Schwarz, rot, gold – die Streifen sind noch da, die Aufschrift „Bundesrepublik Deutschland“ ist verschwunden. Im Inneren des Flugzeugs: beigefarbene Ledersessel, dunkle Holzverkleidungen, eine luxuriöse Lounge. Jahrelang war dieser Bereich nur Kanzlern, Bundespräsidenten und ihren engsten Mitarbeitern vorbehalten. Nun kann jeder sehen, wie die politische Führung Deutschlands über den Wolken reiste: Der frühere Regierungsairbus „Theodor Heuss“ steht zum Verkauf. Der Airbus A340-300 gehörte zusammen mit seiner Schwestermaschine „Konrad Adenauer“ über Jahre zu den Flaggschiffen der Flugbereitschaft. Bundeskanzlerin Angela Merkel nutzte die „Theodor Heuss“ auf Auslandsreisen, ebenso Minister, Staatsgäste und Bundespräsidenten. Mehr als 50.700 Flugstunden und 8768 Landungen weist die Maschine laut Verkaufsunterlagen auf. Jetzt steht die Maschine offenbar in den USA auf einem Parkplatz und der US-Flugzeughändler Jetcraft sucht einen Käufer. Die Verkaufsbroschüre (verlinkt auf https://www.jetcraft.com/pdfview/?pdf=https://www.jetcraft.com/wp-content/uploads/2026/04/2000-Airbus-A340-sn-355-Available-through-Jetcraft-PRELIMINARY.pdf) und ein Videorundgang (verlinkt auf https://www.youtube.com/watch?v=nqnvi5KjNUk) gewähren Einblicke in Bereiche, die der Öffentlichkeit bislang weitgehend verborgen blieben. Auch auf Instagram bewirbt der Händler das Flugzeug. Die Maschine ist ein Airbus A340-300 aus dem Jahr 2000 mit der Seriennummer 355. Im Einsatz der Regierung trug sie die Kennung 16+02. Jetcraft beschreibt sie als einen von zwei A340 der deutschen Luftwaffe, die „Kanzler und Präsidenten“ transportiert hätten. Der vierstrahlige Langstreckenjet verfügt demnach über eine Reichweite von mehr als 7000 nautischen Meilen, also rund 13.000 Kilometern. Besonders auffällig ist die sogenannte „Executive Suite“ im vorderen Bereich. Dort sind sieben Sitzplätze untergebracht. Hinzu kommen ein Konferenzraum mit zwölf Plätzen, ein „Communication Center“ und eine Lounge mit acht Sitzen. Die Fotos zeigen breite Ledersessel, große Bildschirme, Besprechungstische und aufwendige Holzverkleidungen. Fast noch luxuriöser wirkt der private Sanitärbereich. Die Broschüre dokumentiert eine vollwertige Dusche, mehrere Waschbereiche und separate Toiletten. Der Verkäufer wirbt zudem damit, dass sich die Suite in einen Schlafbereich umwandeln lässt. Für Delegationen und Begleitpersonal stehen nach Angaben von Jetcraft 24 Business-Class-Sitze und 94 Plätze in der Economy Class zur Verfügung. Insgesamt fasst die Maschine 145 Passagiere. Die Geschichte des Flugzeugs reicht bis in die frühen 2000er-Jahre zurück. Die Bundesregierung übernahm die beiden A340 von Lufthansa und ließ sie anschließend aufwendig zu Regierungsflugzeugen umbauen. Der in der Broschüre vermerkte VVIP-Umbau – also für „very very important people“ – erfolgte 2011. Die Maschinen sollten längere Nonstop-Flüge ermöglichen und den internationalen Einsatz der politischen Führung erleichtern. Im Laufe der Jahre wurde die A340-Flotte jedoch immer stärker mit technischen Problemen in Verbindung gebracht. Flugzeugpannen der Flugbereitschaft sorgten wiederholt für Schlagzeilen und belasteten den Ruf der Regierungsmaschinen. Schließlich beschaffte die Bundeswehr drei neue Airbus A350 als Nachfolger. Die A340 wurden außer Dienst gestellt. Unter dem Instagram-Beitrag von Jetcraft spotten deutschsprachige Nutzer: „We called it ‚Pannenflieger’“, schreibt jemand mit einem lachenden Emoji. Ein anderer kommentiert: „80 Euro und dann ist das Ding jut bezahlt“. Während die frühere „Konrad Adenauer“ später von Lufthansa Technik übernommen und als Ersatzteilspender genutzt wurde, blieb die „Theodor Heuss“ als komplettes Flugzeug erhalten. Nach ihrem Verkauf im September 2023 durch den Bund gelangte sie in die USA. Einen Preis nennt der Händler nicht.