlagfertig und konterte mit den zahlreichen Fällen von Vetternwirtschaft in der AfD: „Ja, ich hoffe halt, dass ich mit irgendeinem AfD-Kollegen verwandt bin, weil dann stellt er mich ja einfach ein.“ Bereits zu Beginn der knapp zwei Minuten langen Aufnahme, die nach der konstituierenden Sitzung des sachsen-anhaltischen Landtags entstand, hatte ZDF-Mann Köster auf Unregelmäßigkeiten und Strafermittlungen bei AfD-Abgeordneten angespielt – etwa den Fall des AfD‑Politikers Philipp-Anders Rau (Jerichower Land), der wegen Urkundenfälschung und Diebstahls (unter anderem Handtücher und Bettlaken in großen Mengen) verurteilt wurde. Darüber berichtet hatte unter anderem die Magdeburger „Volksstimme“ (verlinkt auf https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/afd-kandidat-raub-verurteilung-skandal-parteikritik-diebstahl-zeugnis-3917131) . „Als Handtuchdieb und Urkundenfälscher liebt man sein Land?“, fragt Köster Ob er, Siegmund, denn wirklich mit solchen Kollegen arbeiten wolle, fragte Köster. Der AfD-Politiker antwortete: „Selbstverständlich. Denn die lieben ihr Land. Damit haben Sie nichts am Hut.“ „Ach so, als Handtuchdieb und Urkundenfälscher liebt man sein Land?“, parierte Köster – insbesondere, wenn man „rechtskräftig verurteilt“ sei? Siegmund wich aus, geriet ins Lavieren, doch Köster ließ nicht locker: Was er, Siegmund, denn zu diesen Verfehlungen sage, und wie Siegmund denn darüber urteilen würde, wenn solche Politiker in anderen Parteien aktiv wären? Das müsse man sich dann „im Einzelfall“ ansehen, antwortete Siegmund, zumal man solche Fälle ja „jahrelang erlebt habe“. Welche er damit meinte, sagte er nicht. Dann startete der AfD-Spitzenkandidat die Flucht nach vorne und ging Köster persönlich an: „Sie zittern ja schon wieder, sind Sie nervös?“ Das Gespräch geriet im weiteren Verlauf zunehmend kleinteilig und nickelig. Siegmund versuchte, das Ruder an sich zu reißen und selbst die Rolle des Fragestellers zu übernehmen. Etwa so: Siegmund: „Fragen Sie mal was Politisches. Haben Sie von Politik auch überhaupt ein bisschen Ahnung?“ Köster: „Das kann ich zurückgeben.“ Siegmund: „Kommen jetzt noch ein paar Witze?“ Köster antwortete sinngemäß, dass er das alles gar nicht „witzig“ fände. Siegmund nahm den Ball dankend auf und spielte auf den für seine Partei politisch so erfolgreichen Tag im Magdeburger Landtag an: „Ich glaube, Sie haben das hier alles noch nicht so verarbeiten können. Herzlich willkommen in einer neuen Zeit, herzlich willkommen in Sachsen-Anhalt.“ Zuvor war mit Tobias Rausch erstmals ein AfD‑Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt worden (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6ac60bc3b87614811a357699/sachsen-anhalt-neuer-afd-landtagspraesident-bestaetigt-sonderplenum-afd-und-bsw-fordern-ende-der-russlandsanktionen.html) . Rechter Streamer folgt Köster durchs Gebäude Doch damit war noch immer nicht Schluss. Köster bohrte weiter, wollte wissen, woher Siegmund die nötigen Stimmen für die Wahl des Ministerpräsidenten bekommen wolle. „Wollen Sie Pressesprecher bei uns werden?“, wich Siegmund aus, woraufhin Köster konterte, dass man dafür doch wohl in der HDJ (Heimattreue Deutsche Jugend) gewesen sein müsse – ein im Jahr 2009 vom Bundesinnenministerium verbotener, rechtsextremistischer Bund. Siegmund spottete schließlich, er werde Kösters Bewerbung auf jeden Fall „mit Priorität behandeln“. Im Anschluss an die Szene ist in einem Video des „Deutschlandkuriers“ (verlinkt auf https://www.youtube.com/watch?v=qiGUn_rZpnI) zu sehen, wie ein Streamer den ZDF-Reporter noch durchs Treppenhaus und über die Gänge des Landtags verfolgte und ihm unter anderem Fragen nach seinem Gehalt stellte. Auch auf die Klarstellung Kösters, dass er während seiner Arbeit keine Interviews gebe, ließ der Mann nicht von ihm ab. In der Überschrift des Videos wurde Kösters Name mit einem Clowns-Emoji versehen. Schon im Wahlkampf hatten AfD-nahe Streamer und Aktivisten Journalisten bedrängt oder bepöbelt. (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6aa27ad54efdd38dc3e6992c/aktivist-mann-streamer-geht-spiegel-journalistin-verbal-an-afd-spitze-distanziert-sich.html) Dem rechten Influencer „Aktivist Mann“ wurde später von der Partei auferlegt, auf Veranstaltungen keine Reporter mehr zu belästigen.